Nutzungsverbot am Sonntag wird nicht eingehalten

Ball-Alarm am Bolzplatz Königsburg: „Da wirst Du bekloppt“

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Größer geht es wirklich nicht: Die Stadt hat überall am Bolzplatz Königsburg diese Verbotsschilder angebracht, doch manche Nutzer halten sich nicht daran. Herdes (Bild rechts) zeigt die Stelle, an der es bei den Umzäunungen eine Lücke in Richtung seines Grundstücks gibt.

Werdohl – Neulich hatte Oliver Herdes fast die Nerven verloren. Wieder einmal wurde ununterbrochen der Ball gegen die Bande vom Bolzplatz Königsburg gedonnert, wieder rannten Unbekannte im Garten herum, wieder einmal half die freundliche Ansprache auf Rücksichtnahme nichts.

Der Garten der beiden Herdes-Familien liegt direkt neben dem kleinen Fußballplatz. „Die Typen beschimpften meinen Mann übel, der wollte schon los und sich mit denen anlegen“, erzählt seine Frau Magdalena (39). 

Vernünftigerweise blieb Oliver Herdes in seinem Garten und rief stattdessen die Polizei. Als die kam, waren die jungen Männer vom Bolzplatz längst weg. 

Senior Ernst Wilhelm Herdes (75) fasst die seit Jahren andauernde Situation mit seinen Worten zusammen: „Da wirst Du bekloppt.“ Die Herdes sind umgängliche Menschen, freuen sich, dass der tägliche Kinderlärm von der Grundschule nebenan nach Leben klingt. 

Auch für den Bewegungsdrang der Kicker auf dem neben der großzügigen Gartenanlage gelegenen Bolzplatz haben Barbara und Ernst Wilhelm Herdes Verständnis. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich bewegen, Herdes versteht sich selbst als Sportler. 

Der Sonntag soll störungsfrei sein

Allerdings gebe es auch eine Grenze, und die besteht bei den beiden Herdes-Familien im störungsfreien Sonntag. Im vergangenen Sommer war die Geduld deutlich überstrapaziert. Herdes wandten sich an die Tageszeitung und an die Bürgermeisterin, um ihre Nöte zu schildern. 

Ihre Hauptforderung war und ist, dass in der Woche nach 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen Ruhe herrscht. Dass nicht am Sonntagnachmittag und bis in den Abend andauernd Bälle auf dem Rasen, im Gemüsebeet oder im Pool einschlagen. 

Dass nicht ständig unfreundliche junge Männer ungefragt den Garten betreten und – während Familienmitglieder zum Beispiel im Gartenstuhl sitzen – den Ball aus den Rabatten wiederholen. Magdalene Herdes hat mit ihren kleinen Kindern schon jede Menge erlebt. 

"Das ist manchmal echt zum Ausrasten"

Man könne doch nicht einfach bei fremden Leuten in den Garten laufen und die Menschen dort stören, ohne nicht wenigstens einmal zu fragen. Wer etwas sage, werde geschmäht und beleidigt. „Das ist manchmal echt zum Ausrasten“, sagt die 39-Jährige. 

Auf die Berichterstattung vor einem Jahr in unserer Zeitung hatte sich die Stadt in Person von Bürgermeisterin Silvia Voßloh und den für Sportanlagen zuständigen Ulli Betten für die Belange der Familie eingesetzt. 

Mehrere Maßnahmen zur Sicherung des nachbarschaftlichen Friedens wurden mit Herdes besprochen und umgesetzt. Bis auf eine Lücke wurden die Umzäunungen des DFB-Kleinspielfeldes verbessert und erhöht, damit die Bälle nicht mehr ohne weiteres über die Abgrenzungen fliegen können. Ergebnis in der Realität ist, dass dennoch Bälle über Netze und Gitter geschossen werden. 

Ernst Wilhelm Herdes steht in seinem Garten an der Waldstraße, der auch von seiner Familie samt Enkelkindern genutzt wird. Links im Hintergrund sind der Bolzplatz Königsburg und die stillgelegte Kirche zu erkennen. Bald beginnen die schönen Tage, dann werde der Aufenthalt im Garten vor allem an Sonntagen unerträglich. Regelmäßig schlügen die Bälle in den Garten ein, die meist jugendlichen Kicker suchten rücksichtslos danach.

Die vorher schlecht lesbare Beschilderung über die Nutzungszeiten des Kleinspielfeldes wurden absolut unübersehbar angebracht. Ein mehrere Quadratmeter großes Schild und viele weitere Hinweistafeln überall auf dem kleinen Gelände weisen vollkommen unmissverständlich darauf hin, dass nach 19 Uhr, in der Dunkelheit und an Sonn- und Feiertagen das Kicken verboten ist. 

Da klar war, dass gute Worte allein meist nicht reichen, wurde auch das Ordnungsamt und sogar einmal auch der private Sicherheitsdienst der City-Streife an die Waldstraße geschickt. Ernst Wilhelm Herdes kann bei der Überwachung des Verbotes keinen Erfolg erkennen: „Das hat nichts genützt, es wurde auch viel zu wenig kontrolliert.“ 

"Orientalische Musik volle Pulle aufgedreht"

Die Polizei dürfe nur anrücken, wenn konkret etwas vorliege. Fakt ist, dass alle Maßnahmen nicht wirklich etwas genützt haben. Herdes beschreibt die Situation so: „Da wird auch am Sonntag orientalisch klingende Musik volle Pulle abgespielt, die Bälle knallen gegen die Bande, dass bei uns die Gläser aus dem Schrank fallen.“ 

Gespielt würde auch in der Woche bis weit nach 19 Uhr, auch die Dunkelheit störe die Kicker nicht, auf dem Platz Bälle zu schießen. Ernst Wilhelm Herdes und Schwiegertochter Magdalena meinen, dass die Nutzungszeiten des Platzes nur mit einer Schließanlage eingehalten werden können. 

Es gebe doch aus der Ferne abschließbare Systeme, der Zugang müsse sich doch durch Verriegelungen kontrollieren lassen. Herdes: „Zaun mit Tor drin, abschließen, und fertig.“

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