Bilanz zum Jahreswechsel: Bürgermeisterin Silvia Voßloh im SV-Interview

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Bürgermeisterin Silvia Voßloh zieht im Gespräch mit der Redaktion Bilanz und blickt in die Zukunft.

Werdohl - Vor welchen Herausforderungen sieht Bürgermeisterin Silvia Voßloh die Stadt Werdohl im Jahr 2018? Welche Themen haben die Menschen bewegt, und wie bewertet das Stadtoberhaupt deren Entwicklung? 

Im Interview mit SV-Redakteurin Carla Witt zieht Silvia Voßloh Bilanz – und wagt einen Blick in die Zukunft.

Frau Voßloh, die Fertigstellung des Brüninghaus-Platzes war immer wieder Stadtgespräch in Werdohl. Wie bewerten Sie rückblickend die Baupanne – und, dass die Herstellung des Platzes so lange gedauert hat? 

Silvia Voßloh: Den Zeitraum zu beeinflussen war in diesem Verfahren sehr schwierig. Als sich herausgestellt hatte, dass Pflastersteine in Bewegung waren, musste zunächst ein Gutachten erstellt werden. Dann ging es um die Frage, ob es sich um Klein- oder Großpflaster handelt, damit entschieden werden konnte, welche Normen entscheidend sind. Dafür wurde ein weiteres Gutachten benötigt. Seitens der Politik wurde dann Rechtsbeistand gewünscht, und von diesem Zeitpunkt an war klar, dass es länger dauern wird. Es war nicht leicht, alle Gesprächspartner an einen Tisch zu bekommen, das hat mitunter Wochen gedauert. Allerdings mangelte es zu keinem Zeitpunkt an der Gesprächsbereitschaft der Beteiligten, alle wollten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommen. Ich hätte mir das sehr viel schneller gewünscht, bin aber froh, dass die Fertigstellung in Sicht ist. 

Wie bewerten Sie die Fusion der Gesamtschulstandorte Werdohl und Finnentrop? 

Voßloh: Ich sehe diese Entwicklung als sehr positiv an. Mein Wunsch war von Anfang an die Schullandschaft so zu erhalten, wie sie sich vor Ort zeigt, zumal es in Nachbarstädten gravierende Einschnitte gab. Eltern und Schüler sollten gemeinsam nach ihren Bedürfnissen entscheiden können, welche Schulform für sie die richtige ist. Ich bin froh, dass wir das gemeinsam mit der Politik auf den Weg bringen konnten. Die Schüler können an ihren jeweiligen Wohnorten beschult werden, und müssen keine langen Fahrtwege in Kauf nehmen. Ausnahmen kann es vielleicht in der Oberstufe geben, wenn es um den Besuch eines ganz bestimmten Kurses geht. Für alle Beteiligten ist diese Entwicklung sehr positiv. Ich gehe deshalb ganz fest davon aus, dass wir bei den Anmeldungen die Dreizügigkeit, die wir benötigen, auch erreichen werden. 

Stichwort Lenne-Gastronomie: Warum dauert es so lange, ein entsprechendes Angebot zu schaffen? 

Voßloh: Das sogenannte Gastro-Boot hat uns bestimmt ein Dreivierteljahr beschäftigt. Die Brauereien waren daran sehr interessiert, konnten sich das sehr gut vorstellen und es wurde auch von unserer Seite viel Vorarbeit geleistet. Doch dann hat sich die Brauerei plötzlich doch noch zurückgezogen. Daraufhin mussten wir praktisch von vorne anfangen. Entscheidend ist auch, dass ich als Bürgermeisterin nur vermitteln, aber nicht über Gelder verfügen kann. Eine Förderung für diesen Bereich können wir nicht mehr erhalten. Also sind wir darauf angewiesen, dass die Akteure zusammen und zu einem Ergebnis kommen. Es gab erneut Verhandlungen mit Interessenten, die haben aber leider noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Aber es sollte an der Zeit sein, dass wir das im kommenden Jahr hinbekommen. 

Das Thema Radwegeplanung begleitet die Werdohler jetzt schon seit vielen Jahren. Und auch hier hat man den Eindruck, dass es nicht weitergeht. 

Voßloh: Leider ist das auch kaum zu verstehen, da sich ja alle die Radwege wünschen. Eine Rolle dabei spielen Grundstücke, die nicht im Besitz der Stadt sind, aber für den Bau benötigt werden. Die Topografie stellt die Planer vor Herausforderungen, und es gibt immer wieder neue Ansätze, geplante Routen zu überprüfen. Besonders die Überplanung der Bereiche in Ütterlingsen und Dresel dauert länger. Zurzeit wird eine Machbarkeitsstudie erstellt. Leider kann ich keine zeitliche Prognose wagen, weil es auch in diesem Prozess zu viele Faktoren gibt, die ich als Bürgermeisterin nicht beeinflussen kann. Fest steht aber: Der Lückenschluss zwischen Werdohl und Plettenberg liegt mir zunächst besonders am Herzen. Würde dieser gelingen, hätten wir zumindestein durchgehendes Stück Lenne-Radweg. 

Die Ditib-Gemeinde plant eine Erweiterung ihrer Moschee an der Freiheitstraße mit Kuppel und stillem Minarett. Einige Werdohler haben Bedenken geäußert. Können Sie das verstehen? 

Voßloh: Natürlich kann ich die Bedenken der Bürger verstehen. Eine Moschee mit Kuppel und Minarett führt zu den Überlegungen, ob so etwas in unser Stadtbild passt. Aber auch in den Nachbarstädten kommen diese Wünsche der muslimischen Gemeinden auf. Es ist also nichts ungewöhnliches daran. Sehr positiv bewerte ich, dass die Ditib-Gemeinde das Gespräch gesucht hat. Der Vorstand war hier im Rathaus, wir haben uns über die Pläne und die gestalterischen Elemente unterhalten. Bei dieser Gelegenheit habe ich angeregt, einige Punkte noch einmal zu überlegen. Das haben die Gemeindevertreter zugesagt. Sie möchten auch Kontakt zur Kommunalpolitik aufnehmen. 

Wie stehen Sie persönlich zum Bau der Kuppel und des Minaretts? 

Voßloh: Ich bin eng mit dem christlichen Glauben verbunden. Auch – oder gerade deshalb – denke ich, dass man den Menschen die Möglichkeit, ihren Glauben in einem entsprechenden Gotteshaus zu leben, nicht verwehren sollte. 

Anfang des kommenden Jahres wird es keinen Jahresempfang mehr geben. Glauben Sie nicht, dass es wichtig ist, Entscheidungsträger im lockeren Rahmen an einen Tisch zu bringen? Muss eine solche Veranstaltung 10 000 Euro kosten? 

Voßloh: Ich bin dem Bürgerstammtisch sehr dankbar, dass er den Empfang ausgerichtet hat, nachdem das der Stadt nicht mehr möglich war. Und ich bedauere, dass er 2019 nicht mehr stattfindet. Allerdings gehört die Streichung des Empfangs zu den Maßnahmen des 69-Punkte-Katalogs im Rahmen des Sparpakets, das Politik und Verwaltung gemeinsam beschlossen haben. Wir können nicht einfach ausscheren. Dazu kommt, dass auch Personal im Rathaus eingespart wurde. Wir haben niemanden mehr hier, der sich um die Organisation kümmern könnte. Diese Aufgabe kann nicht nebenbei erledigt werden. 

Aber nach annähernd zehn Spar-Jahren neigt sich der Stärkungspakt ja langsam dem Ende zu. 

Voßloh: Genau. Dann würde der Empfang eine freiwillige Ausgabe, die man wieder leisten dürfte. Dann stellt sich allerdings die Frage, ob der Empfang in der früheren Größenordnung stattfinden muss. Und wir müssen eine personelle Lösung im Rathaus finden. 

Wenn wieder mehr Geld ausgegeben werden darf: Gibt es schon Überlegungen, in welche Bereiche investiert werden soll? 

Voßloh: Unser Ziel muss es zunächst sein, weiter Eigenkapital auf- und Kassenkredite abzubauen. Da haben wir noch einen ganz langen Weg vor uns. Auch wenn wir bald nicht mehr im Stärkungspakt sind, müssen wir ganz behutsam mit unseren Ideen und Wünschen umgehen. Und es ist ja nicht so, dass sich Werdohl nicht entwickelt hat. Dank der Förderprogramme konnten und können wir in vielen Bereichen investieren. Wir müssen weiterhin Schulden abbauen, denn ich möchte nicht daran denken, was passiert, wenn sich die Zinssituation ändert. 

Die Absage des Martinszuges durch das Stadtmarketing ist heftig kritisiert worden, und der Werdohler Weihnachtsmarkt könnte attraktiver sein. Man kann den Eindruck gewinnen, dass es seit der Umstrukturierung des Stadtmarketings holprig läuft. Was sagen Sie dazu? 

Voßloh: Die Absage des Martinsumzuges hatte eine sehr unglückliche Wirkung, obwohl es in vielen Werdohler Ortsteilen Umzüge gibt. Aber Dank des ehrenamtlichen Engagements der Werdohlerin Steffi Starbatty und des Unternehmers Heiko Zahn hat sich alles zum Positiven gewendet. Sie werden das auch 2019 dankenswerter Weise wieder übernehmen. Ich habe meine Hilfe zugesagt. Was den Weihnachtsmarkt angeht, müssen wir noch weiterdenken. Das Hüttendorf ist ein Muss, aber es gilt zu überlegen, wie die Innenstadt und andere Bereiche noch zusätzlich bespielt werden können. Da wird es 2019 auf jeden Fall Veränderungen geben. Sämtliche Veranstaltungen des Stadtmarketings sind auf den Prüfstand gestellt worden. Es geht einerseits um die Akzeptanz in der Bevölkerung und andererseits darum, Einsparpotential zu finden, um neue Dinge auf den Weg bringen zu können. 

Stichwort Ärzteversorgung: Sie engagieren sich enorm, um die Situation zu verbessern. 

Voßloh: Die Vernetzung, die ich seit gut zwei Jahren mit Ärzten und der kassenärztlicher Vereinigung aufgebaut hat, trägt langsam Früchte. Es gibt noch einen interessierten Arzt mit dem ich in Kotakt stehe. Für die Nachfolge von Dr. Rinke gibt es einen möglichen Nachfolger. Probleme bereitet da allerdings die Ärztekammer. Es ist gerade angesichts der Situation in Werdohl nicht nachvollziehbar, das Mediziner mehrere Monate auf einen Termin für ihre Facharztprüfung warten müssen. Aber ich bleibe am Ball. Und natürlich bin ich sehr glücklich darüber, dass sich 2019 eine neue Kinderärztin in der Stadt ansiedeln wird.

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