Berufliche Ausbildung beginnt im Kindergarten

Die Ministerialrätin Ute Wohlgemuth (l.) präsentierte sichals gute Zuhörerin der Ausbildungs-Partner. Unternehmer Ulrich Remmel (Mitte) lauschten gestern auch Karl Jürgen Schmidt vom Berufskolleg für Technik in Lüdenscheid (2.v.l.) und Klaus-Dieter Jacobsen (r.), Ausbildungsleiter bei technischen Bildungsstätte der SIHK in Lüdenscheid.

WERDOHL - Unerwartet spannend entwickelte sich Mittwoch der „Ausbildertag Südwestfalen“, den der Werdohler Unternehmer Ulrich Remmel in seinem Vertriebscenter Zerspanung im Industriegebiet an der Gildestraße organisiert hatte. Von Volker Heyn

Prominenteste Teilnehmerin war Ministerialrätin Ute Wohlgemuth, sie ist Abteilungsleiterin im Dezernat „Fachklassen des Dualen Systems“ im Schulministerium in Düsseldorf. Die gelernte Berufsschullehrerin zeigte sich für eine Ministeriums-Mitarbeiterin überraschend nah an der Praxis und bemerkenswert selbstkritisch: „Wenn wir zu lahm sind mit unseren Lehrplänen, sagen Sie das bitte.“ Einige ihrer Äußerungen dürften für reichlich Diskussionsstoff in der Szene sorgen, wünscht sie sich doch berufliche Bildung schon im Kindergarten, Betriebspraktika für Berufsschullehrer und eine viel höhere Umsetzungsgeschwindigkeit zwischen den Behörden und der Wirtschaft. Am Ende von Vortrag und Diskussion war die Ministerialrätin so begeistert, dass sie sich eine Institutionalisierung dieses Ausbildertages wünschte.

Die Landesbeamtin umschiffte elegant alle Klippen, die sie in Verdacht bringen könnten, zu Zeiten des Wahlkampfes auch ihrer Ministerin Barbara Sommer unterwegs zu sein. Parteipolitisch blieb sie neutral, bildungspolitisch hingegen nicht. Von Anfang an präsentierte sich die Ministerialrätin als Zuhörerin: „Fragen sind mir sehr willkommen, ich nehme auch gern Ihre Arbeitsaufträge mit nach Düsseldorf.“

Für sie beginnt der Ansatz beruflicher Bildung bereits in die Kindertagesstätten. „Wenn wir mit beruflich orientierter Deutsch- und Mathematik-Förderung erst bei den 14-Jährigen anfangen, dann haben wir die entscheidenden Jahrgänge gleich verpasst.“ Kammern, Innungen und Betriebe müssten schon in den Kindergärten präsent sein. Um Jugendliche in Zukunft mit Ausbildungsplätzen zu versorgen, müsse man so früh wie irgend möglich beginnen: „Sonst bekommen wir die Rechnung über Hartz IV.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare