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Brüninghaus-Platz: Neuer Ärger mit den Pflastersteinen

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Von: Volker Heyn

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Im Auftrag der Deutschen Telekom verlegen Mitarbeiter des Kaarster Unternehmens Selecta Glasfaserkabel auch unter dem Granitpflaster des Brüninghaus-Platzes. Die Männer sind mit der Ausführung ihrer Pflasterarbeiten durchaus zufrieden, sie hätten sorgfältig gearbeitet. Die Stadt wird allerdings Nacharbeiten fordern.
Im Auftrag der Deutschen Telekom verlegen Mitarbeiter des Kaarster Unternehmens Selecta Glasfaserkabel auch unter dem Granitpflaster des Brüninghaus-Platzes. Die Männer sind mit der Ausführung ihrer Pflasterarbeiten durchaus zufrieden, sie hätten sorgfältig gearbeitet. Die Stadt wird allerdings Nacharbeiten fordern. © Heyn, Volker

Auch wenn das Pflaster-Handwerk dieser Tagen offiziell in die deutsche Kulturerbe-Liste aufgenommen worden ist handelt es sich bei den Arbeiten am Pflaster des Werdohler Brüninghaus-Platzes um eine eigentlich leicht zu bewerkstelligende Arbeit.

Seit Tagen sind die Männer der Firma Selecta aus Kaarst im Auftrag der Deutschen Telekom mit der Verlegung von Glasfaserkabeln für schnelles Internet in der Innenstadt beschäftigt. Kreuz und quer durch die Bürgersteige verlegen sie die Kabel und besorgen auch gleichzeitig die Hausanschlüsse. Die Männer sind fleißig und arbeiten sehr schnell – aber an der Qualität ihrer Pflasterarbeit im teuren Granit gibt es Kritik.

Während die Männer mit ihrer eigenen Arbeit durchaus zufrieden sind, hat ihnen ein fachlich versierter Kritiker direkt auf die Finger geschaut. Der 26-jährige Werdohler Mohammed Malikalad wohnt direkt am Brüninghaus-Platz und hat – wegen einer Armverletzung krankgeschrieben – direkten Blick auf die Arbeit seiner Kollegen. Der aus Afghanistan geflohene Malikazad arbeitet seit mehreren Jahren bei der Tiefbaufirma Ossenberg in Neuenrade, seit einiger Zeit absolviert er dort eine Ausbildung zum Straßenbauer. Bekanntlich hat Ossenberg vor sechs Jahren den Platz umgebaut und gepflastert, Malikazad ist stolz auf „seine“ Firma und deren Arbeit.

An einigen Stellen sind Ecken abgebrochen

Die Pflastersteine auf dem Brüninghaus-Platz seien jetzt aber nicht fachgerecht wieder verlegt worden, meint der junge Mann. Die Steine wurden mit dem blanken Eisen einer Rüttelplatte verfestigt, dabei sind an einigen Stellen Ecken aus den Granit-Quadern abgebrochen. Mittlerweile sind die Fugen zwar wieder mit Sand ausgestreut, doch die Schäden sind nicht zu übersehen. Außerdem sind die Fugen unregelmäßig und die Oberfläche relativ buckelig.

Dem Werdohler Straßenbauer-Azubi Mohammed Malikazad und seinem „Kümmerer“ Ludger Leweke aus Altena sind die abgeplatzten Ecken im Granitsteinpflaster des Brüninghaus-Platzes aufgefallen. Die Fugen sind mittlerweile mit Sand abgefegt.
Dem Werdohler Straßenbauer-Azubi Mohammed Malikazad und seinem „Kümmerer“ Ludger Leweke aus Altena sind die abgeplatzten Ecken im Granitsteinpflaster des Brüninghaus-Platzes aufgefallen. Die Fugen sind mittlerweile mit Sand abgefegt. © Heyn, Volker

Aufgekommen ist die Geschichte tatsächlich erst durch einen Altenaer, den 72-jährigen Ludger Leweke. Er ist ein ehrenamtlicher so genannter „Kümmerer“ der Stadt Altena. Leweke betreut den ehemaligen Flüchtling Mohammed Malikalad, zunächst in Altena, jetzt an dessen neuem Wohnort in Werdohl. Leweke hat er an den Werdohler Bürgermeister geschrieben: „Ich möchte Sie schnell hinweisen auf große Schäden, die der Stadt Werdohl durch eine vollkommen unsachgemäße Verlegung eines Kabels am Rande des Marktplatzes zugefügt wurden.“ Zig Pflastersteine seien an- und durchgebrochen, die Kanten von unzähligen Steinen abgebröselt.

Pflaster auf dem Brüninghaus-Platz schwieriges Terrain

Leweke geht es mit seinem Schreiben auch darum, auf die Identifikation seines Schützlings mit dem öffentlichen Allgemeingut in seiner neuen Heimat Werdohl und mit seiner Loyalität zu seinem Arbeitgeber in Neuenrade hinzuweisen: „Es ist Mohammeds Aufmerksamkeit und seinem Wunsch zu verdanken, dass ich Ihnen diese Zeilen schreiben soll.“

Hinzu kommt, dass das Pflaster auf dem Brüninghaus-Platz durchaus schwieriges Terrain ist, und – um im Bild zu bleiben – in der Vergangenheit einige holperige Stolpersteine bereit hielt. 2014 wurden die Granitsteine sogar der Öffentlichkeit vorgestellt, weil sie schließlich in der guten Stube Werdohls verlegt werden sollten. Mehr als ein Jahr arbeitete Ossenberg auf dem Platz. Im August 2017 kam aber der Verdacht auf, dass die Bettungstiefe der Pflastersteine nicht auftragsgemäß erledigt worden war.

Mangelhafte Teilflächen mussten nachgebessert werden

Nach Verhandlungen zwischen der Stadt, Auftragnehmer Ossenberg und einem für die Pflasterung zuständigen Subunternehmen wurden im Januar 2018 drei mangelhafte Teilflächen nachgebessert.

Die Stadt macht eine klare Ansage

„Das ist überhaupt nicht in Ordnung und muss auf jeden Fall von der Firma nachgebessert werden“, sagt Tiefbauabteilungsleiter Martin Hempel. Viele Arbeiten von Firma Selecta seien schon beanstandungslos abgenommen worden, in den meisten Bereichen sei die Stadt zufrieden mit der Qualität der Arbeiten. Auf dem Brüninghaus-Platz habe die Stadt von Anfang an betont, dass die Arbeiten tadellos sein müssten. Der Platz sei schließlich „unser Schmuckstück“, der glatt geschnittene Granit rund um den Platz sei barrierefrei gestaltet. Hempel: „Dieses Pflaster kann man so genauso wiederherstellen, wie es gelegt wurde.“ Notfalls müssten neue Steine von der Baufirma bestellt werden.

Die größte Fläche befand sich in der nordwestlichen Ecke zwischen dem Redaktionsbüro des Süderländer Volksfreunds und der Fortuna-Apotheke – und damit ziemlich genau dort, von wo jetzt Mohammed Malikalad die Arbeiten beobachtet hat.

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