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Blauer Zusatz bereitet Sorgen: Kostenexplosion bei Ad Blue

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Fahrer neuerer Diesel-PKW müssen derzeit tief in die Tasche greifen: Beim Treibstoffzusatz Ad Blue verzeichne man eine Kostenexplosion, erklärt der Plettenberger Tüv-Stationsleiter Wolfgang Schmidt. Davon betroffen sind natürlich auch alle LKW. ARCHIVFoto
Fahrer neuerer Diesel-PKW müssen derzeit tief in die Tasche greifen: Beim Treibstoffzusatz Ad Blue verzeichne man eine Kostenexplosion, erklärt der Plettenberger Tüv-Stationsleiter Wolfgang Schmidt. Davon betroffen sind natürlich auch alle LKW. ARCHIVFoto © Privat

Die Logistikbranche sowie Fahrer neuerer Diesel-PKW schauen seit Monaten gebannt auf den Preis von Ad Blue. Seit Jahresbeginn haben sich die Kosten für den Treibstoffzusatz vervielfacht.

Werdohl – Betroffen sind laut Tüv rund zehn Prozent der Personenkraftwagen in Deutschland und nahezu jeder Lastkraftwagen. Wolfgang Schmidt, Leiter der Tüv-Station in Teindeln, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Dieselreiniger.

Warum ist AdBlue so teuer geworden?

Die Preisexplosion liege an den steigenden Kosten für Erdgas, denn das ist für die Herstellung von Ad Blue nötig: Aus einem Kilo des fossilen Rohstoffs gewinne man etwa einen Liter Ad Blue. Für die Hersteller rentiere sich die Produktion aber kaum noch. Die SKW-Stickstoffwerke Piesteritz aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt) hätten die Erzeugung des Dieselzusatzes sogar zwischenzeitlich eingestellt.

Was genau ist Ad Blue?

Ad Blue besteht zu 32,5 Prozent aus synthetisch hergestelltem Harnstoff und zu 67,5 Prozent aus destilliertem Wasser. „Die bläulich schimmernde Flüssigkeit zahlt auf den Umweltschutz ein, da sie bei der selektiven katalytischen Reduktion den Stickoxid-Ausstoß von Dieselfahrzeugen um bis zu 90 Prozent reduziert“, erklärt Wolfgang Schmidt.

Dabei wird Ad Blue aus einem Extra-Tank gezielt in den Abgasstrom eingespritzt. Durch die Hitze zersetzt sich der Harnstoff in Ammoniak. Dieses wiederum reagiert im SCR-Katalysator mit den Stickoxiden und wandelt sie in harmlosen Stickstoff sowie Wasserdampf um. Dieses System mache es möglich, dass Dieselfahrzeuge den vorgeschriebenen Ausstoß von höchstens 80 Gramm Stickoxid auf 100 Kilometern einhalten und trotzdem spritsparend unterwegs sind.

Wie weit kommt man mit einem Liter Ad Blue?

Der Verbrauch hänge von der Fahrweise, dem Modell und den Verkehrsbedingungen ab. Laut Herstellerangaben benötigten Diesel-PKW etwa einen bis anderthalb Liter auf 1000 Kilometern. Blinkt die Warnleuchte auf, habe man in der Regel noch einen Puffer von 2000 Kilometern, bis der Tank völlig leer ist.

Droht ohne Ad Blue der Stillstand?

Laut Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) verbrauchen Lastkraftwagen auf deutschen Straßen bis zu fünf Millionen Liter Ad Blue pro Tag. Ein Mangel der Lösung könne daher weitreichende Folgen auf die Lieferketten haben. Davon sei derzeit aber nicht auszugehen.

Laufe allerdings der Ad Blue-Tank während der Fahrt trocken, wechselt die Bordelektronik in den „Kriech-Modus“, sodass nur noch mit gedrosselter Leistung bis zur nächsten Tankstelle gefahren werden könne. Ist der Motor einmal aus, ließe er sich ohne den Zusatz nicht mehr starten.

Warum ist Ad Blue aus dem Kanister teurer?

Aus dem Kanister sei das Befüllen des AdBlue-Tanks ähnlich einfach wie das Auffüllen des Wischwassers. Allerdings ist die Lösung aus der Flasche deutlich teurer als an der Zapfsäule, sagt Schmidt. Denn: Bis die Flüssigkeit im Behälter ist und in den Verkaufsregalen steht, seien deutlich mehr Arbeitsschritte nötig, als lediglich die Treibstofflager einer Tankstelle aufzufüllen.

Außerdem seien die Plastikflaschen nicht nur kostspieliger, sondern auch aus Umweltgründen kritisch zu betrachten. Am einfachsten finde man die nächste Ad Blue-Zapfsäule mithilfe von Apps unabhängiger Anbieter.

Kann man Ad Blue selbst herstellen?

Auch wenn es der Name nahelegt, mit Urin habe das synthetische Produkt wenig gemein: Harnstoff sei im Urin nur in sehr geringer Konzentration enthalten. Die für die Stickoxid-Umwandlung nötige Menge herauszufiltern sei unmöglich.

No-Name-Produkte eine Alternative?

Ad Blue ist ein eingetragenes Warenzeichen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Nur Produkte mit dem offiziellen Ad Blue-Schriftzug gewährleisteten, dass die Normen ISO 22241-1 bis 22241-4 erfüllt sind. Die Verwendung von No-Name- Produkten könne laut dem Plettenberger Tüv-Stationsleiter den SCR-Katalysator und andere wichtige Bauteile beschädigen. Zudem sei die Herstellergarantie gefährdet.

Wie lagert man Ad Blue?

Ein Ad Blue-Vorrat für die nächsten Jahre sei überflüssig: Das Produkt sei kaum mehr als ein Jahr haltbar, dann zersetze es sich, erfülle nicht mehr seinen Zweck und könne der Technik sogar schaden. „Gegen ein paar Extra-Liter im Keller oder der Garage spricht aber nichts“, erklärt der Plettenberger Tüv-Stationsleiter Wolfgang Schmidt.

Die Flüssigkeit sollte an einem dunklen sowie gut belüfteten Ort stehen und vor Temperaturen über 30 Grad geschützt werden. Die ideale Lagertemperatur von Ad Blue liege zwischen minus 5 und 20 Grad.

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