Bergwaldprojekt: 15 Freiwillige pflanzen Buchen, Ahornbäume und Vogelkirschen

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Bevor die circa vier Jahre alten Bäume gepflanzt werden, müssen die Wurzeln gekürzt werden. Dabei dürfen die dickeren Wurzeln nicht verletzt werden. Diese Arbeit haben gestern die Projektgruppen-Betreuer übernommen.

Werdohl - „Die Wurzeln sind sehr empfindlich. Damit sie nicht austrocknen, müssen sie vorübergehend in Erde eingeschlagen werden“, erklärt Matthäus Holleschovsky. Der Förster des Bergwaldprojektes bedeckt die Wurzeln eines der Bündel, in denen jeweils 25 junge Bäume stecken, mit Erde.

Seit Montag sind 21 Frauen und Männer oberhalb des Evangelischen Friedhofes an der Landwehr im Einsatz. Sie nehmen am Bergwaldprojekt teil, und möchten dafür sorgen, dass der alte Fichtenbestand sich im Laufe der Jahre in einen Mischwald verwandelt. Insgesamt 2000 junge Bäume – größtenteils Rotbuchen, einige Ahornbäume und Vogelkirschen – werden gepflanzt. „Gerade die Buchen brauchen den Schutz der Altbäume, um in Ruhe wachsen zu können“, erläutert Holleschovsky. Wenn die Fichten dann in fünf bis zehn Jahren geerntet würden, sei der neu angepflanzte Mischwald stabil genug, um allein weiter gedeihen zu können.

„Mir ist es sehr wichtig, dass die Teilnehmer die Hintergründe des Projektes kennenlernen und erfahren, warum es so wichtig ist, standortheimische Gehölze zu pflanzen“, sagt der Bergwaldprojekt-Förster. Nur ein solcher Mischwald könne die vielen Funktionen erfüllen, die für das Ökosystem so wichtig seien. Als Stichworte nennt er Bodenerosion, die Trinkwasserqualität oder auch den Hochwasserschutz.

Förster Matthäus Holleschovsky inmitten der jungen Bäume, die in dieser Woche oberhalb des Friedhofes gepflanzt werden sollen.

Mit vielen dieser Themen haben sich die 15 Teilnehmer, die mit ihren sechs Betreuern ehrenamtlich zu Spitzhacken und Spaten greifen, allerdings schon beschäftigt. „Für mich ist das Bergwaldprojekt eine sehr gute Möglichkeit, aus der Ohnmacht herauszukommen, die man angesichts der vielen Umweltprobleme verspürt“, sagt eine Teilnehmerin, und stellt fest: „Hier kann man anpacken.“ Sie habe ihre Urlaubswoche sinnvoll verbringen wollen – und sei so in Werdohl gelandet. Ähnlich äußert sich auch ihre Mitstreiterin aus Bad Dürkheim. „Ich wollte schon lange einmal mitmachen und da ich nicht im Zelt übernachten wollte, ist der Einsatz hier in Werdohl für mich ideal.“ Die Bergwald-Gruppe ist auf dem Hof Aschey untergebracht, und wird dort auch von einem Koch verpflegt, der zum Team gehört.

Natürlich ist die Arbeit am relativ steilen Waldhang anstrengend. Zumal es bei der Pflanzung der circa vier Jahre alten Bäume einiges zu beachten gilt: Bevor sie ins Pflanzloch kommen, werden die Wurzeln geschnitten. „Allerdings dürfen die dickeren Wurzeln nicht beschädigt werden, man muss jede Pflanze einzeln beurteilen“, sagt Matthäus Holleschovsky. Ganz wichtig sei zudem, dass die Wurzeln im Pflanzloch nicht geknickt würden, erklärt der Förster.

Das Projekt

Diese Teilnehmerin aus Bad Dürkheim nimmt zum ersten Mal am Bergwaldprojekt teil. Der erste Arbeitstag im Werdohler Wald hat ihr gestern sehr gut gefallen.

Das Bergwaldprojekt wurde 1987 auf Initiative von Wolfgang Lohbeck (Greenpeace Deutschland) und dem Schweizer Förster Renato Ruf im Zusammenhang mit der Waldsterbensdebatte gegründet. 1990 wurde die Schweizer Stiftung Bergwaldprojekt mit Sitz in Trin (GR) gegründet. Der erste deutsche Projekteinsatz fand 1991 in St. Andreasberg im Harz statt. Der deutsche Verein Bergwaldprojekt e.V. wurde 1993 gegründet, mit heutigem Sitz in Würzburg. Der gemeinnützige Verein setzt sich aus 25 ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen und sei unabhängig, überparteilich und weltanschaulich neutral. Das Bergwaldprojekt ist neben Deutschland und der Schweiz auch in Österreich, Liechtenstein, Spanien und der Ukraine vertreten.

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