Über die Zukunft der Abteilung

Bürgermeister Späinghaus: „War nie meine Absicht, das Jugendamt abzugeben“

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD).
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Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD).

Im Jugendamt der Stadt Werdohl hat sich in diesem Jahr einiges verändert. Die bisherige Leiterin wurde abberufen. Wie geht es nun mit der Abteilung weiter? Bürgermeister Andreas Späinghaus stellte sich den Fragen von Volker Heyn.

Werdohl – Zehn Fragen zur Neustrukturierung des Werdohler Jugendamtes nach der Abberufung der bisherigen Leiterin Kirsten von der Crone durch den Behördenleiter zum 1. Juni des Jahres stellte Volker Heyn an Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD). Im SV-Interview erklärt das Stadtoberhaupt, wie es mit dem Jugendamt in der Stadt an Lenne und Verse zukünftig weitergehen soll und wie die derzeitige Übergangsphase gemanagt wird.

Zum 31. Mai wurde Kirsten von der Crone von der Leitung des Werdohler Jugendamtes abberufen. Ist Frau von der Crone noch Mitarbeiterin der Stadtverwaltung?
Hier handelt es sich um eine vertragliche und eine personelle Angelegenheit, zu der ich keine Auskunft geben werde.
Als Bürgermeister liegt die Leitung des Jugendamtes bei Ihnen. Unseres Wissens verfügen Sie nicht über eine verwaltungsfachliche Ausbildung und nicht über eine Ausbildung oder Befähigung im Bereich sozialer Arbeit. Mit welcher fachlichen Kompetenz üben Sie diese Leitungsfunktion des Werdohler Jugendamtes aus?
Gemäß Paragraph 70, Absatz 2, des Sozialgesetzbuches VIII ist der Leiter der Verwaltung automatisch der Leiter des Jugendamtes. Er kann eine Leitung des Jugendamtes an eine andere Person übertragen.
Außerdem werde ich im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit von Michael Schröder, dem Jugendamtsleiter der Stadt Plettenberg, unterstützt.
Das Werdohler Jugendamt verfügt derzeit nicht über eine Leitung des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), entsprechende Ausschreibungen führten nicht zum Erfolg. Wer leitet im Moment das Team des ASD fachlich und pädagogisch?
Das Team des ASD wird fachlich und pädagogisch ebenfalls durch Michael Schröder vom Jugendamt Plettenberg unterstützt. Herr Schröder unterstützt das Jugendamt Werdohl dabei, neue Strukturen aufzubauen.
Wer trifft letztlich die fachlichen und verantwortlichen Entscheidungen bei möglichen Inobhutnahmen bei Kindeswohlgefährdungen?
Die Fachkräfte selbstständig.
Wie ist die personelle Situation beim Werdohler ASD? Wie viele Stellen sind derzeit nicht besetzt?
Derzeit sind zwei Stellen unbesetzt, das Bewerbungsverfahren läuft.
Die Stadt Werdohl hat einen Rahmenvertrag mit dem Unternehmen „Kinder- und Jugendhilfekonzepte Unna“ (KJHK). Dieser Vertrag wurde schon vor längerer Zeit von Frau von der Crone initiiert. Nachts und an Wochenenden deckt dieser Bereitschaftsdienst die Aufgaben des Werdohler Jugendamtes ab. Wieso kann hier die Verantwortlichkeit an einen Träger abgegeben werden, während so eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Märkischen Kreises offensichtlich nicht möglich ist?
Die Zusammenarbeit mit dem Bereitschaftsdienst des KJHK in Unna besteht bereits seit 2019. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen Bereitschaftsdienst für bestimmte definierte Zeiten, dessen sich auch andere Kommunen bedienen. Ein Zusammenhang mit dem Jugendamt des Märkischen Kreises besteht daher nicht, kann auch nicht hergestellt werden.
Wie sehen Ihre Pläne für das Werdohler Jugendamt aus? Planen Sie langfristig eine Übertragung der Aufgaben an den Märkischen Kreis?
Es war nie meine Absicht, das Jugendamt abzugeben und es ist auch nach wie vor rechtlich nicht möglich.
Wann werden Sie dem Rat und damit der Öffentlichkeit vorstellen, wie die Aufgaben im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes in Werdohl zukünftig strukturiert sein werden?
Der Leiter der Verwaltung organisiert die Aufgaben. Die Ansprechpartner zur Beantwortung von Fragen stehen auf der Homepage der Stadt. Selbstverständlich wird der Rat und somit die Öffentlichkeit über die Umstrukturierung informiert, sobald diese abgeschlossen ist.
Eine eben erst veröffentlichte Statistik zeigt, dass die Anzahl der Kindeswohlgefährdungen in Corona-Zeiten angestiegen ist. Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2020 bei fast 60 600 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das waren 9 Prozent mehr als 2019. Wie hoch war die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Werdohl in 2019 und in 2020?
2019 waren es 81, 2020 waren es 122. Die Gesamtzahlen sind allerdings noch nicht verifiziert. Für den Jugendhilfeausschuss im November liegt ja bereits eine Anfrage der Politik zu dem Thema vor, dann werden wir die verifizierten Zahlen vorlegen.
Wie wollen Sie in Werdohl auf diese Entwicklung reagieren?
Die Fälle werden vor Ort beurteilt, wenn eine Kindeswohlgefährdung tatsächlich vorliegt, werden die nötigen Schritte eingeleitet.

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