Keine Hilfen vom Land

Borkenkäfer-Plage: Regen lässt Werdohler  Forstwirte hoffen

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Achim Noelle von der Forstbetriebsgemeinschaft Werdohl-Ohle spricht von katastrophalen Preisen beim Fichtenholz. Lager gebe es aktuell aber nicht. Auf den Polterplätzen wie hier liegt nur wenig.

Werdohl - Der Borkenkäfer findet sich unverändert unter der Rinde der heimischen Fichte – und auf der Tagesordnung der Landespolitik.

„Das Problem wurde von der Landesregierung erkannt, wird aber leider nur schleppend angegangen. Natürlich ist es richtig, eine Task Force Borkenkäfer einzusetzen, jedoch brauchen die Handelnden vor Ort schnelle Hilfe. Die bisherigen finanziellen Maßnahmen stützen sich überwiegend auf Prüfaufträge und die Hoffnung auf Bundeshilfen wie die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz. Auf direkte Landeshilfen wurde bis dahin verzichtet“, kritisiert der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas im Nachgang die Beantwortung seiner kleinen Anfrage im Landtag. 

Zum Zeitpunkt der Kleinen Anfrage sei gerade aus den Reihen von Fachleuten kritisiert worden, dass Lager- und Transportkapazitäten zu gering seien, um der Lage Herr zu werden. Es gelte daher insgesamt: „Nicht prüfen, sondern machen!“

Aktuell keine Hilfen vom Land

Das sieht Achim Noelle, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Werdohl-Ohle. teilweise genauso. „Hilfen vom Land gibt es aktuell nicht“, weiß der Landwirt, der gleichzeitig auch Forstwirtschaft betreibt. 

Die allermeisten der 72 Mitglieder haben die Forstwirtschaft im Nebenerwerb, die großen Betriebe agieren eigenständig außerhalb der FBG. Die 72 Mitglieder verwalten 1600 Hektar Wald und schlagen pro Jahr im Schnitt etwa 6500 Festmeter. Die meisten Betriebe in der FBG sind – anders als die Großbetriebe – nicht allein auf das Holz angewiesen. 

Deshalb gebe es im Bereich der FBG auch keine Lagerprobleme. Es werde wegen der Borkenkäferplage nur soviel geschlagen, was die Forstwirte auch verkaufen könnten. Es liege nicht viel auf den Polterplätzen, und auch der Transport klappe reibungslos. Im heimischen Wald stehe natürlich noch viel Käferholz. 

Der Borkenkäfer liebt Trockenheit

Der viele Regen mache den Forstbetrieben etwas Hoffnung: Der Borkenkäfer liebt die Trockenheit, Kälte macht ihm wenig aus. Noelle findet klare Worte: „Der Käfer muss praktisch ersaufen!“ Starke Nässe verringere der Population des Schädlings. 

„Früher hieß es, dass der Wald unsere Rente ist“, blickt Noelle zurück, „das ist seit Kyrill und heute dem Borkenkäfer vorbei.“ Anders als beim regionalen Kyrill-Ereignis grassiert der Borkenkäfer in ganz Europa. Noelle stopfe die Lücken mit dem Verkauf von Eichenholz. Dort sei der Preis gut, aber nicht jeder habe Eiche und bekanntlich wächst das edle Holz nur sehr langsam. Anders als die Fichte, weshalb sie auch immer noch weit verbreitet unter den Forstbetrieben ist. 

Preise sind "katastrophal"

Die Preise seien katastrophal, so Noelle. Im Sommer 2018 gab es für den Festmeter Fichte 95 Euro, aktuell sind es 50 Euro. Seit Januar darf das Forstamt aufgrund wettbewerbsrechtlicher Bedenken das Holz nicht mehr gesammelt für die Forstbetriebe vermarkten. 

Für Laubholz gilt das schon, für Fichtenholz gilt noch eine Übergangszeit bis Mitte des Jahres. Auch die FBG Werdohl-Ohle hat sich deshalb der forstwirtschaftlichen Vereinigung Mark/Ruhr angeschlossen, die das Holz gesammelt vermarktet. Bis Mitte des Jahres, so Noelle, würden noch weitere FBG beitreten, dann werde die forstwirtschaftliche Vereinigung mit der Vermarktung beginnen. Die Vorgängergesellschaft wurde schon 2005 als Waldholz Sauerland gegründet. 

Fast 120 000 Festmeter befallen 

Im Bereich des Fortsbezirks Märkisches Sauerland, dem Gebiet des Märkischen Kreises, sind fast 120.000 Festmeter vom Borkenkäfer befallen, so die Schätzung aus dem Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Damit sieht auch die Landesregierung „in der Borkenkäferkalamität und der lang anhaltenden Dürre, neben den wirtschaftlichen Verlusten, eine Gefährdung des grünen Drittels des Landes und auch der Rohstoffbasis für die holzverarbeitende Industrie.“ 

Diese Fichtenrinde ist deutlich sichtbar vom Borkenkäfer befallen. Allein die Nässe schadet der Population, Frost macht den Larven wenig aus.

Die weitere Frage nach Maßnahmen zum Schutz der Wälder und der Waldbesitzer allerdings beantwortet die Landesregierung mit dem Hinweis auf eine eigens eingerichtete Fachgruppe (Task Force Käfer) und eine Arbeitsgruppe Käferkalamität. 

Waldbesitzer können auch mittels Verwaltungszwang zu Forstschutzmaßnahmen bewegt werden. Davon würden die Forstbehörden erst Gebrauch machen, wenn absehbar sei, dass viele Waldbesitzer ihren Verpflichtungen zum Schutz eigener wie benachbarter Bestände nicht nachkämen. 

Land will sich für Entlastungen einsetzen

Was finanziell machbar ist, bleibt in der Beantwortung eher vage. Die Landesregierung werde sich dafür einsetzen, dass der Bund steuerliche Entlastungsmaßnahmen in Kraft setzt, um Waldbesitzer nicht in die steuerliche Progression zu treiben. Das droht in dem Fall, wenn Eigentümer käferbedingt in kurzer Zeit hohe Einnahmen durch erhöhten Absatz erzielen würden. 

Ergreife der Bund keine steuerlichen Maßnahmen, werde geprüft, ob in NRW vom sogenannten Katastrophenerlass Gebrauch gemacht werden könnte. Eine weitere fiskalische Maßnahme sei die Weisung des Ministeriums für Finanzen an die Finanzämter, bei Stundungsanträgen oder Anträgen auf Herabsetzung von Vorausleistungen Ermessensspielräume auszunutzen. Ein weiterer Hinweis ergibt sich in der Beantwortung der Anfrage auf ein neues Bundesprogramm zur „Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald“. 

Danach würden Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald mit bis zu 80 Prozent der Kosten gefördert.

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