EU bereitet Granulat-Verbot vor: Drei Kunstrasenplätze in Werdohl betroffen?

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Die Kunstrasenplätze sind derzeit eine Belastung für die Umwelt, findet zumindest die EU. Sie möchte Granulat als Füllmaterial für die Plätze verbieten. Eine mögliche Alternative könnte Kork sein.

Werdohl - Drei von vier Sportplätzen in Werdohl sind mit Kunstrasen ausgestattet. Lange Zeit wurde ein regelrechter Hype um die künstlichen Rasenplätze gemacht, auf denen Fußballspieler und Vereine sich unter freiem Himmel sportlich betätigen können.

Doch nun schlägt die Europäische Union (EU) Alarm. Denn: Das Granulat, das zwischen die Kunststoffhalme gefüllt wird, belastet in hohem Maße die Umwelt, wenn es nicht auf dem Spielfeld bleibt. 

Rund 330 000 Tonnen Mikroplastik gelangen in Deutschland pro Jahr in die Umwelt – und immerhin auf Platz fünf der größten Quellen stehen Sport- und Spielplätze. Denn hierzulande sind Tausende Plätze von Amateurfußballvereinen mit Kunstrasen belegt. 

Körnchen bleiben an den Schuhen kleben

Als „Mitbringsel“ vom Sport bleiben die feinen Körnchen an den Fußballschuhen kleben und werden in die Umwelt getragen. Ulrich Betten, Verantwortlicher für die Sportstätten der Stadt Werdohl, hat das Problem bisher nicht wahrgenommen: „Auf uns ist bislang noch niemand zugekommen. Die Firmen Polytan und Domo, die die Plätze bei uns in Werdohl gebaut haben, haben uns versichert, dass das Granulat sauber ist und keine Belastung darstellt.“ Polytan hat den Sportplatz in Altenmühle und das DFB-Mini-spielfeld an der Grundschule gebaut, während Domo für den Kunstrasen im Rieseistadion gesorgt hat. 

Die EU bereitet derzeit ein Verbot von Granulat als Füllmaterial für Kunstrasenplätze vor. Was danach kommt, ist ungewiss. Laut eines Schnellbriefs könnte eine neue Verordnung schon 2022 in Kraft treten – ohne Übergangsfristen für die Sportvereine. 

Kosten von bis zu 60.000 Euro pro Platz

Im schlechtesten Fall wird es dann teuer für die Vereine und Kommunen: Zwischen 25 000 und 60 000 Euro kostet es, die rund 25 Tonnen Alt-Granulat von einem Spielfeld abzutragen und neues Material zu verfüllen. Dabei galt der Kunstrasen bislang als gute und zukunftsweisende Investition. Die Plätze sind gegenüber Naturrasenfeldern vergleichsweise pflegeleicht, erfordern keine sogenannten Greenkeeper, die den Rasen pflegen. „Wir haben auch an unserem Kunstrasen nicht gespart“, erinnert sich Betten. „Der Preis für die Verlegung variiert ja je nach Qualität des Granulats. Für einen guten Kunstrasenplatz muss man rund 300 000 Euro einkalkulieren.“ 

Weil die Plätze weniger Pflegeaufwand erfordern, bringen sie den Vereinen auch finanziell Vorteile. Hinzu kommt, dass ein Kunstrasen in der Regel nicht gewässert werden muss und damit im Vergleich zu echtem Rasen auch den Wasserverbrauch reduziert. Zudem ist das Kunstgrün nahezu ganzjährig bespielbar. 

Kork als Alternative?

Sollte die EU das Kunststoffgranulat verbieten, würde sich die Frage nach einer Alternative stellen: Günstigeres, schwarzes Granulat, das aus alten, geschredderten Autoreifen hergestellt wird, gilt als gesundheitsschädlich. Es wurde nur auf wenigen Plätzen verfüllt. Der Rückbau zu Ascheplätzen ist ebenfalls keine Lösung: Feinstaubbelastung, schlechtes Rollverhalten des Balles und die höhere Verletzungsgefahr sprechen gegen die Spielfelder, die noch vor zehn Jahren vielerorts das Bild dominierten. Zehn Jahre ist es auch her, dass der Kunstrasen in Werdohl – am Riesei, in Altenmühle und an der Grundschule – neu verlegt wurde. 

Die Lösung für das Mikroplastik-Problem soll nun Kork sein. Als natürliches Produkt stellt Kork keine große Gefahr für die Umwelt dar, wenn es an den Fußballschuhen kleben bleibt und sich in der Umwelt verteilt. 

Probleme mit den Dränagen

Im Praxistest ergibt sich aber folgendes Problem: Kork als Holzprodukt ist leichter als Wasser. Heißt im Klartext: Wenn es regnet, schwimmt der Kork weg und muss deshalb regelmäßig nachgefüllt werden. Außerdem kann der schwimmende Kork die Dränagen als Wasserableitungen verstopfen. Um dies zu verhindern, müssten neue Konstruktionen her. Betten: „Auch das wäre sehr ärgerlich, denn wir haben damals ausnahmslos alle Dränagen neu machen lassen.“

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