Brillantes Zusammenspiel von Wort und Klang

Das Publikum im ausverkauften Kleinen Kulturforum genoss die Darbietungen und spendete zwischendurch – wie auch zum Schluss – begeisterten Applaus. - Fotos: Koll

Werdohl - Das vierte und letzte Kulturcafé des Jahres im Kleinen Kulturforum war ein wahrer Genuss für Herz und Hirn. Es gab Musik und Literatur. Die Texte passten kongenial zu den Melodien – und umgekehrt.

Das Thema waren die vier Jahreszeiten. Zu jeder gab es vor ausverkauftem Haus zwei Musik-Stücke des Ensemble Chalumneau und eine Hand voll Gedichte, vorgetragen von Rudolf Sparing und Ruth Schimanski.

Letztere eröffnete den Abend mit „Er ist’s“ von Eduard Friedrich Mörike. Das Musik-Quartett – bestehend aus Musikschul-Leiter Martin Theile, Achim Aderholz, Patricia Simon-Wegener und Christa Wosché – stieg in den Abend ein mit dem Ragtime „That’s a Plenty“.

Das klang wie entsprungen aus einem Woody-Allen-Film. Sparing, der das Kulturcafé auch moderierte, lobte begeistert: „Das macht viel Spaß. Und Benny Goodman hätte das auch nicht besser hinbekommen.“ Nach dem Jazz-Standard „Blue Skies“ rezitierte der Moderator noch „Das Frühjahr“ von Berthold Brecht.

Sparing wie auch Schimanski boten einen gekonnten Poesie-Vortrag mit einfühlsamen Stimmen, die sogleich ins Ohr und unter die Haut krochen. Die vier Musiker des seit acht Jahren existierenden Ensemble Chalumneau brillierten mit akkurat akzentuiertem Spiel.

Der Sommer wurde eingeleitet mit der Melodie „Merengue“. War „Blue Skies“ noch ein klein wenig schwermütig, so hatte das Ensemble nun die Melancholie vollends abgelegt. „Four Latin Lovers“ kam dann im Afro-Cuban-Jazz-Stil daher. Nachdem Sparing „Sommermittag“ von Theodor Storm vorgetragen hatte, ging es in die Pause.

Nach der Unterbrechung stimmte Schimanski mit „Frühherbst“ von Agnes Miegel auf die nächste Jahreszeit ein. Die Komposition „Rhapsodish“ von Alexis Ciesla verband gekonnt eine getragene Grundstimmung mit fröhlich-tänzelnden Noten. Klezmer-Klänge durchwebten dieses Stück.

Mit dem wunderschönen, traditionellen englischen Folksong „Scarborough Fair“, der vermutlich bereits im 16. oder 17. Jahrhundert entstand, endete das dritte Viertel dieses Kulturcafés. Der Song über eine Handelsmesse in der englischen Stadt Scarborough wurde berühmt durch die Interpretation des Duos Simon & Garfunkel.

Mit dem Bossa Nova „La chanson d’Orphee“ ging es dann in den Winter. Bei diesem Stück – auch bekannt als „Manhã de Carnaval“ – klang ein etwas schneller gespieltes „Yesterday“ von The Beatles durch, das Paul McCartney jedoch erst sechs Jahre später schrieb.

Schimanski rezitierte im Anschluss „Der Seufzer“ von Christian Morgenstern, bevor Moderator Sparing „Ein Lied hinterm Ofen zu singen“ von Matthias Claudius zu Gehör brachte.

Mit dem „Geistlichen Wiegenlied“ von Johannes Brahms, das 1863/64 geschrieben wurde, verabschiedete sich dann das Ensemble Chalumneau von den Zuschauern, die alle sechs Akteure auf der Bühne mit reichlich Applaus für ihre Leistungen belohnte.

Von Michael Koll

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