Corona-Strategien

Brücken-Lockdown und Ausgangssperre: Das sagen Werdohls Fraktionsspitzen

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hat sich den „Brücken-Lockdown“ ausgedacht.
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Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hat sich den „Brücken-Lockdown“ ausgedacht.

Armin Laschets Vorschlag vom sogenannten Brücken-Lockdown polarisiert noch immer, obwohl ihn die Wirklichkeit bereits eingeholt hat. Teile der Idee des Ministerpräsidenten und CDU-Chefs sind mit der Ausgangssperre im Märkischen Kreis ab Freitag bereits umgesetzt worden. Was denken die Vorsitzenden der Werdohler Ratsfraktionen über Vorstoß des Landesvaters?

Werdohl ‒ Stefan Ohrmann ist Vorsitzender der CDU-Fraktion in Werdohl und findet die Grundidee hinter dem Brücken-Lockdown gar nicht verkehrt. „Es muss gelingen, die Inzidenzzahlen wieder auf ein Level zu bringen, dass wir entspannter durch die Krise kommen“, betont er. Ob das mit einem Brücken-Lockdown geschehe oder das Konzept anders heiße, sei dabei egal. Die Ausgangssperre im Märkischen Kreis jedenfalls befindet er für gut. „Das kann ich volle Pulle mittragen. Ich hoffe, dass die Maßnahmen greifen und es etwas bringt.“

Zur Idee des NRW-Ministerpräsidenten meint Ohrmann: „Man muss sehen, wie lang die Brücke ist. Wird es eine Golden-Gate-Bridge? Da müssen eine Perspektive und ein Zeithorizont geschaffen werden.“ Außerdem meint er, Laschet habe „wenigstens einen Vorschlag“ gemacht. Wer dagegen sei, solle „einen konstruktiven Gegenvorschlag machen“. Weil es schon viele Gegner gebe, blickt der Christdemokrat aus Werdohl gespannt der nächsten Konferenz der Ministerpräsidenten entgegen. Klar ist für ihn: „Sie können nicht stundenlang tagen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.“

„Alle sind nur noch genervt“

Persönlich hofft Ohrmann, dass „wir uns tatsächlich im letzten Viertel des Marathons befinden“. Bei den Bürgern sei eine Müdigkeit eingetreten, nimmt er wahr. „Alle sind nur noch genervt, das ist schrecklich.“ Außerdem frage er sich, woher die vielen Neuinfektionen kommen. Es komme ihm nämlich eigentlich so vor, dass sich die Leute an die Regeln halten.

Der Fraktionsvorsitzende der WBG, Thorsten Hänel, sieht es ähnlich wie sein CDU-Kollege. Ganz egal, wie man das Konzept nenne: Alles, was jetzt zur Eindämmung der Infektionen beitrage, sei sinnvoll, findet Hänel. Er meint aber: „Es hätte schon viel eher kommen müssen. Mich stört diese Rumeierei. Laschet hat sich damit völlig unglaubwürdig gemacht.“

„Man muss einen Arsch in der Hose haben“

Verärgert ist Hänel darüber, dass Maßnahmen nicht auf EU-Ebene und genauso wenig deutschlandweit einheitlich umgesetzt werden. „Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. Dem hätte schon vor Wochen und Monaten ein Riegel vorgeschoben werden müssen. Es ist traurig, dass man in so einer Situation keine Einheit hinbekommt.“ Das gleiche Problem sieht Hänel auch auf Landkreisebene. „Im Prinzip ist es so, dass wir im Märkischen Kreis jetzt einen Brücken-Lockdown haben“, sagt er. Im Hochsauerlandkreis und im Kreis Olpe sei das schon wieder anders und das dürfe eben nicht sein. „Man muss das jetzt schon einheitlich durchziehen und einen Arsch in der Hose haben.“

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Marion Gierse hält sich mit einer Meinung zum Brücken-Lockdown dagegen zurück. „Ich habe davon gehört, aber mir ist noch nicht klar, was genau sich dieser Mensch darunter vorstellt. Es fehlen Informationen“, sagt Gierse. Zu schwammig sei ihr zum Beispiel das Ende der „Brücke“ definiert. Die Ausgangssperre für den Märkischen Kreis findet Gierse gut, meint aber, dass sie zu spät komme. Dass höhere Infektionszahlen noch vor wenigen Wochen hingenommen worden seien, könne sie kaum nachvollziehen.

„Keine kurzfristigen Entscheidungen mehr“

Der Lokalpolitikerin fehle in der Coronapolitik die Konsequenz. Es sei nicht hilfreich, wenn Beschlüsse nicht durchgeführt oder von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt würden. „Ich wünsche mir einen Masterplan und keine kurzfristigen Entscheidungen mehr“, sagt Gierse. Man brauche eine Perspektive.

FDP-Fraktionsvorsitzender Friedhelm Hermes muss herzhaft lachen, als im Gespräch das Wort „Brücken-Lockdown“ fällt. „Es soll mir mal einer erklären, was das bedeuten soll“, sagt er. „Ich bin mir nicht sicher, ob Herr Laschet selbst weiß, was er damit meint.“

„Ich bin für eine härtere Gangart“

Hermes kritisiert, dass durch solch unkonkrete Vorschläge „immer noch mehr Verunsicherung bei den Leuten betrieben wird“ und fordert ein Ende der „Wischi-Waschi-Politik“. Allerdings will er diese Kritik nicht nur an Ministerpräsident Laschet richten, sondern an alle Entscheidungsträger. Falls das Ende des Lockdowns tatsächlich an einer Impfquote festgemacht wird, müsse man zum Beispiel festlegen, ob die Anzahl Erstgeimpfter entscheide oder ob beide Impfungen notwendig seien. Allerdings gibt er zu bedenken: „Das impliziert die Hoffnung, dass durch die Impfung die Inzidenzzahlen sinken.“ Ihm sei jedoch nicht klar, ob das auch wirklich der Fall sein werde.

Das Ende der Einschränkungen solle man deshalb daran nicht festmachen, meint Hermes. Maßnahmen wie die Ausgangssperre aber hält er durchaus für sinnvoll und spricht sich für einen knallharten Lockdown aus: „Ich bin für eine härtere Gangart, deren Einhaltung auch viel schärfer kontrolliert wird. Es kann nicht sein, dass Menschen, die sich nach einem Jahr nicht an Regeln halten, immer noch mit einer Verwarnung davonkommen.“ In Gesprächen mit Bekannten habe er festgestellt, dass es eine hohe Bereitschaft gebe, in einer letzten Kraftanstrengung noch einmal härtere Maßnahmen zu ertragen, berichtet der Lokalpolitiker.

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