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Immer weniger Blutspenden? DRK Werdohl hat andere Probleme

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Von: Volker Griese

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Pantelis Haritidis hat schon während seiner Zeit beim griechischen Militär mit dem Blutspenden begonnen, am Dienstag nahm ihm Sonja Wollenberg (rechts) die 55. Spenden ab.
Pantelis Haritidis hat schon während seiner Zeit beim griechischen Militär mit dem Blutspenden begonnen, am Dienstag nahm ihm Sonja Wollenberg (rechts) die 55. Spenden ab. © Griese, Volker

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt, dass in Deutschland die Blutreserven zur Neige gehen. Es drohe ein gravierender Notstand. Einer der Gründe: der demografische Wandel. Die Generation der Baby-Boomer kommt jetzt ins Rentenalter und fällt allmählich aus dem Spenderpool heraus. Ausreichend junge Spender, die das ausgleichen könnten, kommen aber nicht nach. Ganz so schwarz sieht das DRK für Werdohl nicht. Es gibt aber andere Probleme.

Werdohl – Schon vor Monaten hat der DRK-Blutspendedienst aufgrund der Coronapandemie die Organisation seiner Blutspendetermine optimiert. Wer einen Teil seines Blutes spenden möchte, soll sich seitdem vorher über das Internet anmelden, so sollen unnötig lange Aufenthalte vermieden werden. 98 Männer und Frauen hatten von dieser Möglichkeit vor dem Blutspendetermin in dieser Woche in Werdohl Gebrauch gemacht. Eine Stunde nach Beginn war Silvia Linnhoff, die Blutspendebeauftragte des DRK-Ortsvereins, noch skeptisch: „Ob die alle kommen? Manchmal springen auch kurzfristig wieder welche ab. Aber es kommen auch welche unangemeldet.“ Am Ende war ihre Skepsis unbegründet, denn 105 Blutspender waren ein gutes Ergebnis für Werdohl.

Für Christiane Lauing, Blutspendebeauftragte des DRK-Kreisverbands, war das nicht unbedingt eine Überraschung. „Die Bereitschaft zum Blutspenden ist im ländlichen Raum größer als in den großen Städten“, berichtet sie aus ihrer Erfahrung. In kleinen Orten sei der Blutspendetermin oft auch eine Gelegenheit, Bekannte zu treffen, sich über Neuigkeiten auszutauschen. Die Blutspende als Nachrichtenbörse.

Silvia Linnhoff bestätigt das – und sie kann es mit Zahlen untermauern. Rund 700 Blutspenderinnen und Blutspender geben jedes Jahr bei den acht Terminen in Werdohl einen kleinen Teil ihres „Lebenssaftes“ ab, um damit vielleicht andere Leben zu retten. Das sind etwa 87 pro Spendentermin. Selbst im Corona-Jahr 2020, als Blutspenden abgesagt und verschoben werden mussten, lag die durchschnittliche Beteiligung noch bei etwa 77 Spendern.

Interessant war die Entwicklung im Jahr 2021: Das DRK startete mit dreistelligen Spenderzahlen ins Jahr – doch als die Corona-Einschränkungen für Blutspenden weggefallen waren, sank die Zahl der Blutspender auf durchschnittlich 88. Auch im vergangenen Jahr gab es große Schwankungen zwischen 101 Blutspendern Anfang Januar und gerade einmal 60 Mitte November. Linnhoff hat dafür zumindest teilweise eine Erklärung: „Beim zweiten November-Termin gab es eine Grippewelle. Deshalb hatten wir so wenige Teilnehmer wie nie.“

Ulrike Lohmann nahm von der Werdohler DRK-Blutspendebeauftragte Silvia Linnhoff (rechts) die Auszeichnung für die 25. Blutspende entgegen. Ulrike Lohmann nahm von der Werdohler DRK-Blutspendebeauftragte Silvia Linnhoff (rechts) die Auszeichnung für die 25. Blutspende entgegen.
Ulrike Lohmann nahm von der Werdohler DRK-Blutspendebeauftragte Silvia Linnhoff (rechts) die Auszeichnung für die 25. Blutspende entgegen. Ulrike Lohmann nahm von der Werdohler DRK-Blutspendebeauftragte Silvia Linnhoff (rechts) die Auszeichnung für die 25. Blutspende entgegen. © Griese, Volker

Doch so groß die Bereitschaft zum Blutspenden im ländlichen Raum in der Regel auch sein mag, das „Kapital“ in den Blutbanken ist mittlerweile äußerst gering. „Wir haben keinerlei Reserven mehr“, sagt Christiane Lauing und verweist damit darauf, dass der DRK-Blutspendedienst West derzeit nur noch so viele Blutkonserven auf Lager hat, wie binnen eines Tages verbraucht werden. Eigentlich müssten die Vorräte für mindestens fünf Tage reichen.

Deshalb sagte auch Sonja Wollenberg, Teamleiterin des DRK-Blutspendedienstes, beim Spendetermin in Werdohl: „Hier ist die Bereitschaft hoch, aber es könnten trotzdem noch mehr Spender sein.“ Die DRK-Verantwortlichen vor Ort machen sich deshalb Gedanken, wie sie noch mehr Menschen zur Blutspende bewegen könnten. Beispielsweise könnte die Werbung noch intensiviert werden, etwa durch Aufsteller am Rande der Neustadtstraße, um Autofahrer und Passanten auf gerade laufende Blutspenden im großen Pfarrsaal der St.-Michael-Gemeinde aufmerksam zu machen. „Denn manche Leute finden uns nicht“, weiß Silvia Linnhoff aus Gesprächen.

Linnhoff ist vor den Spendeterminen auch immer im Stadtgebiet unterwegs, um Plakate aufzuhängen, die auf die Möglichkeit zum Blutspenden hinweisen. Dabei ist sie aber auch an Grenzen gestoßen. „Es gibt ja immer weniger Geschäfte, in denen wir Plakate aufhängen könnten“, sagt sie. Und noch etwas brennt ihr auf den Nägeln: Die Parksituation rund um den großen Pfarrsaal. Das Gebiet unterliegt der Parkraumbewirtschaftung durch die Stadt. Wer sein Auto dort während der Blutspende ohne bezahlten Parkschein abstellt, riskiert ein Knöllchen. „Muss das denn sein, dass das Ordnungsamt genau dann kontrolliert?“, fragt die Blutspendebeauftragte.

Marcel Fenner wurde für die 25. Blutspende geehrt.
Marcel Fenner wurde für die 25. Blutspende geehrt. © Griese, Volker

Die nächste Gelegenheit zur Blutspende in Werdohl besteht am Montag, 16. Januar, zwischen 15.30 Uhr und 20 Uhr, im großen Pfarrsaal von St. Michael. Blut spenden kann jeder gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 75 Jahren (Erstspender bis 68 Jahre). Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von 56 Tagen liegen. Innerhalb von 12 Monaten dürfen Frauen viermal, Männer sechsmal Blut spenden. Der Zeitaufwand für eine Blutspende beträgt etwa eine halbe Stunde. Zum Abschluss erhalten Blutspender einen kleinen Imbiss zur Stärkung.

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