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Betrugsversuch bei Hausarzt im MK: Impfstoff ins Leere spritzen

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Von: Maximilian Birke

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Corona-Impfung
Eine Impfung gegen das Coronavirus wird vorbereitet. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

„Wir machen so etwas nicht! Und sollte sich jemand von meinem Team dazu verleiten lassen, würde ich es zur Anzeige bringen“, sagt Dr. Hussein Al Shami. Der Hausarzt aus Werdohl positioniert sich damit klar zu einem merkwürdigen Vorfall, den es jüngst in seiner Praxis gab.

Werdohl – Wie der Mediziner berichtet, sei ein Ehepaar aus Plettenberg zu ihm gekommen, um sich zur Corona-Schutzimpfung beraten zu lassen. „Es hatte mich schon gewundert, dass jemand dafür aus Plettenberg extra nach Werdohl kommt.“

Offenbar gab es dafür einen bestimmten Grund, wie Al Shami feststellen sollte: Während des Gespräches unter sechs Augen fragten die Plettenberger den Arzt offen, ob er den Impfstoff nicht ins Leere spritzen, ihnen dann aber den Impfnachweis ausstellen könne. „Ich habe mich darüber nicht geärgert, ich habe innerlich geschmunzelt“, sagt Al Shami.

Gleichwohl sei er nicht begeistert, dass er und ein weiterer Arztkollege aus Werdohl in dieser Weise verleumdet würden. Denn das Ehepaar aus Plettenberg hatte wohl von jemandem die Information erhalten, dass es in der Praxis von Al Shami derartige Impfpraktiken gebe.

Dr. Hussein Al Shami in seiner Praxis in Werdohl.
Dr. Hussein Al Shami in seiner Praxis in Werdohl. © Volker Heyn

Dagegen wehrt sich der Hausarzt entschieden. Er und sein Team stellten Impfnachweise nur dann aus, wenn die Impfung auch tatsächlich erfolgt sei, unterstreicht er. Tatsächlich habe es einen Vorfall wie den mit dem Ehepaar aus Plettenberg in der Vergangenheit schon einmal gegeben.

Nicht immer werde er persönlich angesprochen, sondern manchmal die Mitarbeiterinnen. Unterm Strich seien diese Anfragen Einzelfälle, sagt Al Shami. Er nehme allerdings wahr, dass einige Patienten weniger Interesse an dem Impfschutz haben, als vielmehr an einem Leben mit weniger Einschränkungen.

„Nicht alle, die sich nicht impfen lassen wollen, sind Querdenker“, betont der Mediziner zudem. Es gebe Patienten, „die wirklich Angst vor der Impfung haben“, weil sie Fehlinformationen zu Nebenwirkungen glauben, die vor allem in sozialen Medien verbreitet werden.

Mehrere Straftatbestände erfüllt

Wie Lorenz Schlotmann, Sprecher der Kreispolizeibehörde, auf Anfrage erklärt, würde das „Impfen ins Leere“ gleich mehrere Straftatbestände erfüllen. Einerseits handele es sich nach Paragraf 278 um die Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe. Rechnet der Arzt die nicht verabreichte Impfung über die Krankenkasse ab, ist zudem der Straftatbestand des Betrugs erfüllt. Ob der Arzt seine Approbation verliert, darüber entscheidet nicht die Polizei, sondern die zuständige Ärztekammer.

Aber auch Bürger, die Unwahrheiten über einen Arzt verbreiten, machen sich strafbar. Sie machen sich der Üblen Nachrede oder der Verleumdung schuldig. Darauf stehen Freiheitsstrafen von zwei beziehungsweise von fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Wer eine falsche Information wissentlich verbreitet, macht sich der Verleumdung schuldig. Ist er unsicher, ob die Information richtig oder falsch ist, handelt es sich um Üble Nachrede, erklärt Schlotmann.

Die Patienten säßen dann teilweise zitternd in der Praxis. Im Gespräch versuche der Mediziner, sie aufzuklären, sagt er. „Ich weise in solchen Fällen auch darauf hin, dass bislang niemand gezwungen ist, sich impfen zu lassen, sondern dann lediglich andere Regeln beachten muss.“

Gute Wirkung der Impfstoffe

Der Mediziner selbst hält die Impfung für sinnvoll, gerade vor dem Hintergrund der neuen Virusmutation Omikron. Diese sei fünfmal infektiöser als die Delta-Variante, erklärt er. Eine Booster-Impfung sei daher absolut sinnvoll, um möglichst viele Antikörper zur Verfügung zu haben.

„Omikron bekämpfen wir nur, indem wir jetzt boostern“, so der Hausarzt. Er stelle allgemein eine hohe Wirksamkeit der Impfungen fest. Zwar gebe es in seiner Praxis drei bis vier Patienten mit Impfdurchbrüchen nach dem Booster, „aber keiner von ihnen hat schwere Covid-Symptome“.

Nachgewiesen werden die Infektionen mit einem PCR-Test. Die mache Al Shami momentan häufig, weil viele Patienten mit grippeähnlichen Symptomen zu ihm kommen. „Ich habe das Gefühl, dabei gibt es im Augenblick gar keine Typisierung mehr“, sagt er. Gerade die würde er sich aber wünschen, um feststellen zu können, ob es sich bei einem positiven Test um die Omikron-Variante handelt.

In den beiden kreiseigenen Laboren Wahl und Eurofins würde derzeit bei jedem PCR-Test eine Typisierung durchgeführt, betont Kreissprecher Alexander Bange. Eine Infektion mit Omikron soll dadurch möglichst früh erkannt und Maßnahmen ergriffen werden. Al Shami denkt nun über einen Wechsel zu einem der Labore nach.

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