Signal aus Finnentrop: Beide Gesamtschulen gewinnen

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Der Finnentroper Bürgermeister Dietmar Heß in der sehr modernen Mensa der Bigge-Lenne-Gesamtschule. Hier könnten im nächsten Jahr auch Werdohler Oberstufenschüler zu Mittag essen.

Werdohl / Finnentrop -  Bürgermeister Dietmar Heß und Gesamtschuldirektorin Monika Storm aus Finnentrop wollen ein Signal nach Werdohl schicken: Die in beiden Lenne-Kommunen in ihrer Existenz gefährdeten Gesamtschulen können ihrer Meinung nach durch den geplanten Zweckverband nur gewinnen. Die ungewöhnliche Art der Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg und mit einer Stadt dazwischen werde von vielen Seiten kritisch beäugt, bringe aber für beide Gesamtschulen ausschließlich Vorteile

Ein Besuch im Schulzentrum Finnentrop lohnt sich. Möglicherweise werden ab Sommer 2019 Werdohler Oberstufenschüler dort Unterricht erhalten. Die Werdohler Albert-Einstein-Gesamtschule und die Bigge-Lenne-Gesamtschule Finnentrop sollen bis Ende des Jahres einen Zweckverband bilden, um beiden Gesamtschulen zum Überleben zu verhelfen. In Finnentrop geht es um die Existenzberechtigung der Oberstufe, die mit weniger als dem Minimum an Schülern in diesem Sommer starten darf. Die Werdohler Gesamtschule hat schon seit Jahren zu wenige Schüler für die erforderlichen vier Eingangsklassen.

Erste Gespräche schon vor eineinhalb Jahren

Bürgermeister Heß berichtet, dass er mit seiner Amtskollegin Silvia Voßloh schon vor gut eineinhalb Jahren lockere Gesprächen über die Schulproblematik der Stadt Werdohl und der Gemeinde Finnentrop aufgenommen habe. Durch die Lenneschiene-Projekte und die Zusammenarbeit in der Musikschule Lennetal kenne man sich. Für Heß war der Termindruck in Sachen Gesamtschule sehr groß. Die dortige Bigge-Lenne-Gesamtschule (die Bigge mündet in Finnentrop in die Lenne) besteht erst seit 2012. Parallel zum Aufbau der Gesamtschule liefen Hauptschule und Realschule aus. In diesem Sommer 2018 sollte der erste Jahrgang in die Oberstufe eintreten, doch die Eltern meldeten nicht genügend Kinder an.

Konkurrenz durch vier Gymnasien

Heß: „Wir haben vier Gymnasien und mehrere Realschulen in unmittelbarer Nachbarschaft. Durch das kostenlose Schülerticket im Kreis Olpe spielen Fahrtkosten für die Eltern keine Rolle. Die Eltern lassen sich hier nicht an kommunale Grenzen binden.“ In der Nachbarschaft liegen Attendorn, Lennestadt und sogar Eslohe, Plettenberg spiele hingegen weniger eine Rolle. Zuletzt geriet in Finnentrop auch noch die Unterstufe in Schwierigkeiten: Dort gibt es wie in Werdohl nur noch drei Eingangsklassen.

Situation in Finnentrop spitzt sich zu

Im Frühjahr spitzte sich die Situation in Finnentrop zu: Heß brauchte dringend eine Zusage der Bezirksregierung, um die Oberstufe mit weniger als 42 Schülern starten zu können. Gegenüber der Bezirksregierung habe er zum ersten Mal die Gedankenspiele mit Werdohl ins Spiel gebracht. „Bei mir drohten die Eltern abzuwandern“, so Heß.

Gemeinsam mehr Oberstufenkurse

Nach den Osterferien bestellte die Bezirksregierung beide Bürgermeister ein, um aus der Idee einer Zusammenarbeit einen konkreten Zweckverband mit einer gemeinsamen Schulleitung zu bilden. Zunächst habe die Bezirksregierung beide Oberstufen an einem Standort gesehen. Doch das ist für Heß undenkbar: „Ohne Mehrwert für meine Oberstufe konnte ich nicht nach Hause kommen.“ Heß verhandelte gut: So kam man auf die Idee, die Oberstufen nur rechnerisch zusammen zu legen: Finnentrop war gerettet. Gemeinsam könnten hier wie dort mehr Oberstufenkurse gebildet werden, hier sei auch Schülerverkehr für jeweilige Wunschkurse denkbar.

" Werdohl musste auch etwas anbieten"

Klar sei gewesen, dass kein Schüler der Sekundarstufe fahren soll. Heß: „Aber Werdohl musste auch etwas anbieten.“ An dieser Stelle wurde vereinbart, die Werdohler Realschule auf zwei Züge zu beschränken und die überzähligen Anmeldungen innerstädtisch Richtung Gesamtschule zu kanalisieren. Heß: „Diese Kröte musste Werdohl schlucken.“

Für die Bigge-Lenne-Gesamtschule verspricht sich Heß eine nachhaltige Stärkung: „Die Kooperation mit Werdohl wird unsere Gesamtschule festigen.“

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