Click&Meet

Bisher kaum Nachfrage nach Terminen zum Shoppen

„Click & Meet“ nennt sich das Modell, nach dem Einzelhändler ab Montag ihre Geschäfte öffnen dürfen. Die Kunden müssen dafür vorher einen Termin vereinbaren und zusätzlich einen negativen Corona-Test vorweisen, vollständig geimpft oder nachweislich von einer Covid19-IOnfektion genesen sein.	Foto: Sommer
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„Click & Meet“ nennt sich das Modell, nach dem Einzelhändler ab Montag ihre Geschäfte öffnen dürfen. Die Kunden müssen dafür vorher einen Termin vereinbaren und zusätzlich einen negativen Corona-Test vorweisen, vollständig geimpft oder nachweislich von einer Covid19-IOnfektion genesen sein. Foto: Sommer

Ab Montag, 17. Mai, dürfen Geschäfte im Einzelhandel wieder ihre Türen für die Kundschaft öffnen. „Click & Meet“ heißt das neudeutsch. Doch geklickt beziehungsweise telefonisch einen Termin vereinbart hatte am Freitag, nachdem das NRW-Gesundheitsministerium diese Lockerung der Corona-Einschränkungen verkündet hatte, so gut wie kein Kunde.

Werdohl/Neuenrade ‒ Volker Baron vom Elektrofachhandel SP Baron in Neuenrade hat eine Vermutung, woran das liegen könnte: „Die Kunden müssen ja vorweisen, dass sie geimpft sind oder zumindest negativ getestet. Das ist eine Hemmschwelle. Da denken sich viele sicherlich: So wichtig ist mein Einkauf nun auch nicht. Das ist mir alles zu unbequem.“ Außerdem seien die Testzentren in der Umgebung ja auch nicht permanent geöffnet. Gemäß der Allgemeinverfügung des Märkischen Kreises zum Terminshopping genannten Modell darf der dafür benötigte Corona-Test maximal 24 Stunden alt sein.

Und so wird Baron weiterhin die Waren zusammenstellen, die seine Kunden dann an der Ladentür abholen. „Click & Collect läuft gut“, sagt der Geschäftsinhaber. „Und ich komme ja auch zu den Kunden, um sie bei Bedarf vor Ort zu beraten oder ein Gerät zu reparieren.“ Dennoch bleibe sein Auftragsvolumen hinter der Vor-Corona-Zeit zurück, sagt er – nicht aber, ohne zu betonen: „Die Gastronomie, die Hotels und die Reisebüros hat es aber schlimmer erwischt, als mich.“

Die Beratung über WhatsApp oder mit Hilfe von Videotelefonie hat sich mittlerweile etabliert.

Mayk Schröder, Einzelhändler

So sieht das auch Mayk Schröder, der in Neuenrade und in Werdohl zwei Elektromärkte der Kette Electronic Partners (EP) betreibt. „Auch bei uns sind die Einbußen nicht so krass wie in anderen Branchen“, stimmt er Volker Baron zu. „Wir hatten am Freitag rund 40 bis 50 telefonische Anfragen.“ Einen Termin fürs Click & Meet hätten sich dabei allerdings lediglich drei Kunden für die Neuenrader Filiale geben lassen. „Die Beratung über WhatsApp oder mit Hilfe von Videotelefonie hat sich mittlerweile etabliert“, sagt Schröder.

Schröder freut sich dennoch: „Ich habe das Gefühl, die Leute sind extrem verwirrt. Doch das Click & Meet wird sicher bald besser angenommen. Und dann werden Verkäufe für uns wieder leichter. Wir können die Kunden ja doch besser beraten, wenn sie die Geräte auch sehen und vielleicht sogar anfassen und ausprobieren können. Wir können ihnen die Dinge endlich wieder zeigen.“ Das Wort „endlich“ betont er dabei gut hörbar. er ist erleichtert, „dass wieder Leben in den Laden kommt“.

Als im März Click & Meet erlaubt war, haben sie uns die Bude eingerannt.

Birgit Hoppmann, Verkäuferin

Und auch Schröder hat festgestellt, dass die Kunden politische Entscheidungen in der Pandemie nicht mehr nachvollziehen können: „Es hat ja keiner verstanden, dass das Blumengeschäft die ganze Zeit über geöffnet war, während bei uns an der Tür Schluss war.“ Ab heute erwartet er also auch Kunden, die sich vorher telefonisch oder per E-Mail keinen Termin reserviert haben: „ Im März, als es schon einmal Click & Meet gab es aber eigentlich viel zu früh dafür war, war das auch so.“ Die EP-Kunden hätten dann auch gerne vor der Tür gewartet, bis sie hinein gedurft hätten.

Ob Kunden auch in sein Geschäft dürfen, war Juwelier Dirk Holtschmidt am Freitag selbst noch nicht klar. Deshalb hätte seine Angestellte Sakire Seker am Freitag auch noch keinen Termin fürs Einkaufen im Laden am Eggenpfad vergeben. Eine diesbezügliche Anfrage gab es indes vor dem Wochenende sowieso nicht von den Kunden.

Ebenso wenig klingelte das Telefon bei Möbel Sauerland in Neuenrade. „Wir hoffen auf die nächste Woche“, sagte Birgit Hoppmann am Freitagnachmittag. „Als im März Click & Meet erlaubt war, haben sie uns die Bude eingerannt“, erinnert sie sich. Immerhin: Zwei Termine hatte sie vor dem Wochenende für diese Kalenderwoche schon vergeben.

Das lässt uns jetzt ein deutliches Licht am Ende des Tunnels sehen.

Jens Hilgert, Baumarkt-Betreiber

Rückblickend auf die vergangenen Wochen und Monate schildert Hoppmann das Verhalten ihrer Kunden so: „Viele Stammkunden vertrauen uns. Sie haben Click & Collect genutzt und waren sicher, dass wir ihnen die richtigen Sachen aus dem Sortiment zusammenstellen.“ Sie weiß aber auch: „Bei Möbeln wie beispielsweise einem Sessel ist es aber doch was ganz anderes. Die will man im Laden doch lieber auch mal selbst ausprobieren und begutachten.“

Die Waren derart in Augenschein nehmen können die Kunden, die das Gartencenter am Baumarkt Arens & Hilgert aufsuchen, schon länger. Garten-Fachgeschäfte sind längst nicht mehr geschlossen. Jens Hilgert weiß: „Der Fokus unserer Kunden liegt derzeit klar auf dem Thema Garten.“ So wunderte es ihn am Freitag nicht, dass es für einen Termin im Baumarkt selbst, der erst ab Montag wieder für Kunden zugänglich ist, vor dem Wochenende keine Anfrage gegeben hatte. „Wir sind in der Jahreszeit, in der sich das Geschäft im Baumarkt ohnehin in Grenzen hält. Aber wenn ein Kunde kommt: Wir sind bereit!“ Auch bei Hilgert ist Erleichterung spürbar: „Das lässt uns jetzt ein deutliches Licht am Ende des Tunnels sehen. Immerhin war das jetzt seit Mitte Dezember eine harte Zeit.“

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