Immer wieder die Exfreundin bedroht

WERDOHL ▪ Der Mann gab alles: Er kletterte auf ein benachbartes Dach, um bei seiner Angebeteten ins Fenster schauen zu können, verfolgte sie in der Stadt, schickte ihr SMS-Nachrichten, und vor allem verstieß er 20 Mal gegen eine „vollstreckbare Anordnung“ des Amtsgerichts Altena, die ihm nach einigen Fällen von häuslicher Gewalt jegliche Kontaktaufnahme zu seiner ehemaligen Partnerin verboten hatte.

Gestern musste sich der 48-jährige Werdohler vor dem Amtsgericht nicht nur wegen dieser Verstöße, sondern auch wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verantworten. Neun Monate lang, von Februar bis September 2012, stellte der Liebeskranke seiner Exfreundin nach. Dabei drohte er ihr mehrfach, dass ihr und ihrem sechsjährigen Sohn etwas passieren werde, wenn sie die Anzeige bei der Polizei nicht zurücknehme.

Die gefährliche Körperverletzung ereignete sich im Februar, als der Angeklagte das Opfer so lange würgte, bis es ihm zusicherte, die Beziehung nicht zu beenden. Einige Monate später drohte er, es werde ihr und ihrer Familie schlecht gehen, wenn sie ihm kein Geld gebe. Immer wieder stellte er ihr in der Stadt nach, es kam zu einschüchternden Gesten wie der flachen halsabschneiderische Hand vor seinem Kehlkopf. Einmal stach er vor ihren Augen mit einem spitzen Gegenstand in einen Baum. Auch handfeste Schläge teilte der 48-Jährige aus.

Kein Wunder, dass die Frau nach bereits mehreren Anläufen zur strafrechtlichen Aufarbeitung dieser Taten gestern nicht im Gerichtssaal erschien. Doch durch das umfassende Geständnis des Angeklagten blieb ihr auch dauerhaft eine Aussage vor Gericht und eine Wiederbegegnung erspart. „Obwohl ich das nicht machen wollte, habe ich das gemacht“, argumentierte der Mann mit einer Art Besessenheit. Mittlerweile nehme er Antidepressiva und es gehe ihm erheblich besser.

Sein Geständnis und der Verzicht auf weitere Straftaten seit September ersparten ihm einen erneuten Gefängnisaufenthalt. Ein Jahr und acht Monate auf Bewährung lautete das Urteil, das alle Prozessbeteiligten sofort akzeptierten.

Richter Dirk Reckschmidt erteilte dem Angeklagten zudem die Auflage, weiterhin jede Kontaktaufnahme zur Ex-Partnerin zu unterlassen und 100 Sozialstunden abzuleisten.

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