Notfalldose: „Diese kleine Hilfe ist großartig“

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Bürgermeisterin Silvia Voßloh setzte die gute Idee der Notfalldose rasch und unkompliziert für Werdohl um: Mit dem Unternehmer Lutz Menshen (2. von rechts) fand sie einen Unterstützer, der die Rechnung über 4000 Dosen übernimmt. MK-Fachdienstleiter Hans Peter König (von links), Wehrleiter Kai Tebrün und Notfallsanitäter Patrick Sangermann sind von der Idee begeistert.

Werdohl - Auf persönliche Initiative von Bürgermeisterin Silvia Voßloh gibt es ab Dienstag kostenlos 4000 Notfalldosen für die Werdohler Bevölkerung. In einer Notfalldose werden im Kühlschrank unter Umständen lebenswichtige Informationen über Krankheiten, Medikation und Allergien aufbewahrt. Das System setzt sich langsam durch, Werdohl gehört zu den ersten Kommunen im Märkischen Kreis.

„Ich habe in der Zeitung über die Aktion in Nachrodt-Wiblingwerde gelesen“, so die Bürgermeisterin. Ihre Amtskollegin Birgit Tupat hatte für die Doppelgemeinde 2000 solcher Notfalldosen besorgt. In Nachrodt-Wiblingwerde hatten Vereine und Verbände die Dosen angeschafft, damit sie kostenlos verteilt werden konnten.

Bürgermeisterin Voßloh war spontan von der Idee begeistert. „Das müssen wir in Werdohl auch sofort haben,“ habe sie sich gedacht und am selben Tag Lutz Menshen angerufen. Der Unternehmer sagte ebenso spontan zu, die Rechnung für 4000 solcher Notfalldosen zu übernehmen. Damit war die Sache erledigt. In vielen anderen Städten und Gemeinden wird noch über die Finanzierung der Dosen nachgedacht.

Die Dosen sind nur im Internet unter www.notfalldose.de erhältlich, das Unternehmen Hausnotrufshop vertreibt das Produkt. Die kleinste Bestellmenge sind drei Dosen, dann kostet eine Dose 4,50 Euro. Die größte Bestellmenge liegt dort bei 500 Stück und einem Einzelpreis von 1,55 Euro. Bei größeren Bestellmengen verhandelt man mit dem Anbieter über den Preis. Lutz Menshen vom Schrott- und Metallgroßhandel Menshen freut sich, mit dieser Spende etwas richtig Gutes bewirken zu können. In der Notfalldose befindet sich ein Vordruck, der über den gesundheitlichen Zustand des Patienten Aufschluss gibt. Wer den Zettel nicht selbst ausfüllen kann, kann sich vom Hausarzt helfen lassen. Auf dem Blatt sind Erkrankungen, Allergien, Medikationen und weitere besonders Hinweise auf den Patienten hinterlegt. Ob und wo es eine Patientenverfügung und einen Organspendeausweis gibt, wird aufgeschrieben. Sogar Hinweise auf ein Haustier finden dort Platz. Die Notfalldose soll im Kühlschrank aufbewahrt werden – einfach deshalb, weil in jedem Haushalt ein Kühlschrank steht und der für die Rettungskräfte schnell zu finden ist. Ein beiliegender Aufkleber soll am Kühlschrank angebracht werden, der andere in der Zarge der Wohnungseingangstür oder der Haustür.

Patrick Sangermann, Notfallsanitäter in der Rettungswache Werdohl, ist vollständig vom Nutzen dieser Dose überzeugt. Ein Notfall sei für die betroffene Person eine emotionale Ausnahmesituation. Derjenige habe meist mit seinen eigenen Empfinden genug zu tun und könne oft nicht Fragen nach genauer Dosierung von Medikamenten geben. Auch bei Partnern sei dies oft schwierig. Beim Rollenverständnis der älteren Generation sei oft die Frau für solche Dinge zuständig. Dann könne der Mann schon helfen, indem er auf die Notfalldose hinweise oder sie hole. Aus beruflicher Erfahrung hält er die Notfalldose für absolut sinnvoll: „Die Menschen sind im Notfall naturgemäß überfordert, da liefert uns die Dose lebensrettende Informationen. Diese kleine Hilfe ist großartig.“

Hans Peter König, der Fachdienstleiter des Rettungsdienstes im Märkischen Kreis, ist ebenfalls von der Werdohler Initiative begeistert: „Je mehr Städte es umsetzen, desto bekannter wird das System.“ Mit 4000 Dosen, so Bürgermeisterin Voßloh, sei der Bedarf der Werdohler bestimmt abgedeckt.

Die Dosen gibt es spätestens ab Dienstag in allen vier Apotheken und in zwei Stellen im Rathaus.

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