Berufschancen, Trends und Lohngefüge im Blick

Die Berufsberaterin Kersten Alameddine bespricht mit den Schülern Voraussetzungen. ▪ Fraune

WERDOHL ▪ Nur rund ein Drittel der Werdohler Realschüler wollen direkt in den Job einsteigen. Jungs wie Marvin Gröschner bilden hingegen die Mehrheit.

Mit seinen 16 Jahren peilt er nicht eine Ausbildung nach der Klasse 10 an, sondern will erst einmal Abitur machen. „Ich will Journalist werden.“ Um seinem Vorbild, dem Sportmoderator Wolff-Christoph Fuss, es gleich zu tun, suchte Marvin Gröschner gestern schon einmal nach dem passenden Studiengang. „Ich gucke, was das kostet, wie ich es finanzieren kann und wo es Studienmöglichkeiten gibt.“ Genutzt hat er ebenso wie einige seiner Mitschüler dabei bereits einen Rechner der Arbeitsagentur, die als „BIZmobil“ bis zum 4. März jetzt in der Aula der Realschule Station macht.

Nicht nur Computer stehen hier, sondern es gibt auch reichlich persönliche Informationen. Zuständig dafür ist die Berufsberaterin Kersten Alameddine. Mit Verve bei der Sache stellt sie sich auf 120 bis 150 schon angemeldete Schüler aus Werdohl, Neuenrade und Plettenberg ein. Außerdem hofft die Beraterin, weitere junge Arbeitssuchende über die Themen Studien- und Berufswahl zu informieren. „Auch Eltern sind willkommen“, rührt Alameddine die Werbetrommel. Schließlich würden diese Einfluss nehmen.

Die Neuntklässler, die gestern als erste Gruppe das Info-Angebot nutzten, sollten am Morgen als erstes aber unterscheiden, was wichtig für die Berufswahl ist und was nicht. Der Punkt „ob der Beruf meinen Freunden gefällt“ erhielt dabei eine weit geringere Wertigkeit als „Ausbildungskosten“ und natürlich „Geld“. „Wo habe ich Chancen, wo geht der Trend hin und wo kann ich Geld verdienen?“, seien die zentralen Fragen, die gestellt werden, weiß die Berufsberaterin. Ein Knackpunkt bei der Berufswahl ist ihr aber auch präsent: „Das Gros der Jugendlichen schätzen sich besser ein als sie sind.“ Die Expertin schiebt dabei direkt nach, dass die gastgebende Schule hier schon eine Art Vorbildcharakter hat. „Die Realschule bereitet ihre Schüler gut vor.“ An anderen Bildungseinrichtungen spüre sie einen Zustrom an Schülern, der sich zu spät um die berufliche Perspektive kümmere.

Aus der Praxis berichtete der als Vertreter des Bürgermeisters bei der Eröffnung vertretende Dirk Middendorf. Selbst Unternehmer kennt er den teils zu geringen Blickwinkel von Schülern. „In Nischen-Berufen, da fehlt es an Bewerbungen.“

Bei dem Beruf der Erzieherin ist dies hingegen nicht unbedingt der Fall. Dennoch hofft die 16-jährige Jacqueline Derstroff darauf, genau als solche eine Ausbildung absolvieren zu können. „Ich möchte etwas mit Kindern machen, weil ich selbst eine Tochter habe.“ Die 16-Jährige ahnt aber bereits, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie alles andere als einfach werden wird. „Daher gucke ich speziell auch nach den Arbeitszeiten – und natürlich aufs Geld.“

Um frühzeitig allen Schülern einen Einblick in die Berufswelt zu ermöglichen, hat die Realschule nicht nur einen ausgefeilten Berufswahlorientierungsweg für die einzelnen Jahrgänge ausgearbeitet, sondern verweist zudem auf Kooperationen mit heimischen Unternehmen. „Ohne Betriebe wäre eine Berufsorientierung nichts“, unterstreicht der Realschul-Berufsberater Michael Stemski. Externer Sachverstand müsse zudem genutzt werden. Dass durchschnittlich lediglich ein Drittel der Realschulabgänger in die Lehre geht, sei nur eine Seite der Betrachtung. Denn: Auch für die weitere Schullaufbahn werde umfangreich informiert. Und genau dies sieht Leiter Bernd Bunge für die Zukunft als eine entscheidende Kompetenz seiner Schule an. „Durch Entkoppelung der Berufswelt der Eltern wird der Berufsberatungsbedarf der Schüler größer.“ Gerade in Werdohl sollten die Schüler dabei mehr auf eine betriebliche Ausbildung setzen, rät die Agentur-Berufsberaterin – mit dem Verweis auf angesichts der anziehenden Konjunktur aktuell wieder gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. ▪ Marco Fraune

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