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Brachial-rockig oder funkig: Lord Bishop begeistert im Alt-Werdohl

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Von: Michael Koll

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Mit ihm ging die Post ab: Lord Bishop im Alt Werdohl.
Mit ihm ging die Post ab: Lord Bishop im Alt Werdohl. © Koll

Am Ende seiner mehr als zweistündigen Show ging Lord Bishop von der Bühne der Musikkneipe Alt Werdohl. Die Flasche Whiskey, die er dabei in der Hand hielt, war gerade einmal zu einem Viertel geleert. 

Werdohl - Bei seinen früheren Gastspielen in der Stadt zwischen Lenne und Verse hatte der New Yorker gerne auch einmal – mit seiner Band und dem Teil des Publikums, die vorne vor der Bühne standen – zwei Flaschen „vernichtet“. Ruhiger geworden ist der Sänger und Gitarrist aber noch lange nicht. Daran blieb am Freitag kein Zweifel.

Los ging der lange Abend zum Einstieg ins Wochenende allerdings zunächst mit der eigentlich zweiten Vorgruppe Tommy Scro’s Rock Machine. Die geplante Auftaktgruppe Bronkobeat aus Plettenberg hatte kurzfristig aufgrund einer Covid19-Erkrankung passen müssen.

Dennoch lieferte das Trio rund um Tommy Scro gerade einmal 30 Minuten Musik ab. Die meisten Fans im Alt Werdohl hätten gerne mehr gehört. Die Truppe aus Brooklyn brachte Songs wie „I’m tired“ und „You’re right“ zu Gehör, die Frontmann Scro oft mit ausufernden Gitarrensoli veredelte.

Seinen vom Punk beeinflussten Bluesrock brachte er dar wie ein hemdsärmeliger Arbeiter. Tommy Scro wirkte optisch ganz und gar nicht wie ein Rockstar, akustisch dafür umso mehr. Und passenderweise hieß einer seiner Songs auch „Working man“. Von der Energie dieses Trios könnten sich manch jüngere Musiker gut und gerne eine dicke Scheibe abschneiden.

Die Zuschauer erlebten einen ekstatisch-rockigen Abend.
Die Zuschauer erlebten einen ekstatisch-rockigen Abend. © Koll

Nach einer Umbaupause kam der Bassist der Band Lord Bishop Rocks auf die Bühne. Die Beschallungsanlage des Vereins Alt Werdohl Kulturförderung hatte der Hauptact um einige Verstärker ergänzt. Und so dröhnten die tiefen Töne des Viersaiters gewaltig los. Schnell war klar: Das wird ein lautes Konzert. Der Eindruck verstärkte sich, als sich auch der Schlagzeuger sich an sein Instrument setzte.

Zehn Minuten ließ Lord Bishop seine beiden Mitstreiter allein, bevor der Zwei-Meter-Mann endlich durchs Publikum schritt und die Bühne erklomm. Er stöpselte seine Gitarre ein und stieg in den Rhythmus ein. Weitere fünf Minuten später begann er zu singen – und es entwickelte sich ein Cover des Songs „Ain’t no sunshine“ von Bill Withers.

Gemächlich jazzig - wie im Original kam das Lied aber nicht daher. Das Trio Lord Bishop Rocks wurde seinem Namen von Beginn an gerecht. Die eigenen Songs der Gruppe wie „Freedom“ oder „Fucking animals“ waren mal brachial-rockig, mal funkig wie bei Living Colour oder Prince.

„Es ist so gut, nach dieser verdammten Pandemie endlich wieder im schönen Werdohl zu sein“, rief Lord Bishop aus - und es war nicht ganz klar, ob er damit alle Anwesenden ansprach, oder lediglich eine einzelne Blondine im Saal, auf die er im Verlaufe seines Konzertes immer wieder mit seiner Gitarre und seiner Whiskey-Flasche zuging. Diese Zuschauerin hatte es dem New Yorker augenscheinlich sehr angetan.

Doch auch die anderen verlebten einen ekstatisch-rockigen Abend mit dem Sänger, der sich „Symptoms of the stone“ und den T-Shirts, die er verkaufte (mit der Aufschrift „Fuck Putin“), eindeutig gegen Krieg und Gewalt aussprach.

Bei anderen - ruhigeren - Stücken führte er das Publikum auch „in die Kirche der gebrochenen Herzen“.

Zum Schluss, bei der Vorstellung seiner Band, behauptete der Lord, sein Name sei Roland Kaiser. Und den Zuschauern im gut gefüllten Alt Werdohl rief er abschließend zu: „Wir sehen und 2096 wieder.“

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