Auch in Corona-Zeiten ein wichtiges Thema

Brandschutzerziehung: Die W-Fragen sind längst überholt

Brandschutzerziehung im Kindergarten, wie hier in der Kita Gernegroß, ist ein wichtiges Thema und findet deshalb auch in Corona-Zeiten statt. Weil die Wehrkräfte allerdings nicht in die Kita kommen dürfen, wurde ein alternatives Konzept entwickelt.
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Brandschutzerziehung im Kindergarten, wie hier in der Kita Gernegroß, ist ein wichtiges Thema und findet deshalb auch in Corona-Zeiten statt. Weil die Wehrkräfte allerdings nicht in die Kita kommen dürfen, wurde ein alternatives Konzept entwickelt.

Seit Beginn der Corona-Pandemie läuft es in vielen Bereichen nicht mehr so wie gewohnt. Neben Themen, die im alltäglichen Leben sehr präsent sind, zählt dazu auch die Brandschutzerziehung der Werdohler Feuerwehr.

Die Wehrleute besuchen normalerweise Kindergärten und Schulen, aber auch Firmen und andere Einrichtungen, um dort Menschen für Notfälle zu trainieren. „Wir haben sogar mal eine Station des Krankenhauses evakuiert“, berichtet Alexander Butzelar. Butzelar ist Leiter der erst 2020 gegründeten Werdohler Kinderfeuerwehr und zudem für die Brandschutzerziehung in der Stadt an Lenne und Verse verantwortlich.

Damals wurde eine Nebelmaschine aufgestellt, die den Notfall simulierte, über den nur die Klinikleitung, nicht aber die Mitarbeiter der Station Kenntnis hatten.

Werdohler Wehr hat sich was einfallen lassen

Aktionen wie diese können wegen Corona derzeit nicht durchgeführt werden. Für die Kinder allerdings, hatte sich die Werdohler Feuerwehr etwas einfallen lassen: Unter der Federführung von Butzelar und Wehrleiter Kai Tebrün entstand innerhalb eines halben Jahres ein 49-seitiges Konzept, anhand dessen die Erzieher in den Einrichtungen selbst eine Brandschutzerziehung mit ihren Schützlingen durchführen können. Dieses Konzept ist in digitaler Form, aber auch in einer gebundenen Mappe erhältlich.

Angelegt ist die Brandschutzerziehung auf fünf Tage. Dabei lernen die Mädchen und Jungen beispielsweise, warum Rauch nicht nur gefährlich ist, sondern sogar schlimmer sein kann als Feuer. Das Konzept ist inzwischen seit einiger Zeit im Umlauf und es wird hervorragend angenommen.

Brandschutzerzieher ist von seinem Konzept überzeugt

Butzelar war es wichtig, die Brandschutzerziehung wenigstens im Kindergarten trotz Corona gewährleisten zu können. „Die Mappe ist mein absolut größter Erfolg in der Feuerwehr“, ist der Brandschutzerzieher glücklich und von dem Konzept überzeugt: „Ich glaube nicht, dass ich in den nächsten 30 Jahren noch einen ähnlichen Erfolg haben werde.“

Auch die Alternativangebote für die Jugendfeuerwehr treffen auf Zuspruch bei rund 70 Prozent der Mitglieder. Mit dem Konzept für die Kitas war die Werdohler Feuerwehr Vorreiterin. Butzelar hofft darauf, dass sich in anderen Bereichen – insbesondere in der Schule – bald ebenfalls wieder Möglichkeiten ergeben.

Europäischer Tag des Notrufs 112

Denn: Dass Kinder und Jugendliche geschult sind im Umgang mit Notfallsituationen, ist wichtig. Darauf macht Butzelar in Anbetracht des Europäischen Tag des Notrufs 112 aufmerksam, der am Donnerstag, 11. Februar, europaweit in vielen Ländern Thema ist. Schließlich könne ein Notfall jeden treffen, sagt Butzelar: „Wenn zum Beispiel den Eltern im Haushalt etwas zustößt, ist es wichtig, dass die Kinder einen Notruf absetzen können.“

Europäischer Tag des Notrufs 112

Das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Kommission und die EU-Kommission haben 2009 den 11. Februar zum jährlichen Europäischen Tag des Notrufs 112 erklärt. Hintergrund ist, dass die Notrufnummer 112 in dem Datum steckt: 11.(0)2.. Mit diesem Tag soll die europaweite Gültigkeit der Notrufnummer bekannter gemacht werden. Denn in allen europäischen Ländern kann über die 112 in Notlagen Hilfe gerufen werden. Bei statistischen Erhebungen hatte sich 2008 herausgestellt, dass durchschnittlich nur 22 Prozent der Bürger wussten, dass die 112 EU-weit gilt. Eingeführt worden war die 112 schon 1991, um zusätzlich zu den national unterschiedlichen Rufnummern für Notdienste auch eine einheitliche zu haben. Das erleichtert gerade Reisenden das Benachrichtigen von Einsatzkräften. Seit 1998 muss gewährleistet sein, dass der 112-Notruf in allen EU-Ländern kostenlos möglich ist. Seit 2003 sind Mobilfunkanbieter verpflichtet Standortdaten an die Rettungsdienste zu übermitteln. Dadurch soll das Auffinden von Unfallopfern und Personen in Notlagen vereinfacht und beschleunigt werden. Quelle: Wikipedia

Wie Timo Haentjes, stellvertretender Leiter der Feuer- und Rettungsleitstelle des Märkischen Kreises, berichtet, werden im gesamten Kreisgebiet knapp fünf Prozent der Notrufe von Kindern abgesetzt. Es sei dazu nur eine Schätzung möglich, denn eine Statistik führt die Leitstelle über das Alter der Anrufer nicht. Bei 83 000 Notrufen, die die Leitstelle 2020 disponiert hat, entsprächen fünf Prozent 4150 Notfällen, bei denen Kinder die Rettungskräfte alarmieren.

Der Disponent führt das Gespräch

Die fünf W-Fragen beim Notruf, die früher oft gelehrt wurden, seien inzwischen übrigens überholt, erklärt Butzelar. „Man muss wissen, dass der Disponent das Gespräch führt. Er stellt gezielt Fragen, auf die der Anrufer antworten muss.“ Von sich aus erzählen müsse der Anrufer nichts. Auf diese Weise könne schnell Hilfe zur Einsatzstelle geschickt werden. Damit Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene im Notfall halbwegs vertraut mit der Situation sind, können im Rahmen der Brandschutzerziehung Notruftrainings durchgeführt werden. Dann fühlten sich Anrufer im Ernstfall beim Wählen der 112 sicherer.

Einen Hinweis will Butzelar anlässlich des Euronotruftages nicht unerwähnt lassen. „Die 112 anzurufen ist immer kostenlos. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand, der in guter Absicht Hilfe gerufen hat, hinterher eine Rechnung zugeschickt bekam.“ Immer noch hätten Menschen Angst davor, für Einsätze der Rettungskräfte zahlen zu müssen. Das ist unnötig: „Wer Hilfe braucht, der bekommt auch Hilfe“, unterstreicht Butzelar.

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