Folgen des Corona-Virus

Öffentliches Leben kommt zum Stillstand

+
Petra Polo hilft dem 13-jährigen Nils bei der Lektüre-Auswahl.

Werdohl - Petra Polo sitzt in der Stadtbücherei und muss immer wieder dieselben Fragen beantworten. Nein, bisher ist nicht geplant, die Bibliothek zu schließen. Und nein, wenn es doch geschieht, muss niemand Mahngebühren zahlen.

„Wir warten auf weitere Instuktionen“, sagt die Bücherei-Mitarbeiterin. Und dann wieder: „Wir harren der Dinge, die da kommen.“ Dann bedient sie eine Grundschülerin, die sich mit Büchern für die unverhofft verlängerten Osterferien eindeckt. Und da neben einem Prinzessinnen-Roman auch ein Mathematik-Buch zu dem Stapel gehört, bekommt die Kleine auch ein Lob von Polo.

Gekommen ist auch der 13-jährige Nils. Auch er stapelt zahlreiche Bücher auf die Theke. Früher sei er einmal Stammgast in der Stadtbücherei gewesen. Nun habe er das Angebot aber schon länger nicht mehr genutzt. „Doch jetzt haben wir ja fünf Wochen frei. Da brauche ich noch ein bisschen was zu lesen“, erläutert er.

Polo berichtet: „Es kommen mehr Kunden. Und jeder nimmt gefühlt auch mehr mit. Man merkt schon, dass die Leute Angst haben, dass sie bald keine Lektüre mehr bekommen. Viele holen sich einen Vorrat – oft auch für die Kinder.“

Dabei leihen die Werdohler aber nicht vermehrt medizinische Nachschlagewerke nach. „Man wird ja auch überall zugeschüttet mit Informationen“, meint Polo, den Grund dafür genau zu kennen. Anfang hätten die Bibliotheks-Kunden noch viel gescherzt über das Virus. „Aber das wird nun deutlich weniger.“

Polo macht sich indes keine Sorgen über Langeweile. „Wir haben auch bei geschlossener Bücherei für vier, fünf Wochen genug zu tun“, zeigt sie sich sicher. Eine seit dem Jahreswechsel nicht besetzte Stelle und eine Umstellung der Bücher-Etikettierung hätten zu einem Arbeitsstau geführt.

Ein kleiner Stau bildet sich auch vor dem Bringhof an der Gildestraße. Ob dieser aber nun länger ist, als üblich, beantwortet die Mitarbeiterin nicht. Der Zweckverband für Abfallbeseitigung in Iserlohn habe seine Beschäftigten angewiesen, nichts zu Corona zu sagen.

Stille herrscht seit Sonntag auch in den evangelischen Kirchen im Stadtgebiet. Ein Anschlag an der Tür zur Christuskirche teilt mit, dass bis zum Beginn der Karwoche alle Gottesdienste abgesagt sind. Gruppen, Kreise, Veranstaltungen und KU3- sowie KU8-Unterrichtsstunden fallen darüber hinaus sogar bis einschließlich 19. April aus.

Am Samstagabend hatte auch der Heimat- und Geschichtsverein entschieden, dass Stadtmuseum vorerst nicht mehr zu öffnen. Auf Facebook teilte der Verein mit: „Es tut uns leid, wir werden Euch über die weitere Lage informieren. Bleibt gesund!“

Im Hallenbad indes sah es am Sonntagmorgen aus wie immer. Vor allen Dingen Kinder und Familien tummelten sich im Wasser. Die Mitarbeiterinnen Kerstin König und Susanne Stöckel vermissten keinen ihrer Stammgäste. Sie standen im Kassenhäuschen und beantworteten geduldig die Fragen der Badenden. Immer wieder kam auch eine telefonische Anfrage, ob denn überhaupt geöffnet sei. Die Antwort lautete stets: „Ja, heute zum letzten Mal. Ab morgen haben wir zu und zwar bis nach den Osterferien.“

Stöckel erläutert: „Wir werden ab Montag aber nicht zuhause bleiben. Arbeit gibt es genug. Das alte Hallenbad muss ja noch ausgeräumt werden. Dazu haben wir jetzt dann endlich einmal Zeit.“ Ihre Arbeitskollegin König denkt schon weiter in die Zukunft: „Und wenn wir damit fertig sind, gilt es, die Freibad-Saison vorzubereiten.“ Sie schildert: „Die Grünflächen müssen ja für die Besucher präpariert werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare