Kostenfreies Internet in der Stadt

Brüninghaus-Platz: Gratis-W-Lan soll im Sommer kommen - nach drei Jahren Kampf

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Den Hotspot gibt es, Gratis-W-Lan nicht.

Werdohl – Was lange währt... Ab Sommer soll es endlich Gratis-W-Lan für alle auf dem Brüninghaus-Platz geben. Doch eines fehlt noch. Zudem deuten sich Problem an. 

Gut drei Jahre ist es her, dass fast alle Voraussetzungen für freies W-Lan auf dem Brüninghaus-Platz geschaffen wurden. Alle Fraktionen im Rat sind sich einig, dass sie kostenfreies Internet in der Innenstadt haben wollen. Bei Errichtung des Brüninghaus-Platzes wurden die Kabel verlegt, die für spätere Antennen und Router nötig sind. 

Seit dieser Zeit wird darauf gewartet, dass die Telekom einen Anschluss schaltet. In diesem Sommer soll es so weit sein. 

Im Juli 2015 wurde begonnen, den alten Brüninghaus-Platz abzureißen. Schon bei den Plänen für den neuen Platz war vorgesehen, Versorgungseinrichtungen für die Zukunft gleich mit einzubauen. Gleichzeitig wurden von der Telekom ein Münztelefon und ein Internet-Hotspot eingerichtet. 

In diesem Zuge, so weiß es Elektromeister Pantelis Haritidis vom Baubetriebshof, ist auch ein von der Telekom zur Verfügung gestelltes Kabel von den Schaltschränken am Ludwig-Grimm-Park zu dem Münzfernsprecher und zu den außen liegenden Beleuchtungsmasten in den Platz gelegt worden. 

Bemühungen seit Oktober 2016

Im Oktober 2016 war der Platz soweit fertig, dass er betreten und genutzt werden konnte. Seitdem bemühen sich Haritidis und Reinhardt Haarmann von der Abteilung Service im Rathaus um einen Internet-Anschluss. Seitdem werde bis heute mit der Telekom verhandelt. 

Haritidis kämpfte sich durch die verschiedenen Instanzen, Abteilungen und Zuständigkeiten bei der Telekom. Letztlich habe er einen Geschäftsauftrag per E-Mail an den Bauherrenservice der Telekom in Hagen versandt, der sei aber wohl eher versandet als irgendwo angekommen. 

Vorgehen "kurios"

Kabel sind vorhanden für den Internetanschluss. Das zeigt Elektromeister Pantelis Haritidis vom Baubetriebshof.

„Kurios, kurios“, meint Haritidis, der schon seit 31 Jahren bei der Stadt beschäftigt ist. Er arbeite selbst bei einer Behörde und habe Verständnis für Personalprobleme und Zuständigkeiten: „Aber so was wie bei der Telekom kenne ich nicht.“ 

Als er von dem Unternehmen hörte, dass die Stadt keinen Internetanschluss bekommen könne, weil sie über kein Gebäude mit einer Postanschrift am Brüninghaus-Platz verfüge, fehlte ihm jedes Verständnis. 

In solchen Fällen würden fiktive Hausnummern angenommen: Freiheitstraße 0, 999 oder 99z. Der Telekom genügte das nicht, das Verarbeitungsprogramm lasse so etwas nicht zu, habe es geheißen. Die Telekom schlug das Haus Freiheitstraße 27 vor. Das ist allerdings das Haus des ehemaligen Kinderarztes und in Privatbesitz. 

Zu diesem Zeitpunkt war das Projekt gescheitert, bei der Telekom bewegte sich für die Stadt Werdohl nichts mehr. Erst eine Nachfrage unserer Redaktion bei der Telekom-Pressestelle brachte beide Seiten erneut in Kontakt. 

Bei einem Termin an der Gesamtschule für die geplante Breitbandversorgung sei es im Herbst 2018 schließlich zu einem Zusammentreffen zwischen Telekom und Stadt gekommen. Nachdem man auf dem Riesei fertig war, begab sich der Tross zum Brüninghaus-Platz. 

Schaltschrank kriegt Hausnummer

Hier wurde folgende Idee entwickelt: Der Schaltschrank am Ludwig-Grimm-Park soll die Hausnummer 1 bekommen. Daraufhin gab die Stadt einen Auftrag bei der Telekom ab. Seitdem warten Haritidis und Haarmann auf eine Auftragsbestätigung. 

Die erneute Nachfrage unserer Redaktion Anfang 2019 brachte Klarheit: Der Auftrag der Stadt sei im System verloren gegangen oder vergessen worden, bekam Haritidis zu hören. Die Angelegenheit werde zur Chefsache gemacht und so weit beschleunigt, dass die Stadt Ende April oder spätestens Anfang Mai eine schriftliche Auftragsbestätigung bekommen soll. 

Es bleibt "komplex"

Bis es tatsächlich freies W-Lan gibt, werde es aber wohl Sommer. Und was sagt die Telekom dazu? Deren Sprecher Dirk Wende schrieb auf Nachfrage: „Im vorliegenden Fall handelt es sich nicht um einen in einem Telekom-Shop buchbaren Standardanschluss. Der geforderte Anschluss bedarf einer eigenen Planung. Da es sich um eine etwas komplexere Situation handelt, muss auch erst ein entsprechendes Angebot für die Installation und Schaltung des gewünschten Anschlusses aufgesetzt und vom künftigen Vertragsnehmer schriftlich bestätigt werden.“ 

Warum alles so lange dauert, begründete Wende so: „Sie werden verstehen, dass bestimmte Prozesse auch eine bestimmte Zeit in Anspruch nehmen.“ Der Telekom-Sprecher bestätigte, dass eine Umsetzung im Sommer 2019 ein „realistisches Ziel“ sei.

Keine Attraktivitätssteigerung für Einzelhandel und Gastronomie

Ein  Kommentar von Volker Heyn:

Mein Mobilfunkvertrag ermöglicht mir mehrere Gigabyte Datenvolumen. Öffentliche W-Lan-Zugänge nutze ich selten, weil sie meist langsamer sind als LTE. Das Einloggen auf Portalseiten empfinde ich als umständlich. Selbst in Hotels mache ich mir selten die Mühe, lange Buchstaben- und Zahlenkombinationen einzutippen. Datenvolumen sind mittlerweile relativ günstig zu haben, jeder Discounter bietet so etwas an, fast für jeden Geldbeutel. Internet auf dem Smartphone ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Wer ein mehrere hundert Euro teures Smartphone hat – und das ist schon bei manchen Grundschülern der Fall – macht sich nicht mehr so viele Gedanken, mit öffentlichem, freiem W-Lan etwas sparen zu wollen. Ein Attraktivitätskriterium für die kleineren Innenstädte wie Werdohl ist freies W-Lan deshalb nicht automatisch. Man muss sich stattdessen bewusst werden, wen man mit freiem Internet auf die zentralen Plätze einer Stadt lockt. Der Betreiber eines Eiscafés in Werdohl hat das kostenfreie Internet für seine Gäste wieder abgeschaltet, weil zu viele Scheinbesucher stundenlang bei einem einzigen Getränk auf ihr Handy starrten. Das freie W-Lan an der Stadtbücherei hat vor allem Leute mit sehr geringem Einkommen und viel freier Zeit dazu gebracht, per Videotelefonie Gespräche zu führen, sich bei gutem Wetter auf dem Colsman-Platz ausgiebig aufzuhalten und die Kinder direkt vor den Geschäften Fußball spielen zu lassen. Jugendliche nutzen freie Internet-Hotspots, um in ihrer Freizeit stundenlang gemeinsam zu daddeln – einfach, weil sie da sind. Von dieser Klientel haben Einzelhandel und Gastronomie in der Innenstadt jedenfalls gar nichts. Man kann das allerdings auch als Belebung der Fußgängerzone begreifen. Das alles sollte sorgsam bedacht werden, wenn ab Sommer der ganze Brüninghaus-Platz, das Ehrenmal, das Eiscafé und das Bistro Tag und Nacht mit freiem Internet versorgt werden.

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