Betrunken Slip im Kik gestohlen - Algerierin verurteilt 

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Werdohl - Weil sie beim Bekleidungsdiscounter Kik in Werdohl einen Slip für 2,99 Euro und drei Armbändchen im Wert von 1,99 Euro klauen wollte, verurteilte das Schöffengericht eine Algerierin zu einer Geldstrafe.

Ein Land, in dem man frei leben kann, habe sie gesucht, erklärte eine 42-jährige Algerierin ihren Umzug nach Deutschland. 

„In meiner Heimat hat man mich gezwungen, einen Schleier zu tragen.“ Ob derartige Traditionalismen auch noch in den großen Städten Algeriens durchweg verbindlich sind, wurde nicht geklärt im Amtsgericht Altena. Stattdessen aber die Grenzen der Freiheit in Deutschland: Weil sie beim Bekleidungsdiscounter Kik in Werdohl einen Slip für 2,99 Euro und drei Armbändchen im Wert von 1,99 Euro klauen wollte, verurteilte das Schöffengericht sie zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro. 

Die große Besetzung auf der Richterbank entsprach der Anklage: Die Staatsanwaltschaft warf der Frau einen räuberischen Diebstahl vor. Die Mindeststrafe eines solchen Verbrechens hätte bei einem Jahr Haft gelegen. Doch davon gingen nach der Beweisaufnahme weder der Staatsanwalt, noch die Richter aus. Die Angeklagte legte ein umfassendes Geständnis ab: „Ich gebe zu, dass ich geklaut habe, ich gebe auch zu, dass ich abhauen wollte. Ich hatte Angst, dass sie die Polizei holt.“ 

Verkäuferin wollte Diebin aufhalten

Eine 30-jährige Mitarbeiterin der Filiale habe sie „nicht berührt“. Das stimmte offenbar nicht so ganz: Die Verkäuferin hatte die Diebin aufhalten wollen und bekam bei der Rangelei deren Ellenbogen vor die Brust. „Sie wollte sich losreißen und weiterlaufen, und dabei traf sie mich“, erklärte die Zeugin und vermutete einen Reißverschluss als Grund für eine leichte Verletzung. Im Gerichtssaal zeigte sie sich bereit zur Versöhnung: „Ich habe kein Problem damit, die Entschuldigung (der Angeklagten) anzunehmen.“ 

Zur Freiheit in Deutschland gehört auch der leichte Zugang zu alkoholischen Getränken, der zu einem Blutalkoholgehalt von einem Promille bei der Angeklagten geführt hatte. Leicht enthemmt also war sie mit einem Bekannten zu Kik gegangen – der habe den rosa-schwarz-weißen Slip „ganz toll“ gefunden. Das Projekt „Diebstahl“, das der Angeklagten anschließend wohl exklusiv in den Sinn kam, zerschellte allerdings an den Eigentumsrechten von Kik und dem von einem Sicherungsetikett ausgelösten Alarm am Ausgang. 

Das Gericht sah keinen Anlass, die leichte Gewaltanwendung als Ausdruck einer „Beutesicherungsabsicht“ zu werten. Damit war der „räuberische Diebstahl“ vom Tisch. Richter Dirk Reckschmidt fasste den Grund für den Körpereinsatz zusammen: „Weil Sie den Ärger befürchtet haben, den Sie jetzt haben!“

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