Entscheidung vor dem Landgericht

Bewaffneter Überfall auf Werdohler Spielhalle: So lautet das Urteil

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Der Überfall auf diese Spielhalle in Werdohl im Februar 2018 wurde am Dienstag vor dem Landgericht in Hagen verhandelt.

Werdohl/Hagen - Fast ein Jahr nach dem bewaffneten Überfall auf eine Spielhalle in Werdohl hat das Gericht jetzt das Urteil gefällt.

In den Lauf einer Pistole blickte die Aufsicht einer Spielhalle in Werdohl in der Nacht auf den 8. Februar 2018. Geistesgegenwärtig ließ die 48-Jährige sich fallen, drückte einen Alarmknopf und teilte dies dem Täter auch mit.

Mit der Aufforderung „Scheine her!“ verfolgte der Räuber dennoch weiter sein Ziel und verließ mit etwa 400 Euro eilends den Tatort. Kurz darauf wurde er von der Polizei festgenommen. Das Geld kehrte in die Spielhalle zurück. 

Schon das vorläufige Ende der Geschichte deutet an, dass da kein Profi am Werk war. Im Landgericht Hagen, wo sich der 31-Jährige gestern wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten musste, saß ein 19-Jähriger neben ihm auf der Anklagebank, weil er die Tat unterstützt hatte. 

Den Komplizen per Textnachricht informiert

Gegen Mitternacht war der Jüngere in die Spielhalle gegangen und hatte dem Haupttäter über Textnachrichten mitgeteilt, dass außer der Aufsicht niemand mehr dort sei. Mit einer ungeladenen, vermutlich funktionsuntüchtigen und wohl nur mühsam zusammengehaltenen Softairpistole betrat der Ältere die Spielhalle, bedrohte die Aufsicht und floh, während der Jüngere nicht nur so tat, als sei er von dem Geschehen geschockt. „Ich habe mir die Hände vor das Gesicht gehalten. Ich hatte nicht geahnt, dass es so schlimm sein würde“, erklärte der 19-Jährige. 

Nach ihrem umfassenden Geständnis erklärten die beiden, wie es zu der Tat hatte kommen können. Der Ältere war vorübergehend arbeitslos und hatte Schulden von etwa 700 Euro – ein schlechtes Motiv für eine ziemlich dumme Tat. Beide Täter entschuldigten sich beim Opfer für vier Wochen Arbeitsunfähigkeit und einige durch die Tat ausgelöste Schreckmomente im weiteren täglichen Leben. Sie hatten Glück, dass die 48-Jährige mit dem Geschehen, das sie zunächst für einen Karnevalsscherz gehalten hatte, relativ robust umzugehen wusste. Nach anfänglichem Zögern hörte sie sich die Entschuldigungen der beiden Männer an und akzeptierte ein Schmerzensgeld. 

Eine "Mischung aus Verbrechen und Blödsinn"

Staatsanwalt Axel Nölle fand kraftvolle Worte für den dilettantischen Raubüberfall: „Das war eine Tat, die in ihrer Sinnlosigkeit ihresgleichen sucht – eine Mischung aus Verbrechen und Blödsinn.“ 

Die Strafkammer hielt dem 19-Jährigen, der aufgrund eines klaren Lebensplans eigentlich schon recht erwachsen wirkte, zugute, dass er sich von einem brüderlichen Freund hatte verleiten lassen. Seine Tat habe „doch noch etwas mit dem jugendlichen Wahnsinn zu tun, der junge Straftäter umtreibt“, begründete der Vorsitzende die Anwendung des Jugendstrafrechts. Und so kam der 19-Jährige mit einer Geldstrafe von 1000 Euro davon. 

Den Haupttäter verurteilte das Gericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Als Auflage muss er das versprochene Schmerzensgeld und 1000 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“ zahlen

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