Briefe verraten Müllsünder

Diese Müllsäcke haben rücksichtslose Zeitgenossen vor dem Haus von Dr. Susanne Trilling deponiert. Doch die Werdohlerin öffnete die Säcke und fand Briefe, die an eine Person in Neuenrade adressiert waren. Diese wird jetzt ins Werdohler Rathaus geladen.

WERDOHL - Eine böse Überraschung für Dr. Susanne Trilling: In der Nacht auf Montag haben rücksichtslose Zeitgenossen vor ihrem Wohnhaus an der Friedhofstraße insgesamt neun Müllsäcke entsorgt. Doch die Werdohlerin hatte Glück – sie konnte die mutmaßlichen Müllsünder ermitteln.

Zunächst griff Dr. Trilling zum Telefon, um die illegale Abfallentsorgung bei der Stadt Werdohl zu melden und um die Abholung der Müllsäcke zu bitten. Doch der Anruf verlief ganz anders, als die Werdohlerin sich das vorgestellt hatte. „Zunächst hieß es, das sei jetzt mein Müll und ich müsse mich um die kostenpflichtige Entsorgung kümmern,“ schildert Dr. Trilling. Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel bestätigt die Vorgehensweise der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung: „Wenn tatsächlich auf dem Privatgrundstück einer Person illegal Müll entsorgt wird, dann hat derjenige letztendlich ziemlich viel Pech gehabt.“

Damit wollte sich Dr. Trilling nicht abfinden – und erinnerte sich an einen Fernsehbericht, den sie kürzlich gesehen hatte: „Ich habe die Säcke geöffnet und nach einem Namen oder Adresse gesucht.“ Und tatsächlich wurde die Werdohlerin zwischen leeren Plastikverpackungen, einem alten Staubsauger, ausgedientem Kinderspielzeug und Bauschutt fündig: In einem der Müllsäcke waren Briefe gelandet, die an eine Person in Neuenrade adressiert waren. Den Bewohner der Nachbarstadt erwartet jetzt ein Gespräch im Werdohler Rathaus. „Wenn in solchen Fällen persönliche Gegenstände gefunden werden, laden wir die Leute vor“, schildert Mentzel das Prozedere.

Steht dann fest, wer der Müllsünder ist, muss sich dieser auf eine saftige Rechnung gefasst machen. „Wir berechnen für die Entsorgung natürlich viel mehr, als die Leute beispielsweise zahlen würden, wenn sie die Säcke am Bringhof anliefern würden“, betont Mentzel. Zum einen müssten die Personalkosten der Bauhofmitarbeiter berechnet werden, zum anderen die Fahrzeugkosten. Hinzu komme das Bußgeld. „Das kann bis zu 100 Euro betragen“, weiß Mentzel.

Pro Jahr komme es zu zehn bis zwölf solcher Vorladungen. Die Dunkelziffer illegaler Abfallentsorgungen sei wesentlich höher. „Darunter fallen auch kleinere Verstöße, zum Beispiel, wenn am Containerstandort ein Müllsack abgestellt wird“, stellt die Ordnungsamtsleiterin fest. Sie betont: „Auch wir schauen immer nach, ob sich persönliche Gegenstände im Abfall befinden.“

Grundsätzlich gebe es in Werdohl aber keine größeren Probleme in Bezug auf illegale Abfallentsorgung. „Eigentlich haben die Werdohler ausreichend Möglichkeiten, ihren Müll zu entsorgen. Und wenn der Platz in der Tonne wirklich einmal knapp werden sollte, steht der Bringhof zur Verfügung“, sagt Mentzel und stellt fest: „In Nachbarstädten wie in Neuenrade, in denen die Gebühren anders berechnet werden, sind die Probleme größer.“

Von Carla Witt

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