Coronavirus

Blick über die Grenzen: So ist die Lage in den Partnerstädten von Werdohl, Neuenrade und Balve

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In Werdohl Partnerstadt Stavenhagen ist die im Schloss untergebrachte Stadtverwaltung für den Publikumsverkehr geschlossen. Praktisch alle Mitarbeiter arbeiten mittlerweile im Homeoffice.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Das Coronavirus hat nicht nur den Märkischen Kreis und NRW im Griff, vielmehr greift die Bedrohung weltweit in das Leben der Menschen ein.

Das zeigt auch ein Blick in die Partnerstädte von Werdohl, Neuenrade und Balve in Ostdeutschland, den Niederlanden und England. 

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, wo Werdohls Partnerstadt Stavenhagen zu finden ist, sind aktuell 134 Personen am Coronavirus erkrankt, das sind 5,8 pro 100 000 Einwohner (Märkischer Kreis: 9,2 Erkrankte/100 000 Einwohner). Todesfälle hat es im Raum Stavenhagen bislang nicht gegeben. 

Mitarbeiter im Homeoffice

Die Mitarbeiter der Verwaltung der Reuterstadt Stavenhagen verrichten ihre Arbeit mittlerweile im Homeoffice. Einen persönlichen Kontakt mit den Mitarbeitern sowie Einlass in die Verwaltungsgebäude gibt es nur bei dringenden und nicht aufschiebbaren Angelegenheiten und vorheriger telefonischer oder schriftlicher Terminabstimmung. „Ich versichere, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten weiterhin alles tun werden, um die Angelegenheiten der Bürger schnellstmöglich und professionell zu bearbeiten“, erklärte Bürgermeister Stefan Guzu. 

Auch alle städtischen Einrichtungen in Stavenhagen, beispielsweise Museum, Bibliothek, Sporthallen und Seniorenclub, sind geschlossen. 

Hamsterkäufe kein großes Thema

Hamsterkäufe sind im Nordosten offenbar nicht ein so großes Thema wie im Märkischen Kreis. Allerdings sagte ein Sprecher des schwarz-gelben Discounters Netto, gegenüber der in Stavenhagen erscheinenden Zeitung Nordkurier : „Wir bemerken eine höhere Nachfrage für beispielsweise Konserven und Toilettenpapier. Nur vereinzelt sind bestimmte Produkte unter Umständen kurzfristig vergriffen.“ Das Netto-Zentrallager in Stavenhagen, das 141 Märkte in der Region beliefert, könne aber noch für ausreichend Nachschub sorgen, hieß es in der vergangenen Woche. Derzeit verlassen etwa zehn Prozent mehr Lastwagen das Lager als in normalen Zeiten. 

Vom Coronavirus weniger stark betroffen als andere Regionen Englands ist die englische Grafschaft Durham, wo Werdohls ehemalige Partnerstadt Derwentside liegt. In der Region waren am Montag 14 Personen mit dem Virus infiziert (1,6 Infizierte/100 000 Einwohner). In der ganzen Region sind sämtliche öffentlichen Einrichtungen und Schulen zunächst bis Ende April geschlossen. Auch das Durham Adventure Festival, das vom 24. bis 26. April im Gala Theatre stattfinden sollte, wurde abgesagt. Darüber hinaus seien die für Mai geplanten Polizeiwahlen bereits verschoben worden, berichtete das Durham Magazine vor wenigen Tagen. 

Auch in England viele freiwillige Hilfsangebote

Auf freiwilliger Basis organisierte Hilfsangebote sind offenbar auch in der nordöstlichen Region Englands stark im Kommen. „Eine großartige Sache in County Durham sind unsere starken lokalen Gemeinschaften. Wir hatten in Bezug auf Freiwilligenarbeit viele Angebote und Ideen mit einigen fantastischen Beispielen, um lokale Gemeinschaften im ganzen Landkreis zu unterstützen“, sagte Simon Henig, Vorsitzender des Durham County Council, vergleichbar mit dem hiesigen Landrat. 

Der Vogtlandkreis, in der auch Neuenrades Partnerstadt Klingenthal liegt, verzeichnet inzwischen 30 Menschen die an Covid-19 erkrankt sind. In Klingenthal ist ein Mensch betroffen. Alle werden medizinisch betreut. Damit hat sich die Zahl der Fälle in dem Kreis seit dem Wochenende verdoppelt. Ähnlich wie in Neuenrade gibt es Allgemeinverfügungen, die das Leben der Bevölkerung stark einschränken. Allerdings ist man harscher als in Neuenrade: Der Oberbürgermeister von Klingenthal, Thomas Henning, hat festgelegt, dass die Markttage (Mittwoch und Freitag) zum Schutz der Bürger entfallen. „Die Lebensmittelversorgung wird durch den Einzelhandel weiter gesichert. Wir bitten um Ihr Verständnis“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. 

Orientierungshilfe per App

Im Vogtlandkreis gibt es zudem die Regelung, dass bei Verdacht auf eine Corona-Infektion umgehend der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst oder der jeweilige Hausarzt zu informieren ist. Orientierungshilfe soll zudem eine App geben. Zudem gibt es drei Corona-Testzentren in der Umgebung. Darüber hinaus sind pensionierten Ärzte aufgerufen, sich zu melden; auch wird medizinisches Personal gesucht, um die Testzentren zu verstärken. Eventuell auch für den Rettungszweckverband und die Kliniken. „Bitte melden Sie sich, jede medizinische Hilfe wird gebraucht!“, heißt es. 

Der Oberbürgermeister der Partnerstadt Klingenthal, Thomas Henning (links) und Neuenrades Bürgermeister Antonius Wiesemann beim Austausch von Gastgeschenken.

Textilfirmen aus dem Kreis nähen Mundschutze, meldet die Freie Presse, und das Theater wird Internetvorstellungen geben. Tschechien macht zudem die Grenzen dicht, Klingenthal grenzt an das Nachbarland. Berufspendler dürfen demnach nicht mehr einreisen. 50 000 Menschen sind laut Freie Presse betroffen. Klingenthal, rund 8000 Einwohner, hat mit Neuenrade seit 1990 eine Städtepartnerschaft. 

Grenzverkehr quasi eingestellt

Dinxperlo als niederländische Partnerstadt von Neuenrade ist auch erheblich betroffen. Der Grenzverkehr ist quasi eingestellt. Der Nachbarkreis Borken rät von Besuchen besonders in Dinxperlo und Gendringen ab. „Die Niederlande sind vom Coronavirus ebenfalls stark betroffen. Daher besteht auch dort die große Gefahr, dass bei Aufenthalten dort das Virus übertragen werde. Um die Weiterverbreitung einzudämmen, lautet der Appell von Landrat Dr. Kai Zwicker: „Bleiben Sie bitte – wenn immer möglich – zuhause. Fahren Sie vor allem nicht in die angrenzenden niederländischen Städte und Gemeinden!“ Dort sind demnach die Gastronomiebetriebe einschließlich der Restaurants ohnehin bereits geschlossen. 

Eine Posse am Rande: Noch am Freitag war allerdings derMarkt in Dinxperlo geöffnet, während der Markt in Winterswijk geschlossen war – zum Ärger der Markthändler. Auch in den Niederlanden gibt es zudem Hamsterkäufe, meldete das Online-Portal Omroep. 4749 Infektionsfälle werden für die Niederlande gezählt; dort sind bisher 213 Menschen an der Krankheit gestorben. Die Toten seien im Alter von 55 bis 97 Jahren, heißt es auf einem Onlineportal. Dinxperlo ist etwa so groß wie Nachrodt-Wiblingwerde und gehört zu Aalten. Die Städtefreundschaft, spätere Städtepartnerschaft, besteht seit 1978. 

Bürgermeisterin in Quarantäne

In Balves niederländischer Partnerstadt Heerde sei Bürgermeisterin Jacqueline Koops-Scheele seit Samstagabend in freiwilliger Quarantäne, nachdem sie plötzlich hohes Fieber hatte, berichtete die Regionalzeitung De Stentor. Sie habe sich mit ihren beiden Kindern und ihrem Partner in ihr Haus zurückgezogen. 

Auch der Erste stellvertretende Bürgermeister, Stadtrat Wolbert Meijer, zeigte Symptome der Krankheit, weshalb mittlerweile Jan Berkhoff die Aufgaben des Bürgermeisters übernommen hat. Das Heerder Rathaus ist praktisch leer, die Verwaltung auch telefonisch nicht zu erreichen. Die Mitarbeiter haben sich ins Homeoffice zurückgezogen, seit viele von ihnen als Kontaktpersonen gelten. Um die Krise zu bewältigen, hat Heerde einen beliebten Wanderweg gesperrt. Der Wochenmarkt hat am Freitag noch stattgefunden. Ob er weiterhin durchgeführt werden kann, ist offen. Derweil haben auch in Holland die Schulen geschlossen. 

520 Infizierte in der Provinz Gelderland

Bereits am 14. März meldete De Stentor, dass sich ein Bewohner Heerdes mit dem Virus Covid-19 infiziert habe. In der Provinz Gelderland sind bis jetzt 520 Personen (25 Erkrankte/100 000 Einwohner) positiv auf Covid-19 getestet. Am Montag waren aus Heerde 13 Infektionen gemeldet (70 Erkrankte/100 000 Einwohner).

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