Corona-Ausbruch in Werdohl

Wichernhaus: Altenheim-Besucherin ist infiziert

Im Wichernhaus Werdohl, einer Altenpflegeeinrichtung der Perthes-Stiftung, ist es vor einer Woche zu einem Massenausbruch von Corona gekommen. Den Bewohnern des Hauses geht es gut, eine Besucherin bleibt bei ihren Vorwürfen, das Haus habe sich nicht an Hygienevorschriften gehalten.
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Im Wichernhaus Werdohl, einer Altenpflegeeinrichtung der Perthes-Stiftung, ist es vor einer Woche zu einem Massenausbruch von Corona gekommen. Den Bewohnern des Hauses geht es gut, eine Besucherin bleibt bei ihren Vorwürfen, das Haus habe sich nicht an Hygienevorschriften gehalten.

Nach einem Corona-Massenausbruch in einem Pflegeheim in Werdohl hat eine Besucherin Vorwürfe gegen die Einrichtung erhoben. Jetzt wurde die Frau selbst positiv auf das Coronavirus getestet.

Werdohl - Die 52-jährige Plettenbergerin, die am Sonntag, 22. November einen Bekannten im Werdohler Wichernhaus besucht hatte, ist jetzt selbst positiv auf Corona getestet. Die Frau erhebt weiterhin Vorwürfe in Richtung der Einrichtungsleitung, sie sei über die Risiken ihres Besuchs nicht aufgeklärt worden. Die Perthes-Stiftung kann allerdings nachweisen, dass die Besucherin unterschrieben hatte, eine Einweisung in die Hygienemaßnahmen erhalten zu haben. Sie war vermutlich schon am Tag ihres Besuchs infiziert. Zu den Vorwürfen äußerte sich Ralf Lohscheller, Leiter des Geschäftsbereichs Süd der Perthes-Stiftung, die das Wichernhaus betreibt. Er gab seinem Bedauern Ausdruck, dass die Besucherin mit Covid-19 infiziert ist. „Ein Verschulden oder Fehlverhalten unsererseits kann ich allerdings nicht erkennen“, so Lohscheller.

Die 52-Jährige hatte der Hausleitung vorgeworfen, vor ihrem Besuch nicht über positiv ausgefallene Schnelltests informiert worden zu sein. Sie will bei ihrem Besuch am Sonntag, 22. November, den 89-jährigen Mann mit Fieber und Symptomen ohne Maske im Rollstuhl sitzend angetroffen haben. Beim Einlass in das Haus habe sie nichts unterschrieben. Weil sie mit dem später als positiv getesteten Mann unabsichtlich in körperliche Berührung gekommen sei, habe sie sich möglicherweise angesteckt. Außerdem sagte sie gegenüber der Redaktion, dass sie zwei Schwestern beobachtet habe, die lediglich selbst genähte Alltagsmasken getragen hätten. Danach habe sie sich aus eigener Initiative in Quarantäne begeben, sich testen lassen und es läge jetzt ein positives Ergebnis vor.

Eingeschaltet hat sich auch die gesetzliche Betreuerin des 89-Jährigen, der seit einer Woche im Klinikum Lüdenscheid behandelt wird. Zur Klärung des Gesundheitsstatus des Mannes hat sie die Dokumentation aus dem Wichernhaus angefordert. „Mir geht es darum zu klären, was dort eigentlich abgelaufen ist.“

Ralf Lohscheller hat diese Dokumentation bereits eingesehen: „Als die Besucherin am 22. November im Haus war, hatten wir keinen Hinweis darauf, dass der 89-jährige Bewohner infiziert sein könnte.“ Auch der Bereich, in dem sich der Mann zum Zeitpunkt des Besuchs aufhielt, sei zu dem Zeitpunkt nicht von Corona betroffen gewesen.

Unterschrift nach Zugangsregistrierung liegt vor

Die Besucherin habe – wie alle anderen Besucher an dem Tag auch – eine Einweisung in die Hygienemaßnahmen erhalten. Diese Zugangsregistrierung habe die Frau auch unterschrieben, jedenfalls gibt es auf der Liste eine Unterschrift mit ihrem Namen. Die Besucherin habe ebenfalls eine medizinische Mund-Nase-Bedeckung vom Haus erhalten. Ihr Besuch im Haus sei für die Zeit von 15.30 bis 17 Uhr dokumentiert. Lohscheller: „Von uns aus ist das formal richtig abgelaufen.“ Der Vorwurf, die beiden Schwestern hätten lediglich Alltagsmasken getragen, träfe nicht zu. Lohscheller erklärte, dass eine Schwester eine FFP2-Schutzmaske und die andere eine OP-Maske getragen habe. Das hätten Befragungen ergeben. Man nehme die Vorwürfe der Besucherin ernst und wolle die Situation so weit wie möglich aufklären.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vorher angesteckt

Dass der kurz nach dem Besuch im Wichernhaus veranlasste Corona-Test der Besucherin positiv war, deute eher darauf hin, dass die Frau schon vorher infiziert gewesen sein dürfte. Ein positiver Nachweis unmittelbar nach einer Infektion widerspreche den Erfahrungen. Die Infektion brauche ein paar Tage, um nachweisbar zu sein. Lohscheller: „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Besucherin bei uns im Haus infiziert hat, ist äußerst gering.“ Er geht noch etwas weiter, nicht ohne noch einmal sein Bedauern auszudrücken: „Vielleicht war sie schon positiv, als sie am Sonntag bei uns im Haus war. Unter Umständen wird sie Post vom Gesundheitsamt bekommen, damit ihre Kontakte nachverfolgt werden können.“

Perthes-Stiftung will die Angelegenheit nicht bewerten

Lohscheller zeigte Verständnis für die emotional aufgeladene Situation der Besucherin: „Ich möchte nicht, dass sie denkt, sie würde als Lügnerin dargestellt. Ich möchte die Angelegenheit nicht bewerten.“ Für die Mitarbeitenden im Haus und für die Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde sagte er: „Ich denke, dass alle Beteiligten ihr Bestes versuchen, die Sache im Griff zu halten.“ Der gesetzlichen Betreuerin vom evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg werde die Dokumentation des Mannes zugesandt.

Allen derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohnern im Hause gehe es gut, eine Person habe leichte Temperatur. Ein positiv getesteter Bewohner ist im Klinikum verstorben. Der Mann sei bei der Einweisung schon in einer palliativen Phase gewesen, hat sich Lohscheller von Einrichtungsleiterin Medenbach sagen lassen.

Allen Bewohnern im Wichernhaus geht es gut

Fünf der 31 positiv getesteten Bewohner waren vergangene Woche ins Klinikum verlegt worden. Eine Bewohnerin des Hauses werde bald versterben, es sähe aber nicht so aus, dass das etwas mit Corona zu tun habe.

Das Gesundheitsamt hatte für das Wichernhaus ein Besuchsverbot verhängt. Wie zukünftige Besuchsregelungen aussähen, könne man im Moment nicht sagen. In Abstimmung mit der Behörde werde es wohl in der kommenden Woche wieder eine Reihentestung geben. Bis dahin würden bei Symptomen von Bewohnern oder Mitarbeitenden mit Schnelltests Kontrollen durchgeführt.

Die 52-jährige Plettenbergerin bleibt hartnäckig bei ihren Vorwürfen: „Ich habe nichts unterschrieben, ich möchte die Liste sehen.“ Sie sei „verzweifelt und enttäuscht“ und befinde sich mit leichten Symptomen in häuslicher Quarantäne.

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