„Brüninghaus-Platz in zwölf Monaten fertig“

Die Leute vom Bürgerstammtisch gehen stets mit offenen Augen durch die Stadt: Sauberkeit und die Bekämpfung von Vandalismus liegen ihnen deshalb besonders am Herzen. - Foto: Koll

WERDOHL - „Ich fühle mich wohl in Werdohl und bin stolz auf diese Stadt“, sagte Dieter Zoppa am Montagabend beim Bürgerstammtisch im Versevörder Hof. Bürgermeister Siegfried Griebsch, der dieses Mal zu Gast war, wird das sehr gerne gehört haben. Darüber hinaus schrieben die 25 Teilnehmer des Stammtisches dem Stadtoberhaupt aber auch reichlich Kritik ins Stammbuch.

Die Sauberkeit in der Stadt ist den Stammtischlern dabei ein großes Anliegen. Manfred Hoh bemängelte etwa, dass er immer wieder leere Schnapsflaschen auf dem Goethespielplatz erblicke. Peter Lux vermutete, dass die Verschmutzungen teils auch auf zu wenige Mülleimer zurückzuführen seien: „Auf dem großen Parkplatz am Riesei gibt es etwa nur einen Papierkorb.“

Die Teilnehmer des Bürgerstammtisches regten bei Griebsch an, darauf zu dringen, dass Erzieher und Lehrer von Kindergärten und Grundschulen ihre Schützlinge dazu anhalten, nichts in die Gegend zu werfen. Der Bürgermeister erklärte: „Das läuft schon seit Jahren. Zu allererst sind da aber auch die Eltern in der Verantwortung.“

Hans Joachim Hultsch schlug des Weiteren vor, dass Schulklassen Patenschaften für einzelne Straßenzüge übernehmen sollten, die sie reinigten und pflegten: „Das ist eine gesellschaftliche Verantwortung für sogenannte Pädagogen“, befand er. „Das muss doch möglich sein.“ In den USA funktioniere so etwas ja auch.

Andere Diskussionsteilnehmer forderten, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes „auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten kontrollieren“ sollten. Ein anderer Stammtischler meinte: „Die Ein-Euro-Kräfte lümmeln doch auch nur herum, die tun keinen Handschlag.“

Glas- und Papier- Container laufen über

Unzufrieden sind die Bürgerstammtischler jedoch auch mit einigen Mitarbeitern des Baubetriebshofes. Dieses würden häufig gesichtet, wie sie an überfüllten und verdreckten Glas-, Papier- und Altkleider-Containern vorbei führen, ohne aufzuräumen. Dieses sollten durch Griebsch, so die Forderung von Peter Lux, noch einmal „sensibilisiert“ werden.

Das aber mochte der Erste Bürger der Stadt nicht unkommentiert lassen. „So eine Pauschalverurteilung kann ich nicht im Raum stehen lassen.“ Die Baubetriebs-Mitarbeiter seien sehr fleißig, das zeige sich derzeit auch am Jugend- und Bürgerzentrum. Griebsch räumte allerdings ein: „In jedem Betrieb gibt es allerdings Licht und Schatten.“

Ein zweites eminent wichtiges Thema für die Stammtischler ist der Vandalismus in der Stadt, aktuell werde das Thema vor allen Dingen aufgrund der Zerstörung des Skulpturen-Parks an der Lenne. Peter Lux fragte den Bürgermeister, ob durch die Schenkung der Künstler die Stadt nicht Eigentümerin der Kunstwerke geworden sei – und ob deshalb nicht die Versicherung der Stadt in diesem Fall eintreten könne. Griebsch antwortete: „Mit dieser Fragestellung muss ich unsere juristische Abteilung beauftragen.“

Derzeit gebe es im Stadtgebiet auch drei Brunnen, die nicht funktionierten: im Grimmpark, auf dem Brüninghaus-Platz und an der Ecke Bahnhof-/Sandstraße.

Fahrstühle am Bahnhof immer wieder defekt

Ein fortwährendes Ärgernis blieben die Fahrstühle am Bahnhof. Diese seien in den zurückliegenden zwei Jahren 20 Mal außer Betrieb gewesen, erinnerte Manfred Hoh. Griebsch erklärte sich einerseits nicht für den richtigen Ansprechpartner. „Dafür zuständig ist die Deutsche Bahn.“ Andererseits erklärte er: „Es gibt zu dem Thema jedoch einen umfangreichen Schriftverkehr. Doch die Bahn ist nicht sehr flexibel.“ Die Aufzüge seien durch die Stadt „nicht ohne Grund noch nicht abgenommen worden“.

Konkret werde er nun bei der Bahn eine Videoüberwachung anregen. Allerdings, so Teilnehmer des Stammtisches, sei es fraglich, ob tatsächlich immer Vandalismus Ursache für die Ausfälle der Aufzüge sei. „Die dort verwandte Technik ist einfach minderwertig“, meinten sie.

Positiv sahen am Montagabend alle die Sanierung des Bahnhofes. Das Stadtoberhaupt stellte klar: „Diese hatte einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass sich ein Investor für das Insel-Gebäude finden ließ.“

Dieser, die Firma Edeka, habe derweil nachträglich noch einmal seine Baupläne verändert. „Deshalb musste beim Brandschutz noch einmal nachgebessert werden. Daher hat sich die Erteilung der Baugenehmigung verzögert.“

Werdohler Mieter im Edeka-Gebäude

Dann ließ sich Griebsch ein klein wenig in die Karten schauen: „Die Mieter im Neubau werden übrigens nahezu alle aus Werdohl stammen – ohne dass es großartig neue Leerstände in der Stadt geben wird.“ Die Mieter würden überwiegend Filialen im Edeka-Gebäude eröffnen. Namen wollte der Bürgermeister indes noch nicht nennen.

Zum nächsten Werdohler Bau-Großprojekt verkündete Griebsch: „Brüninghaus-Platz und Lennespange werden in zwölf Monaten fertig sein.“ All dies, so die Meinung der Stammtischler, nutze aber nur, wenn es gelinge, die Jugend in der Stadt zu halten. Der Bürgermeister erklärte: „Dieses Problem können wir nicht alleine lösen. Das geht nur über die Region.“ Deshalb solle ein Programm installiert werden, welches Existenzgründer mit Eigentümern von Leerständen zusammen brächte.

Zum Thema Sparpaket verriet der Bürgermeister, dass jüngst ein Verwaltungsmitarbeiter, der für Rentenberatungen zuständig war, in den Ruhestand gegangen sei. Die Stelle sei nicht wiederbesetzt worden. Rentenberatungen fänden weiter statt, allerdings müssten nun vorab Termine vereinbart werden.

Der mehr als zweistündige Abend war für die Stammtischler, wie sie betonten, spannend. Griebsch verriet, es habe ihm viel Spaß gemacht. Und so versprach das Stadtoberhaupt, im Februar oder März wieder zu kommen. Thema solle dann die Integration von Ausländern sein.

Von Michael Koll

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