Busse und Venske ziehen sehr viel Publikum an

Henning Venske (71) und Jochen Busse (69), die beiden alten Männer des deutschen Kabaretts, haben Donnerstagabend eine riesiges Publikum in den Festsaal Riesei gezogen. Vor fast vollen Reihen gaben die beiden ihr freundlich beklatschtes Programm „Inventur“, großartig unterstützt von dem hinreißend Akkordeon spielenden Frank Grischek.

WERDOHL ▪ Emotionsgeladen und leidenschaftlich wurde es Donnerstagabend im Festsaal vor so gut wie ausverkauftem Haus immer dann, wenn Frank Grischek sein Akkorden sprechen ließ. Der stoisch auf der Bühne sitzende Musiker, der seit 2007 mit Venske und Busse auf Tournee ist, bot ein interessantes Kontrastprogramm zu den beiden Urviechern des deutschen Kabaretts.

Venske und Busse saßen im virtuellen Wartezimmer und ließen ihr Leben an sich vorbeiziehen, in Vorbereitung eines imaginären Fernsehauftritts am kommenden Tag. „Inventur“, so heißt das Programm des mürrischen Schnauzbartes Venske und seinem viel redenden Gegenpart Jochen Busse. Die Selbstironie, das Kokettieren mit dem eigenen Alter und der Vergangenheit zogen sich durch das Programm.

Gepflegte Unterhaltung

Gepflegte Unterhaltung auf einem guten Niveau, niemals flach, aber eben auch nicht dynamisch, erfrischend oder besonders originell ging es auf der Bühne zu. Die beiden trafen damit voll den Nerv des gut situierten Publikums, das Lachen gluckerte immer wieder durch den Saal und es gab viel wohlwollenden, aber keinen enthusiastischen Applaus.

Was die beiden alten Männer da auf der Bühne machten, war natürlich reife Kunst. Zur Freude des Publikums gaben die beiden ohne blödsinniges Grimassieren, ohne neuzeitliche Comedy-Effekthascherei und ohne albernes Gehampel ihre meist rückblickende Sicht auf die Welt zum Besten.

Und immer wieder selbstkritische Ironie: „Fernsehen macht blöde! Das ist falsch: Blöde machen Fernsehen!“ Politik kam natürlich auch vor, aber immer einigermaßen zahm, höchst selten bösartig. So machte man sich über Minister Brüderle als Wein-Experte lustig, und Guido Westerwelle wurde zum Running Gag.

Feinsinniger Wortwitz, elegante Formulierungen, sarkastische Andeutungen, behutsam eingestreute Anzüglichkeiten – das ist das Metier von Busse und Venske. Letzterer wurde manchmal doch ein bisschen bissiger, als es zum Beispiel um Hartz IV ging. Sozialhilfeempfänger sollten eine Organabgabeverpflichtung von doppelt vorhandenen Körperteilen bekommen: „Es reicht doch ein Arm, wenn sie sich eine Pulle an den Hals setzen.“ Das war besonders perfide, schließlich machten sich die beiden gerade über den „deutschen Stammtisch“ lustig.

Hier hatte das Programm eindeutig seine Stärken: Als es durch die Hintertür besonders intelligent daherkam.

Alles in allem: Ein schöner Abend und eine tolle Bestätigung für die Arbeit der Werdohler Kultur-Abteilung.

Von Volker Heyn

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