Bestes Wasser seit mehr als 75 Jahren

Die beiden Gesellschafter kosten gerne das Wasser im Hochbehälter am Kettling. Rainer Niggemann und Werner Schade kümmern sich um alle Belange der Wassergenossenschaft. „Wir sind Unruheständler“, sagen beide selbstbewusst.

WERDOHL ▪ Die Wiese schmatzt beim Auftreten. Nebel hängt trüb im bewaldeten Hang über dem Kettling. „Genau so kann es sein“, sagt Werner Schade, und man meint, er höre das unterirdische Rauschen des Wassers schon im Quellgebiet ganz oben an der Kettenbecke. Idylisch ist es auf der Wiese unter der die Rohre das Quellwasser aufnehmen und zum Hochbehälter transportieren.

Zusammen mit Rainer Niggemann und Udo Wilmes bildet Schade das Gesellschafter-Trio der Kettlinger Wassergenossenschaft. Seit 1937 werden die Anwohner des kleinen Werdohler Ortsteils mit dem kristallklaren Nass aus zwei Quellen versorgt.

Das ist für die Kettlinger eine günstige Angelegenheit, vergleicht man ihren Kubikmeterpreis mit dem der Werdohler Stadtwerke. 1,30 Euro bezahlten die Anwohner der Kettenbecke noch bis im vergangenen Jahr. Zum Januar 2012 wurde dieser Preis von den Gesellschaftern auf 1,50 Euro erhöht. „Der sinkende Wasserverbrauch und Preissteigerungen bei der Instandhaltung haben uns dazu gezwungen“, erklärte Werner Schade. Trotzdem liegt der Kettlinger Wasserpreis noch immer 70 Cent unter dem der Stadtwerke.

Die Qualität des Wassers ist seit 1937 hervorragend. Damals wollte die Stadt die wenigen Häuser in Kettling nicht an ihr Leitungsnetz anschließen. Also bauten die Anwohner einen eigenen Zwölf-Kubikmeter-Hochbehälter, der das Wasser der Bieke-Quelle aufnahm.

„Wir müssen nicht chloren“, betont Rainer Niggemann und erklärt die Eigenschaft eines blanken Stahlrohres im größeren der zwei Hochbehälter an der Kettenbecke: „Das ist eine UV-Anlage. Das UV-Licht bestrahlt das Quellwasser und desinfiziert es. Das ist also keimtötend.“ Dabei gibt es die Anlage nur wegen einer Auflage. Denn das Wasser aus der Quelle „Unterm Baum“ ist sehr rein. Dies wird monatlich vom Hygieneinstitut Gelsenkirchen und alle zwei Jahre außerdem von der Unteren Wasserbehörde geprüft. „Härtegrad 1“, sagte Werner Schade nicht ohne Stolz. Da freuen sich Waschmaschinen, Kaffeemaschinen oder Wasserkocher. Nur wenig Kalk bleibt hängen.

Mit acht bar Druck kommt es unten im Industriegebiet an. „Pumpen brauchen wir nicht. Das kommt allein durch das Gefälle“, erklärt Werner Schade. Auch die Ergiebigkeit der Quellen ist einmalig. „Der trockene Herbst war für uns kein Problem“, so Schade, der hinzufügt, dass am Tag etwa 55 Kubikmeter gebraucht würden. „Früher waren es mal mehr als 90“, ergänzte sein Kollege Rainer Niggemann. Auch diese Mengen waren gut zu bewältigen. Seit 1959 liegt 80 Höhenmeter höher der neuere der beiden Hochbehälter. Er fasst allein 70 Kubikmeter.

„Wir kümmern uns hier um alles“, sagen die beiden 65-jährigen „Unruheständler“, die sich regelmäßig fortbilden. „Und das machen wir noch bis wir 100 Jahre alt sind“, blickt Werner Schade augenzwinkernd in die Zukunft.

David Schröder

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