Eine Sinfonie für den Herrn der Ringe

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Die Bläserphilharmonie Westfalen Winds spielte am Sonntag im Festsaal Riesei ihr aktuelles Programm „Visions & Fantasy“

Werdohl - Ein großes Ensemble musikalischer Enthusiasten erfreute am Sonntag die Besucher im Festsaal Riesei. Die Westfälische Bläserphilharmonie Westfalen Winds sei „eines der wenigen Orchester, die sich selber finanzieren“, begrüßte Landrat Thomas Gemke die Gäste und ihr Geschäftsmodell.

Die gute Zusammenarbeit mit dem Märkischen Jugendsinfonieorchester, das häufig den Nachwuchs für die Westfalen Winds liefert, schlägt sich auch an der Spitze des Trägervereins nieder: Der Vorsitzende Martin Fuchs kommt aus Lüdenscheid, sein Stellvertreter Julian Kampmann aus Affeln. Gegründet wurden die „Westfalen Winds“ 1996 von Franz Schulte-Huermann, dem Leiter der Musikschule Lüdenscheid. Von ihm übernahm der heutige Dirigent Ulrich Schmidt 2005 die Leitung der Bläserphilharmonie.

„Visions & Fantasy“

„Visions & Fantasy“ lautete der Titel des gespielten Programms, dessen Kompositionen sich auf unterschiedliche Weise dem Thema „Freiheit“ nähern. Dass der Wunsch nach Freiheit tödlich enden kann, zeigte zum Auftakt die „Icarus and Daedalus Fantasy“ von Keith Gates. Hinein in den kolumbianischen Kampf um die Unabhängigkeit von den spanischen Eroberern ging es mit der Komposition „200“ von Victoriano Valencia Rincón, mit der Kolumbien 2010 den 200. Jahrestag der Nationalen Unabhängigkeit feierte. Afro-kubanische, kolumbianisch-karibische und Tango-Klänge ergaben eine mitreißende Mischung.

Das Programmheft zog die Verbindung zum Motto des Konzerts: Der letzte Satz „Utopias“ mahne zur Einhaltung der gesellschaftlichen Grundprinzipien „Erinnerung, Begegnung und Vielfalt“.

"Der Herr der Ringe" sinfonisch

Jahre bevor der Komponist Howard Shore seine Filmmusik zum Herrn der Ringe komponierte, setzte der Niederländer Johan de Meij seine „Sinfonie Nr. 1 – Der Herr der Ringe“ in Töne. Kenner des Fantasy-Romans und des Films konnten sich die dazugehörigen Bilder ins Gedächtnis rufen: den weisen Zauberer Gandalf oder die Begegnung von Frodo mit Galadriel, der Herrin des Goldenen Waldes. Ein kieksendes, ein bisschen schräges Sopransaxofon ließ im dritten Satz den unglücklichen Gollum mit sich selber kichern, winseln und lispeln.

Mühsam voranschreitende Bässe führten die Gefährten in die finsteren Minen von Moria, in denen Wassertropfen von der Decke tropfen und rhythmische metallische Schläge durch die Gänge hallen. Die Bläser brausten gewaltig auf und türmten sich zu einem fast schmerzhaften Getöse. Lieblich und versöhnlich feierte der Schlusssatz „Hobbits“ die Retter der Freiheit von Mittelerde mit ihrer so sympathischen Lebensart.

Zugabe mit Samuel-Hazo-Stück

Für den lang anhaltenden und stürmischen Beifall des Publikums bedankten sich die Musiker mit einer Zugabe, die dem Freiheitskampf der farbigen Amerikaner gewidmet war: Samuel Hazo schrieb das Stück zu Ehren jener Frau, die der Bürgerrechtsbewegung als Idol und Vorbild diente. Rosa Parks weigerte sich, ihren Sitzplatz in einem Linienbus für einen Weißen zu räumen.

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