Provinz-Frosch Kramer singt den Blues im Alt Werdohl

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Chris Kramer ist häufiger Gast in Werdohl. Er gibt auf der Bühne stets alles.

Werdohl - Ein Konzert der Extraklasse erlebten die Besucher in der brechend vollen Musikkneipe Alt Werdohl am Samstagabend: Blues-Sänger Chris Kramer ist seit Jahrzehnten gern gesehener Gast in Kultwirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch’ Wohnzimmer, aber dieses Mal hatte der Junge aus dem Ruhrgebiet und bekennende Schalke-04-Fan zwei Granaten an seiner Seite, die den Abend zu etwas Besonderem machten.

Unspektakulär sah der Bühnenaufbau aus: Neben Mundharmonikaspieler und Sänger Kramer selbst, der zwischenzeitlich auch zu den sechs Saiten griff, kamen Gitarrist Sean Athens und Kevin O’ Neal auf die Bühne. Letzterer hatte kein Instrument in der Hand. Er entpuppte sich als Beatboxer, das heißt er steuerte Schlagzeug-Sounds und Scratching-Geräusche aus seinem Mund zum Gelingen des Gigs bei. Und wie er das machte: O’ Neal ist deutscher Meister in seiner Disziplin.

Im ersten Konzertteil erklärte er dem Publikum, wie er die irrwitzigen Beats nur mit seiner Stimme erzeugte, wie aus den Worten „Böse Katze“ Michael Jacksons „Beat it“ wird. Und dabei trank der Kehlkopf-Akrobat auch noch aus einer Wasserflasche. O’ Neal erklärte: „Ich habe vier Jahre bei der Sparkasse gejobbt. Aber richtige Arbeit habe ich erst auf der Bühne kennengelernt.“ Athens hingegen ist schlicht ein überragender Saiten-Streichler. Seine Gitarren-Soli sorgten ein ums andere Mal für verzückte Jubelschreie aus dem Publikum.

Es sollte nicht verwundern, wenn er schon bald auf viel größeren Bühnen zu sehen sein wird. Als Zugabe spielte er ein Instrumental seines großen Vorbilds Gary Moore. Kramer sang teils in englischer und teils in deutscher Sprache. Seine selbstverfassten Songs trugen Titel wie „We Want to Have a Good Time“ und „Drachenblut“. Und dabei kam der Humor nicht zu kurz.

So sang er im „Froschkönig-Blues“ die Zeilen: „Für mich bist Du die Schönste, ich bin ja nicht blind. Ich aber seh’ aus wie ein Frosch aus der tiefsten Provinz.“ Bei einer Ansage erläuterte Kramer: „Mit 13 Jahren merkte ich: Ich bin anders als die Anderen. Die bekamen Pickel und hörten Duran Duran. Ich bekam den Blues.“ 2010 habe er dann „die Ehre gehabt, mit Peter Maffay auf Tour zu gehen“. Darüber habe er den Song „Unterwegs zur Sonne“ geschrieben, verriet der Blues-Sänger später.

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