Beruf Koch: Arbeitszeiten großes Problem

WERDOHL ▪ Mit geschickten Handgriffen rückt Kochazubi Kai Spelsberg im Restaurant Dorfkrug dem Porree auf seinem Schneidebrett zu Leibe. Im Handumdrehen ist das grüne Gemüse in feine Streifen zerlegt. Der 19-Jährige liebt den Beruf des Kochs: „Es ist sehr abwechslungsreich. Jeden Tag gibt es andere Dinge zu tun.“

Während Kai Spelsberg dem Gastronomiegewerbe positiv gegenüber steht, können sich die meisten Jugendlichen keine Ausbildung in dem Bereich vorstellen. Derzeit suchen Hotels und Gaststätten im Märkischen Kreis insgesamt 101 Auszubildende.

Von Jana Peuckert

Für Monika Brandt, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sind die Gründe für das fehlende Interesse klar: „Die Arbeitszeiten sind ein großes Problem.“ Der typische „Gastro-Arbeitsrhythmus“ gehe zu Lasten sozialer Kontakte.

Das kann Tomislav Lavric, Inhaber des Vier Jahreszeiten in Werdohl bestätigen: „Ich habe keine Auszubildenden. Jobs in der Gastronomie sind anstrengend. Das ist nichts für junge Leute. Die fühlen sich einfach nicht wohl. Die Gäste kommen, wenn sie Zeit haben. Dann wollen sie auch schnell und gut bedient werden. Alles ist individuell. Damit kommen die meisten jungen Menschen nicht klar.“ Zudem sei laut Monika Brandt der Ton in den Küchen immer noch sehr rau.

„Es gibt viele Betriebe, in denen ein großer Druck herrscht in der Küche“, erzählt Martin Thuns, Mitinhaber des Dorfkrugs: „Manchmal werden die Leute richtig fertig gemacht. Ich habe das selbst schon erlebt“, Aber gerade weil er so schlechte Erfahrungen gemacht habe, will er es anders machen. „Wir bringen unsere Azubis schon sehr früh ans Kochen. Sie sollen etwas lernen. Dabei bauen wir aber keinen Druck auf, sondern lassen sie machen. Über Fehler wird meist in Ruhe gesprochen, aber erst dann, wenn der große Stress in der Küche vorbei ist“, erklärt Thuns. Ziel sei es, eine angenehme Atmosphäre in der Küche zu schaffen.

Die bekommt auch Kai Spelsberg täglich zu spüren. Er könne sich keinen anderen Beruf vorstellen: „Kochen war ein Hobby, jetzt ist es eben mein Beruf. Ich könnte mir zum Beispiel nicht vorstellen in einer Fabrik am Fließband zu stehen.“

In seinem Freundeskreis hat der 19-Jährige aufgrund seiner Arbeitszeiten keine Probleme. „Viele meiner Kumpels sind auch in der Gastronomie tätig. Meine Freundin ist Köchin. Ich komme hier am Wochenende meist so zwischen 22 und 22.30 Uhr raus. Danach gehe ich feiern. Die meisten Partys beginnen ja eh nicht vor Mitternacht. Sonntag ist hier Ruhetag. Das ist wirklich gut“, berichtet der Kochazubi.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten will sich in einer Offensive für bessere Gastro-Ausbildung für Auszubildende stark machen und unter anderem eine höhere Vergütung durchsetzen. Kai Spelsberg hat sich mit dem Geld, das ihm zur Verfügung steht arrangiert. „Wenn man zu Hause lebt und kein Auto hat, kommt man gut mit dem Geld aus. Schließlich war man vorher Schüler und hatte gar kein Einkommen. Bei einer eigenen Wohnung ist es allerdings sehr schwierig“, räumt der 19-Jährige ein. Eins steht für den jungen Mann fest: „Für eine Beruf in der Gastronomie muss man einfach geboren sein.“

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