Paradigmenwechsel

Bürgermeister nennt ganz neuen Standort für Lenne-Gastronomie

Ein Coffee-Bike oder andere mobile Gastronomieangebote könnten nach Auffassung von Bürgermeister Andreas Späinghaus die Versorgungslücke an der Lennepromenade schließen.
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Ein Coffee-Bike oder andere mobile Gastronomieangebote könnten nach Auffassung von Bürgermeister Andreas Späinghaus die Versorgungslücke an der Lennepromenade schließen.

Jahrelang hat Werdohl von einem Gastronomiebetrieb am Lenneufer geträumt: Im Bereich der Stadtspange, am Rande des Parkplatzes an der Goethestraße, sollte er Besucher und Einheimische zum Verweilen einladen. Nachdem viele Versuche, den Traum zu verwirklichen, gescheitert sind, bringt Bürgermeister Späinghaus nun eine neue Idee ein.

Werdohl – Seit rund sieben Jahren geistert die Idee von einem Gastronomiebetrieb am Werdohler Lenne-Ufer durch die Köpfe. Viele Anläufe sind unternommen worden, Ex-Bürgermeisterin Silvia Voßloh hatte die Umsetzung zwischenzeitlich zur „Chefsache“ erklärt. Nur: Passiert ist bisher nichts. Wird sich darin in der Amtszeit von Bürgermeister Andreas Späinghaus ändern? Vielleicht.

Es hat etliche Versuche gegeben, die hochfliegenden Träume von einem schönen Café für Besucher und Einheimnische zu realisieren – vom Studentenwettbewerb über Konzepte von Gastronomen bis zum Gastroboot einer Brauerei. Auch Pläne für einen Gastronomiebetrieb in Pfahlbauweise gab es, damit das immer wiederkehrende Lennehochwasser nicht zum Problem werden konnte. Gemeinsam haben alle Varianten nur eins: Sie wurden nicht realisiert.

Deshalb hat Bürgermeister Späinghaus auf die Frage nach dem Stand der Dinge auch nur eine ernüchternde Antwort: „Es gibt nichts!“ Allerdings will sich der neue Chef im Rathaus damit nicht zufriedengeben. Vielmehr ruft er einen Paradigmenwechsel aus, den jedoch schon seine Amtsvorgängerin angedeutet hatte, als sie im Herbst 2019 erklärt hatte, nach vielen gescheiterten Versuchen mit der Suche noch einmal ganz vorne beginnen zu wollen. Voßloh hatte seinerzeit erkannt, dass sich die erhoffte große Lösung wohl nicht würde realisieren lassen. Stattdessen sprach sie fortan von einem Angebot, das aus Eis, Kuchen, Frühstück, Espresso und Cappuccino, aus Hamburgern, Flammkuchen und Erfrischungstränken bestehen könnte.

Mit dem Parkplatz an der Goethestraße als Standort war ich noch nie glücklich.

Andreas Späinghaus, Bürgermeister

Späinghaus speckt nun noch deutlicher ab, wenn man ihn nach seinen Vorstellungen von einem gastronomischen Angebot am Werdohler Lenneabschnitt befragt. Zunächst erteilt er dem bisher favorisierten Standort eine Absage. „Mit dem Parkplatz an der Goethestraße als Standort war ich noch nie glücklich“, verrät er. Dort gebe es ja mit dem „Paradies“ bereits ein gastronomisches Angebot. Seit mehr als 20 Jahren betreiben Ilias und Eleni Leliopoulou dort einen greichischen Schnellimbiss.

Keine Konkurrenz für bestehendes Angebot

Freilich, sagt Späinghaus, könne man das Angebot beispielsweise um Kaffee und Kuchen erweitern. Ob die Betreiber das aber wollen? „Ich weiß es nicht“, zuckt der Bürgermeister mit den Schultern. Die Lenne-Gastronomie sei ja in den vergangenen Jahren „ein nichtöffentliches Thema“ gewesen, erinnert er daran, dass Voßloh ein großes Geheimnis um die Gastronomiepläne gemacht und sogar die Ratsmitglieder zum Schweigen über die wenigen bekannten Details verdonnert habe. „Ich weiß deshalb nicht, ob mit der Familie Leliopoulou jemals darüber gesprochen wurde.“ Der Imbiss hätte aber Potenzial, meint Späinghaus. Der Familie nun eine Konkurrenz vor die Nase zu setzen, hält er außerdem für unklug und unnötig.

„Abgeschiedener, ruhiger Ort wäre ideal“

Favorit des Bürgermeisters für die Ansiedlung einer Lenne-Gastronomie wäre ohnehin ein anderer Ort, der auch weniger von Überschwemmungen bedroht ist als der Parkplatz der Goethestraße. Der Platz an der Altenaer Straße, wo die Soppe in die Lenne mündet, wäre nach seiner Auffassung nach ideal. „Das ist einerseits ein abgeschiedener, ruhiger Ort, andererseits aber auch ein Knotenpunkt verschiedener Aktivitäten“, erklärt er. Dort kämen Wanderer, Kletterer und Radfahrer, aber auch Einheimische zusammen.

Und es müsse auch kein großer Gastronomiebetrieb sein, findet Späinghaus. Der Bedarf könne ebenso gut mit einem mobilen Angebot gedeckt werden, glaubt er. „Das ist ein Trend, das ist meine Vorstellung von moderner Gastronomie“, sagt Späinghaus über Foodtrucks, Coffee-Bikes und andere rollende Verkaufsstellen. Deshalb gefalle ihm auch das Finnentroper Konzept mit umgebauten Eisenbahnwaggons sehr gut.

Gastroboot wäre „unpassend“

Ein mobiles Gastronomieangebot an der Altenaer Straße hätte laut Späinghaus gleich mehrere Vorteile. Man müsse nicht erst in eine Immobilie investieren, beginnt der Bürgermeister seine Aufzählung. Auch ein Gastroboot, das er ohnehin für unpasssend hält („Auf der Lenne sind nie Schiffe gefahren.“) erfordere zunächst eine hohe Anfangsinvestition. Mit einem mobilen Verkauf könne zudem ein wechselndes Angebot gemacht werden. Und nicht zuletzt könne auch die im Konzept für die Neugestaltung des Lennebogens vorgesehene Plattform über die Soppe-Mündung genutzt werden, um dort Tische und Stühle aufzustellen.

Wenn die Corona-Pandemie überwunden sei, könne man doch einen Versuch mit einem mobilen Angebot starten, skizziert der Bürgermeister seinen Zeitplan. Dann werde man sehen, ob das Angebot angenommen wird. Denn auch darin sieht Späinghaus einen Vorteil für „sein“ Konzept: Es könne jederzeit ohne großen Aufwand dem Bedarf angepasst werden.

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