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Dubiose Anrufe: Betrug mit Energiesorgen der Bürger? 

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Von: Christos Christogeros

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Wenn Unternehmen per Telefonanruf nach Kunden- und Stromzählerdaten fragen, ist zumindest Vorsicht geboten. Auch wenn die Polizei in diesem konkreten Fall (noch) nicht von Betrug spricht – ein „Geschmäckle“ haben die Anrufe, die angeblich im Auftrag der Energiebehörde geführt werden, aber schon.
Wenn Unternehmen per Telefonanruf nach Kunden- und Stromzählerdaten fragen, ist zumindest Vorsicht geboten. Auch wenn die Polizei in diesem konkreten Fall (noch) nicht von Betrug spricht – ein „Geschmäckle“ haben die Anrufe, die angeblich im Auftrag der Energiebehörde geführt werden, aber schon. © DPA/MONTAGE: CHRISTOGEROS

Seit Monaten warnt die Polizei vor betrügerischen Anrufen, in denen Bürger mit Schockanrufen zu unüberlegten Geldzahlungen bewegt werden sollen. Doch auch falsche Polizisten, Stadtwerker und Rechtsanwälte sind der Polizei bereits gemeldet worden. Die Masche variiert, das Ziel ist immer dasselbe: Unbescholtene Bürger um möglichst viel Geld bringen. Ob es sich beim Anruf, den der Werdohler Harald Rösner erhalten hat, auch um einen Betrugsversuch handelt, ist nicht ganz klar. Ein „Geschmäckle“ hat der Anruf aber auf jeden Fall – auch für die Kreispolizeibehörde.

Werdohl – Die Sorge der Bürger vor steigenden Energiepreisen scheint dabei eine neue Masche zu sein, um per Telefon an die sensiblen Kundendaten zu gelangen. „In den Mittagsstunden klingelte das Haustelefon und am anderen Ende des Apparats war eine Frau, die sich als Mitarbeiterin des Unternehmens Turbovergleich ausgab, das angeblich von der Energiebehörde beauftragt worden ist“, erklärt Rösner. Der Werdohler ist offensichtlich bereits sensibilisiert für diese betrügerischen Anrufe und recherchierte direkt die in seinem Display angegebene Telefonnummer.

„Es handelte sich um einen Berliner Anschluss, von dem aus die Daten meines Stromanbieters beziehungsweise die der Zählernummer erfragt werden sollten“, sagt Rösner. Als er den Grund für diese Anfrage wissen wollte, sollte er mit einer Förderung gelockt werden. „Diese Auskünfte seien notwendig, um überhaupt in den Genuss der vom Bund beschlossenen Strompreisbremse zu kommen. Die Energieversorger könnten ihre künftigen, vergünstigten Tarife nur mit Hilfe dieser Daten berechnen“, sagt Rösner. „Letztendlich würden Rentner auch nur die 300 Euro Energiepauschale erhalten, wenn sie diese Daten übermitteln.“

Auflegen bei kritischen Nachfragen

Nachfragen, warum Rösner in dieser Hinsicht telefonisch und nicht schriftlich kontaktiert werde, seien unbeantwortet geblieben. „Des Weiteren legte die Anruferin ohne weitere Ausführung auf. Ein Rückruf meinerseits an besagte Telefonnummer wurde dort angenommen – und ich sofort mit meinem Namen angesprochen“, erklärt Rösner. Als er jedoch nach dem Grund des vorherigen Anrufs beziehungsweise nach der Zuständigkeit fragte, sei das Telefonat wieder abgebrochen worden.

Die Redaktion versuchte es ebenfalls – und rief unter der von Rösner angegebenen Nummer an. Beim ersten Versuch hob noch eine freundliche Frauenstimme den Hörer ab. Irritierend: Im Hintergrund waren Geräusche zu hören, wie man sie aus einem metallverarbeitenden Betrieb kennt. Nachdem wir uns als Zeitung zu erkennen gegeben haben und nach dem Namen des Unternehmens fragen sowie um eine Durchwahl zur Geschäftsführung bitten, um sie mit Fragen konfrontieren zu können, wird der Ton schon rauer. „Ihre Nummer steht überhaupt nicht in meinem System“, war die einzige brauchbare Antwort in der Folge. Fragen zum Geschäftsmodell und den -praktiken könne nur die Geschäftsführung beantworten. Auf die Bitte hin, uns den Namen des Unternehmens, mit dem wir verbunden sind, zu nennen und uns mit der Geschäftsleitung zu verbinden erfolgt eine prompte Reaktion – es wird aufgelegt.

Auch weitere Versuche vonseiten der Redaktion, mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten scheitern: Einmal wird abgenommen und der Hörer daneben gelegt, ein weiteres Mal wird gar nicht erst abgehoben.

Schmaler Grat zwischen Verkauf und Betrug

Sicher, das alles hat ein „Geschmäckle“ – doch handelt es sich auch um einen Betrugsversuch? „Der Grad zwischen Verkaufen und Betrügen ist manchmal sehr schmal“, heißt es auf Nachfrage aus der Kreispolizeibehörde MK. Aggressive Werbung sei zwar nervig, aber nicht illegal.

In diesem Fall würde die Polizei jedoch zur Vorsicht raten: „Es wirkt alles andere als seriös, wenn ein Unternehmen teilweise sensible Daten am Telefon erfragt“. Man würde vonseiten der Polizei nicht unbedingt von einem Betrugsversuch sprechen, aber die Geschichte klinge doch sehr dubios.

Doch was könnten Betrüger mit der Zählernummer und den Kundendaten Rösners überhaupt anfangen. Prinzipiell, so hieß es von der Kreispolizeibehörde, könnte so ein neuer Stromvertrag im Namen des Betrogenen geschlossen werden. Der Strom würde dann an die Adresse des Betrügers geliefert, die Rechnung ginge aber weiter an das Opfer. „Generell sollte man bei solchen Telefon-Geschichten vorsichtig sein“, heißt es von der Kreispolizeibehörde. Persönliche Daten sollten niemals am Telefon herausgegeben werden. Insofern hat Harald Rösner genau richtig gehandelt.

Bei der Recherche nach der Berliner Telefonnummer im Internet erscheint kein Hinweis auf ein Unternehmen. Dafür listet die Suchmaschine aber zahlreiche Kundenbewertungsseiten auf, die natürlich immer mit Vorsicht genossen werden sollten. Allerdings bestätigen hier viele Nutzer die Erfahrungen Rösners und erzählen zum Teil die gleiche Geschichte. Nicht wenige warnen vor Betrug.

„Ich bin der Auffassung, dass die Leser vor solchen dubiosen Anrufen, die auf Betrug und Erschleichen sensibler Daten und Auskünfte abzielen, gewarnt werden müssen“, sagt Rösner.

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