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Besonderes Brückenprojekt soll Chance auf guten Schulstart erhöhen

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Von: Maximilian Birke

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Hatice Aksoy und Seda Karakilic mit einigen ihrer Schützlinge, die zumindest bisher keinen Kita-Platz haben. Die engagierten Werdohlerinnen leisten Basisarbeit, sorgen zum Beispiel dafür, dass die Kinder eine Weile ruhig sitzen und einen Stift halten können.
Hatice Aksoy und Seda Karakilic mit einigen ihrer Schützlinge, die zumindest bisher keinen Kita-Platz haben. Die engagierten Werdohlerinnen leisten Basisarbeit, sorgen zum Beispiel dafür, dass die Kinder eine Weile ruhig sitzen und einen Stift halten können. © Carla Witt

Die Schützlinge von Seda Karakilic und Hatice Aksoy kommen aus der Ukraine, Bulgarien, Albanien, Afrika und der Türkei. Die engagierten Frauen sind sozusagen der Motor des Brückenprojekts, das in einem Raum neben der Turnhalle auf der Königsburg stattfindet. Im Mittelpunkt stehen Mädchen und Jungen ohne Kita-Platz – aber mit Sprachförderbedarf.

Werdohl – Spiele und bunte Stempel stehen auf dem großen Tisch, an dem die drei Mädchen sitzen und völlig in ihrer Beschäftigung mit diesen Dingen versunken sind. Der Raum neben der Turnhalle der Grundschule Königsburg ist adventlich dekoriert, die Atmosphäre ist entspannt, es ist angenehm ruhig. Für die Arbeit von Seda Karakilic und Hatice Aksoy spielt dieses Umfeld eine wichtige Rolle.

Die beiden Werdohlerinnen betreuen Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und sechs Jahren im Rahmen eines Brückenprojekts. Es ist auf Kinder zugeschnitten, die keinen Platz in einer Kindertageseinrichtung haben, bei denen im Rahmen des Delfin-4-Tests aber Sprachförderbedarf festgestellt wurde.

Der Startschuss für dieses Projekt fiel im Dezember des vergangenen Jahres. „Wir haben mit drei Kindern angefangen. Im Sommer waren es neun. Nach den Ferien sind zwei Kinder in die Schule gewechselt“, erzählt Hatice Aksoy. Maximal zehn Kinder könnten betreut werden.

An jedem Wochentag zwischen 8.15 und 10.15 Uhr gehe es darum, die Basis für die Einschulung zu legen. „Wir machen das, was auch in der Kita auf dem Programm stehen würden“, unterstreicht Hatice Aksoy: Die Mädchen und Jungen lernen Farben, Zahlen und Buchstaben kennen.

Sie üben, wie man einen Stift richtig in der Hand hält, singen und spielen miteinander. Ein gemeinsames Frühstück mit Obst und Gemüse, um das sich die beiden Frauen kümmern, ist ebenfalls fester Bestandteil der morgendlichen Lerntreffen.

„Das größte Problem ist die Sprache“, berichten Karakilic und Aksoy. Beide sprechen perfekt Deutsch und beherrschen die türkische Sprache. Letztere komme aber nur im Notfall zum Einsatz. „Wir sprechen mit den Kindern deutsch. Zumal wir so viele Nationalitäten hier haben“, sagt Sedan Karakilic. Die Schützlinge der Frauen kommen aus der Ukraine, Bulgarien, Albanien, Afrika sowie der Türkei.

Allerdings, so berichten die Frauen – beide sind Mütter von jeweils zwei Kindern im Grundschulalter und haben für das Projekt eine Fortbildungsmaßnahme besucht – sei die Sprache nicht das einzige Problem.

„Manche Kinder konnten am Anfang nicht einmal ruhig am Tisch sitzen“, erinnern sie sich, dass es auch um Verhaltensgrundlagen geht, die für den Schulbesuch unerlässlich sind. Dementsprechend sei auch das soziale Lernen ganz wichtig: Die Mädchen und Jungen erfahren im Rahmen des Projekts, wie sie ihren Platz in einer Gruppe finden können.

Nina Manns, die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule, weiß aus Erfahrung, wie wertvoll die Arbeit der beiden Werdohlerinnen ist: „Ich sehe eines der Kinder, die am Brückenprojekt teilgenommen haben, täglich in der Schule. Es ist sagenhaft, wie dieses Kind sich entwickelt hat.“

Sie spricht Seda Karakilic und Hatice Aksoy ein großes Lob aus: „Beide zeigen enormen Einsatz und leisten viel mehr, als die Projektarbeit vorsieht.“ So sei es für die Werdohlerinnen selbstverständlich, die gesamte Entwicklung der Kinder im Auge zu behalten, beispielsweise wenn es um logopädische Förderung gehe. „Und sie kümmern sich auch um die Eltern“, unterstreicht Nina Manns.

Jetzt, in der kalten Jahreszeit, könne man den Eltern der Kinder – viele hätten kein Auto – das Warten im Freien nicht mehr zumuten. „Sie sitzen nun im Vorraum, werden mit Kaffee oder Tee versorgt.“ Ein Dauerzustand könne das aber nicht werden: Wenn möglich, soll in Kooperation mit der Awo ein kleines Elterncafé organisiert werden, damit auch die Erwachsenen Gelegenheit bekommen, ihre Deutschkenntnisse in Ruhe zu verbessern.

Das Brückenprojekt auf der Königsburg wird aus städtischen Mitteln finanziert. „Bis Juli 2023 ist die Finanzierung gesichert“, sagt Nina Manns. Ebenso wie alle anderen Werdohler Grundschulleiterinnen wünscht sie sich auch darüber hinaus eine Fortsetzung des Projektes. „Und wenn möglich auch eine Ausweitung.“

Denn dann, so unterstreicht Manns, hätten noch viel mehr Mädchen und Jungen ohne Kita-Platz die Chance auf einen guten Schulstart: „Viele Eltern sind nicht mobil. Sie haben große Schwierigkeiten, zur Königsburg zu kommen. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn es weitere Projektstandorte geben würde.“

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