Vorwurf: Rettungsweg blockiert

Knöllchen am Leichenwagen

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„Hier habe ich während der Beerdigung geparkt“, erklärt Bestattungsunternehmer Andreas Martin.

Werdohl - „Bei dieser Sache geht es um Pietät. Dass ich im Grunde falsch gehandelt habe, ist mir bewusst“, stellt Andreas Martin fest. Der Inhaber eines Beerdigungsinstitutes in Altena ärgert sich über ein Knöllchen in Höhe von 15 Euro, das ihm zwei Streifenbeamte während einer Beerdigung auf dem katholischen Friedhof an den Leichenwagen gehängt hatten.

Am 8. Juni hatte der Altenaer in der Mittagszeit an der Straße An der Hartmecke im Halteverbot geparkt – und dabei nach eigenen Angaben den Gehweg komplett blockiert. „Ich weiß, dass ich mit dem Leichenwagen keine Sonderrechte habe, aber es gab keine andere Parkmöglichkeit“, sagt Andreas Martin. Sehr viele Angehörige und Freunde des Verstorbenen seien mit dem Auto zum Friedhof gekommen – und hätten dort bereits sämtliche Parkplätze besetzt. Auch die Zufahrt auf den Friedhof sei für ihn nicht möglich gewesen unterstreicht Martin, und erklärt: „Ich kann den Sarg schließlich nicht kilometerweit die abschüssige Straße hinuntertransportieren.“

Als er den Strafzettel entdeckte, sei er fassungslos gewesen. „Das habe ich noch nie erlebt.“ Dann habe er Kontakt zu dem entsprechenden Polizeibeamten aufgenommen, um für Verständnis für seine Situation zu werben – allerdings ohne Erfolg: „Der Polizist hat gesagt, dass ich froh sein könnte, dass das Ordnungsamt nicht vor Ort war. Er sagte ,die hätten ihnen die Karre abgeschleppt’“, berichtet der Bestatter. Schließlich habe der Leichenwagen nicht nur den Gehweg blockiert, sondern auch die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge unmöglich gemacht.

Andreas Martin ist überzeugt, dass das nicht stimmt. Deshalb ist er erneut zur Hartmecke gefahren – um mit einem Zollstock nachzumessen. „Ich habe genauso geparkt, wie am 8. Juni – und auf der Straße sind jetzt noch 3,70 Meter Platz. Da kommt die Feuerwehr durch“, stellte er mit Blick auf die Mess-Skala fest. Der Bestattungsunternehmer unterstreicht: „Es geht mir nicht um die 15 Euro, die ich zahlen soll, es geht um den Respekt vor den Toten, der in der heutigen Zeit stetig abnimmt.“ Der Altenaer glaubt, dass die Polizei in diesem Fall übers Ziel hinausgeschossen sei.

Polizeipresse-Sprecher Marcel Dilling sieht das ganz anders. Nach Rücksprache mit den Werdohler Polizeibeamten berichtete er: „Die Kollegen kamen gerade dort vorbei, als eine ältere Dame, die nicht mehr so gut zu Fuß, auf dem Gehweg unterwegs war.“ Die Seniorin habe sich kaum an dem Leichenwagen, der den Gehweg blockierte, vorbei auf die Straße getraut. „Die Streifenbeamten haben der Dame dann geholfen“, erklärt Dilling.

Zudem habe der Bestatter so ungünstig geparkt, „dass der Rettungsweg definitiv nicht mehr genutzt werden konnte“, wie Dilling erläutert. Er sagte: „Natürlich hat jeder Beamten einen Ermessensspielraum. Die Kollegen müssen nicht zwingend tätig werden, sie können aber auch alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen.“ Im Fall des falsch geparkten Leichenwagens hätten die Beamten aber schon mehr als ein Auge zugedrückt – und nur das Parken im Halteverbot geahndet. „Für das Blockieren eines Rettungsweges gibt es normalerweise einen Punkt in Flensburg. Außerdem werden 60 Euro plus Verwaltungsgebühren fällig. Da ist man 90 Euro los,“ stellt der Polizeisprecher fest.

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