Rekordraser mit 195 km/h kommt ungeschoren davon

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Drei Monate lang stand der Blitzer-Anhänger zuletzt auf dem Höhenweg. Er überführte zwar einen nur relativ kleinen Anteil von Temposündern, förderte aber zum Teil erstaunliche Geschwindigkeitsrekorde zutage.

Werdohl/Lüdenscheid - Von Mitte März bis Mitte August, also rund fünf Monate lang, hat der Märkische Kreis auf dem Höhenweg zwischen Werdohl und Lüdenscheid mit einem mobilen Blitzeranhänger die Geschwindigkeit von Fahrzeugen kontrolliert. Eine Bilanz förderte jetzt zum Teil erstaunliche Ergebnisse zutage.

Seit dem Frühjahr 2018 geht der Märkische Kreis neue Wege in der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung. Der 120 000 Euro teure „Enforcement Trailer“, ein Anhänger mit eingebauter Radarfalle, war seinerzeit das erste Exemplar seiner Art in Südwestfalen.

Abwechselnd wurde der mobile Blitzer in Kierspe, Iserlohn und Herscheid aufgestellt, aber auch an der B 236 in Dresel und nicht zuletzt an der L655, dem Höhenweg zwischen Werdohl und Lüdenscheid.

14.000 Fahrzeuge am Tag

Dort, am Abzweig nach Neuenhaus, stand der Anhänger zuletzt vom 12. März bis 12. August. Auf Nachfrage der Redaktion hat der Märkische Kreis jetzt einmal ausgewertet, wie viele Fahrzeuge die Messstelle in diesem Zeitraum passiert haben – und wieviele davon zu schnell gefahren sind. Registriert hat das Messgerät in diesem Zeitraum rund 1,3 Millionen Fahrzeuge, woraus sich ein durchschnittliches Verkehrsaufkommen von etwa 14.000 Fahrzeugen pro Tag ergibt.

Geblitzt wurden allerdings nur 1670 Fahrzeuge, was einem Temposünder-Anteil von gerade einmal 0,13 Prozent entspricht. In Fahrtrichtung Werdohl war die Anzahl der Fahrzeuge, die zu schnell unterwegs waren, mit 0,16 Prozent geringfügig höher als in Fahrtrichtung Lüdenscheid (0,1 Prozent).

Die meisten Verstöße geringfügig

Die weitaus meisten Tempoüberschreitungen lagen im Bereich von maximal 10 km/h: 626 Fahrer bewegten sich in dieser Spanne, in der die Tempoüberschreitung noch mit 10 Euro geahndet wird. Doch es gab auch die Raser, die auf dem Streckenabschnitt, auf dem 70 km/h erlaubt sind, mit einer dreistelligen Zahl auf dem Tacho unterwegs waren.

35 solcher Autofahrer weist die Blitzer-Statistik aus, wobei der weitaus größte Teil, nämlich 27, in Richtung Werdohl unterwegs gewesen ist. Vermutlich hatten sie die recht übersichtliche Strecke aus Richtung Brunscheid, am Abzweig Eickenohl vorbei bis zur Senke bei Neuenhaus genutzt, um richtig Tempo aufzunehmen.

Jeden Tag einer deutlich zu schnell

„Es fällt auf, dass praktisch an jedem Tag ein Fahrzeug dabei ist, das deutlich zu schnell gefahren ist“, sagte Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, bei einem Blick auf die Zahlen.

Das ist aber alles nichts gegen einen Autofahrer, der den Blitzer-Anhänger am 14. Mai passiert hat: 157 km/h hatte der drauf, als die im Anhänger installierte Kamera ihn fotografiert hat. „Und der hatte sogar noch Kopfhörer auf“, wunderte sich Klein, nachdem er das Beweisfoto gesichtet hatte.

Spitzenreiter mit 195 km/h

Diese Tempoüberschreitung hat dem Autofahrer, der übrigens nicht aus dem Märkischen Kreis kam, neben einem Bußgeld von 600 Euro auch noch ein Fahrverbot von drei Monaten und zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei eingebracht.

Den Raser hat nur noch der Autofahrer übertroffen, der es fertig gebracht hat, sein Fahrzeug bei der Vorbeifahrt an dem Blitzer-Anhänger auf 195 km/h zu beschleunigen. „Der wurde zwar registriert, aber nicht geblitzt, weil er in die falsche Richtung unterwegs war“, berichtete Hendrik Klein. Die mobile Anlage kann nämlich die Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen zählen und messen, aber nur in eine Richtung fotografieren.

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