Besondere Aktion in Werdohl

Verkauf von Bildern soll Neubau einer Schule in Bangladesch finanzieren

In Tantar im Osten von Bangladesch lernen etwa 250 Schüler in einer Schule aus Wellblech. Die Ausstattung ist spartanisch, doch die Kinder sind glücklich, denn dank ihrer Schulausbildung haben sie in einem der ärmsten Länder der Welt wenigstens eine Chance.
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In Tantar im Osten von Bangladesch lernen etwa 250 Schüler in einer Schule aus Wellblech. Die Ausstattung ist spartanisch, doch die Kinder sind glücklich, denn dank ihrer Schulausbildung haben sie in einem der ärmsten Länder der Welt wenigstens eine Chance.

Der Iserlohner Verein Udoy, in dem vor allem Werdohler die Fäden ziehen, engagiert sich seit 21 Jahren für humanitäre Projekte in Bangladesch. Jetzt hat sich der Verein ein besonders großes Projekt vorgenommen und will dafür auf die Unterstützung eins längst verstorbenen Werdohler Künstlers zurückgreifen.

Mit der Übersetzung von Begriffen der bengalischen Sprache ins Deutsche ist das so eine Sache: Weil beide Sprachen überhaupt nicht miteinander verwandt sind, lässt sich für ein bengalisches Wort manchmal nur die ungefähre deutsche Bedeutung finden. Das erfordert einiges Interpretations- und Einfühlungsvermögen.

Das bengalische Wort Udoy, das sich in der bengalischen Alphasyllabar-Schrift schreibt und so ähnlich wie „udoy“ ausgesprochen wird, ist dafür ein Beispiel. Es bedeutet so viel wie Sonnenaufgang oder Entstehung, kann aber auch als Aufforderung „Erhebt Euch!“ verstanden werden. Auf jeden Fall beschreibt es aber das Ziel des Vereins, in dem sich die Werdohler Dirk Holtschmidt und Thomas Jung sowie der ehemalige Werdohler Siegfried Schmidt und dessen Ehefrau Rokeya engagieren: „Wir sehen das, was wir in Bangladesch tun, als Sonnenaufgang: Es soll etwas Neues entstehen“, erläutert Siegfried Schmidt, warum der Verein auf Vorschlag seiner aus Bangeladesch stammenden Frau, die hier alle „Helen“ nennen, den Namen Udoy erhalten hat.

In Bangladesch soll Neues entstehen

Die Schmidts und ihre Mitstreiter möchten, dass sich zumindest ein kleiner Teil von Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Erde, erhebt, etwas Neues beginnt, dass für die Menschen dort im übertragenen Sinne die Sonne aufgeht.

Dieses Schulgebäude muss verschwinden. Deshalb wollen einige Werdohler eine neue Schule aus Stein bauen.

Kleine und etwas größere Schritte hat der inzwischen als gemeinnützig anerkannte und ins Vereinsregister eingetragene Verein Udoy schon unternommen. Zum Beispiel hat er eine öffentliche Bibliothek mit kostenloser Ausleihe eingerichtet, um die Bildung der Menschen in der Region im Osten Bangledeschs zu verbessern.

Schule wird seit mehr als 20 Jahren unterstützt

Mit Bildung hat auch das neueste Projekt zu tun, das der Verein jetzt begonnen hat. Schon seit 1999 unterstützt Udoy in Tantar, dem Geburtsort von Rokaya „Helen“ Schmidt, eine Schule, in der etwa 250 Kinder von der Vorschule bis zur achten Klasse unterrichtet werden. Es ist eine private Schule für Kinder, die in den überfüllten Regelschulen nicht mitkommen. Das Schulgebäude, kaum mehr als eine Wellblechhütte, steht auf einem gepachteten Grundstück und ist so spartanisch wie die Ausstattung. Und jetzt will der Verpächter des Grundstücks den Vertrag nicht verlängern. „Wir möchten deshalb den Bau einer Schule aus Steinen ermöglichen“, beschreibt Dirk Holtschmidt den Plan des Vereins, der das dafür benötigte Grundstück schon erworben und gegen das regelmäßige beim Monsum auftretende Hochwasser gesichert habe.

Bangladesch: Dicht besiedelt

Bangladesch liegt in Südasien, grenzt im Süden an den Golf von Bengalen, im Südosten an Myanmar und wird von Indien umschlossen. Das Land liegt nach Bevölkerungsdichte weltweit auf Platz sieben. Die Hauptstadt Dhaka ist eine der am schnellsten wachsenden Megastädte der Welt; weitere Millionenstädte sind Chittagong und Khulna. In Bangladesch liegt das Mündungsdelta von Brahmaputra, Ganges und Meghna. Dadurch, durch die Lage am Meer und durch den Monsun wird das Tiefland häufig von Hochwasser und Überflutungen getroffen. Das Land hat bei der Grundschulbildung deutliche Erfolge erzielt, die Einschulungsrate liegt bei etwa 95 Prozent. Allerdings verlassen viele die Schule ohne Abschluss.

Für den Bau der Schule, die auch Mädchen Zugang zu Bildung ermöglichen soll, was in Bangladesch keineswegs selbstverständlich ist, werden aber laut Holtschmidt rund 100 000 Euro benötigt. Eine gewaltige Summe für den kleinen Verein, der seine Arbeit vor allem aus Spenden finanziert. Und in diesem Jahr war der Spendenzufluss sehr gering. Zwar habe Udoy auch Kontakt zu Stiftungen aufgenommen, berichtet Holtschmidt, „aber die fördern alle nicht in großen Summen“.

Bilder des verstorbenen Malers Paul Seuthe werden zum Verkauf angeboten

Deshalb ist nun der Vorsitzende von Udoy, der ehemalige Werdohler Siegfried Schmidt, auf die Ideen gekommen, Bilder des Werdohler Künstlers Paul Seuthe (1909 - 1997) aus seinem Privatbesitz zu verkaufen. Schmidt hat die Bilder von seinem 2012 verstorbenen Bruder Dieter geerbt. Dieter Schmidt, der frühere Inhaber der Drogerie Rudolph, war ein Freund Seuthes, hat für den Künstler Rahmen und Passepartouts angefertigt. Nach seinem Tod hat er eine so beträchtliche Anzahl von Gemälden, Zeichnungen und Collagen hinterlassen, dass sein Bruder sie gar nicht alle in seinem Iserlohner Haus aufhängen kann, obwohl er die Arbeiten schätzt: „Paul Seuthe war ein toller Künstler“, sagt der Udoy-Vorsitzende.

Dirk Holtschmidt zeigt einige der Bilder des Werdohler Künstlers Paul Seuthe, die zugunsten des Vereins Udoy verkauft werden sollen.

Nun soll zumindest ein Teil der Bilder weg. „Es ist doch besser, sie kommen unter die Leute, als dass sie nur im Archiv liegen“, sagt der ehemalige Hauptschullehrer Schmidt über den Plan, die Seuthe-Kunst für den guten Zweck zu verkaufen. Etwa 80 Bilder (unten ist eine Auswahl zu sehen) stehen zum Verkauf, sie können auf der Intenetseite des Vereins angeschaut und ausgewählt werden. Preise stehen nicht dabei, die sind mehr oder weniger frei verhandelbar. Bei der Preisfindung wolle man sich am Gebaren des Künstlers orientieren, sagt Holtschmidt: „Bei Paul war das ganz einfach: Kleine Bilder waren billiger als große.“ Aber unter 100 Euro solle möglichst keins der Kunstwerke den Besitzer wechseln.

Interessenten können sich melden

Wer Interesse an einem Seuthe-Bilder hat, kann sich per E-Mail (info@udoy.de) oder telefonisch (0 23 71/35 03 98) an Siegfried und „Helen“ Schmidt wenden. Auch Dirk Holtschmidt, der am Eggenpfad in Werdohl ein Uhren- und Schmuckgeschäft betreibt, hilft gerne weiter.

Wer den Verein Udoy e.V. und sein Engagement in Bangladesch unterstützen möchte, kann eine steuerlich abzugsfähige Spende auf das Konto bei der Sparkasse Iserlohn (IBAN: DE10 4455 0045 0007 0080 48) überweisen oder förderndes Mitglied werden (www.udoy.de).

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