Arbeitslosigkeit ist Ursache für jede fünfte Überschuldung

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(Symbolfoto)

Werdohl - Die Fallzahlen der Schuldnerberatung der Awo in Werdohl sind seit Jahren konstant. Bei der langfristig hohen Nachfrage nach Beratungsleistungen und den zeitlich begrenzten Möglichkeiten der Beraterin können keine nennenswerten Steigerungen erwartet werden. Beratungsabläufe wurden optimiert, technische Hilfen ausgeschöpft. Schuldnerberatung ist eine Langzeitaufgabe, die auf unabsehbare Zeit nötig sein wird.

Ein erstes Beratungsgespräch erfolgt in der Regel innerhalb von vier Wochen. Für Verbraucherinsolvenzen von Erwerbstätigen oder Rentnern muss in Werdohl, Neuenrade und Plettenberg für die Beantragung eines Verfahrens eine Wartezeit von zehn Monaten in Kauf genommen werden. Es gibt einfach zu viele Nachfragen dieser Art.

Nur in Altena ist die Wartezeit bei Verbraucherinsolvenz kürzer, dort muss man sechs anstelle zehn Monate warten. Bezieher von SGBII-Leistungen (Grundsicherung für Arbeitssuchende) mit einem Gutschein vom Jobcenter werden überall ohne Wartezeit beraten.

151 Beratungsfälle in Werdohl

In Werdohl wurden im vergangenen Jahr 151 Fälle beraten, 71 kamen neu hinzu, 80 wurden aus dem Vorjahr übernommen, 69 konnten beendet werden. 93 Menschen kamen aus eigenem Antrieb, 24 SGBII-Bezieher wurden zugewiesen, 34 SGBII-Bezieher kamen aus eigener Initiative.

Der Großteil der Schuldner ist zwischen 30 und 60 Jahre alt. Immerhin zwölf Personen waren im Alter zwischen 18 und 25, acht Menschen waren älter als 60 Jahre. Männer sind mit 54 Prozent leicht in der Überzahl gegenüber den Frauen. Gut 40 Prozent waren verheiratet, 20 Prozent lebten in Trennung, 24 Prozent waren ledig. Von den 151 Fällen waren insgesamt 148 Kinder betroffen.

Drei große Ursachenfelder

Eine einheitliche Überschuldungsursache gibt es ebenso wenig wie standardisierte Herangehensweisen zur Erfassung. Dennoch lassen sich drei große Ursachenfelder heraus: 21 Prozent der Werdohler Schuldner rutschten durch Arbeitslosigkeit in die Überschuldung, 21 Prozent hatten langfristig sehr schlecht bezahlte Jobs und 18 Prozent waren nicht in der Lage, ihren Haushalt selbstständig wirtschaftlich zu führen. Persönliches Verhalten, Unzulänglichkeit durch mangelnde Bildung oder schlicht und einfach falsches Handeln sind unter der Rubrik „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ zusammengefasst.

Bei den Ursachen für Überschuldung auf Platz vier liegen mit 13 Prozent Krankheit und Sucht. In Werdohl waren nur sieben Prozent der Fälle durch Trennung oder Scheidung in die Überschuldung geraten. Fünf Prozent scheiterten an einer Immobilienfinanzierung, drei Prozent an einer beruflichen Selbstständigkeit.

Zehn Werdohler stecken ganz tief drin

40 Prozent der 151 Schuldner hatten einen bis fünf Gläubiger, das ist der häufigste Fall. Bis zu 20 Gläubiger sind auch keine Seltenheit, allerdings standen nur drei Fälle bei mehr als 50 Gläubigern in der Kreide. Etwa 30 Prozent hatten höchstens 5000 Euro Schulden, ein Viertel der Werdohler Schuldner hat Verbindlichkeiten zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Richtig tief drin stecken zehn Werdohler Fälle mit mehr als 100.000 Euro Schulden.

Platz Nummer eins der Schuldenart ist das Handy: 51 Prozent hatten damit ihre finanziellen Probleme. Auf Platz 2 mit 48 Prozent sind unbezahlte Warenlieferungen, auf Platz 3 Bankschulden, dicht gefolgt von nicht bezahlten Versicherungsbeiträgen.

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