Musikalische Reise durch die Welt der Krimi-Songs

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Ab und an griffen die singenden Schauspieler aus Berlin auch mal zu auffälligen Kostümen. ▪

WERDOHL ▪ Seit 1938 existiert in der Stadt Werdohl die Kulturbogenreihe, die nun den unausweichlichen Sparmaßnahmen zum Opfer fällt. Das bedauerte der stellvertretende Bürgermeister Dirk Middendorf während seiner kurzen Ansprache am Donnerstagabend im Festsaal Riesei und wies darauf hin, dass es auch weiterhin kulturelle Veranstaltungen geben wird – allerdings nicht in dieser Reihe. Dann wünschte er den Gästen viel Spaß mit dem Berliner Kriminaltheater und dem Stück „Der Mörder ist immer der Gärtner“ und versprach noch einige Knüller im Laufe der vorerst letzten Kulturbogensaison.

Denkt man an Theateraufführungen und Krimis, dann tauchen vor dem inneren Auge vielleicht Miss Marple, Sherlock Holmes oder eine andere Figur der klassischen Literatur auf. Die Protagonisten suchen vor dem Bühnenbild, das meist ein Büro oder den Speisesaal eines prächtigen Landhaus zeigt, den Spuren einer mörderischen Tat nach. Das Berliner Kriminaltheater geht da einen ganz anderen Weg, um sein Publikum zu unterhalten – es singt, lacht, schauspielert und lässt es auch mal knallen. So geschehen am Donnerstagabend, als es hieß: „Der Mörder ist immer der Gärtner.“

Die Bühne war fast leer, der Hintergrund mit einem roten Samtstoff behangen, der mehr an eine britische Bar als eine Theaterbühne erinnerte. Am Rand waren die beiden Musiker platziert – in schwaches Licht getaucht. Die Männer am Klavier beziehungsweise dem Saxophon verstanden es aber vortrefflich, sich regelmäßig in der Vordergrund zu spielen.

Natascha Petz, Tom Deininger und Mattis Nolte schlüpften dann im Laufe des Abends in die verschiedensten Rollen und präsentierten eine Musikrevue mit „kriminellem“ Einschlag. Ungewöhnlich, aber nicht minder unterhaltsam.

Und wenn es dann passierte, dass die Publikumsnähe zu Improvisation zwang, gab es Szenenapplaus. Natascha Petz hatte einem Zuschauer in der ersten Reihe einen fetten Kussmund auf die Stirn gedrückt und sang auf der Bühne anschließend weiter, dass ihr die Männer dann doch nicht folgen würden. Dieser Mann kam aber – und Frau Petz ging herrlich locker mit dieser überraschenden Situation um.

Schauspielerisch überzeugte zweifelsohne auch Tom Deininger. Er beherrscht die große Kunst, etwas zu sagen, ohne etwas zu sagen. Allein mit Mimik, Körpersprache und seinen Augen erzählt er, wie er sich fühlt, ehe er herausbrüllt: „Ich habe meine Tante geschlachtet“. Er behauptete von sich, er habe die Massen in der Hand – und lag damit nicht ganz falsch. Denn: Spätestens als er beim ganz schwach beleuchteten Kriminal-Tango, der alle Blicke auf das Zentrum der Bühne zentrierte, mit seiner Schreckschusspistole die Aufmerksamkeit schlagartig auf sich zog, war jedem klar, dass auch eine Krimirevue Überraschungsmomente beherbergt.

Natascha Petz, Tom Deininger und Mattis Nolte sangen über Mackie Messer, den berühmten Haifisch und seinen scharfen Zähnen und dass Mimi ohne Krimi nie ins Bett geht. Dabei gelang es dem Trio, auch ohne effektheischendes Bühnenbild, mit einem Minimum an Verkleidung, zu begeistern. ▪ maj

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