Berauschendes Schützenfest bringt 5000 Euro Miese

Bewerteten das vergangenen Schützenfest (v.l.) Zweiter Vorsitzender Udo Müller, Geschäftsführer Thomas Reiche und Vorsitzender sowie Oberst Andreas Schreiber. - Fotos: Koll

Werdohl - „5000 Euro Miese“ habe der Werdohler Schützenverein (WSV) mit seinem 184. Schützenfest eingefahren, gab Geschäftsführer Thomas Reiche bei der Meckersitzung am Donnerstagabend im Restaurant Vier Jahreszeiten bekannt. Und er grollte: „Ich habe keine Lust mehr, mir nach dem Fest immer den Kopf zu zerbrechen, wie ich das alles bezahlt bekomme, nur weil uns unsere eigenen Mitglieder schaden.“

Kurz zuvor hatte der 1. Vorsitzende Andreas Schreiber berichtet, dass einige Mitglieder ihre Freikarten an Nicht-Mitglieder abgegeben oder sogar verkauft hätten. Er nannte das deutlich „einen Missbrauch“. Reiche zog daraus sogar den Schluss: „So können wir demnächst nicht mehr jedes Jahr feiern.“ In diesem Jahr stünden 58 000 Euro Einnahmen Ausgaben in Höhe von 63 000 Euro gegenüber.

Unvereinlich waren dann die Meinungen zum Auftreten der 3. Kompanie beim Festumzug. Mitglieder dieser Kompanie hatten sich mit silber besprühten Papptellern behängt. Der 2. Geschäftsführer des Vereins Detlef Heinz monierte: „Das hat mir überhaupt nicht gefallen.“ Es sei der Eindruck erweckt worden, als wolle sich die Dritte damit lustig machen über den großen Wappenteller, der am Schützenfestfreitag an Dieter Kellmann verliehen worden war. Auch Vorsitzender Schreiber bezog klar Stellung: „Das war nicht angebracht.“

Mitglieder der angesprochenen Kompanie nahmen die Aktion in Schutz. „Ein Schützenfest soll doch immer noch Spaß machen“, sagte einer. Die Dritte habe auch immer irgendwelche Aktionen zum Festumzug vorbereitet. Und Kellmann sei mit den Papptellern auch gar nicht gemeint gewesen. Vize-Geschäftsführer Heinz konterte: „Aber wir sind doch kein Karnevalsverein.“

Zudem hätten Mitglieder der 3. Kompanie wegen der Fußball-WM beim Großen Zapfenstreich blinkende Deutschland-Hüte anstatt der Schützenmützen getragen. Dieses Verhalten wurde immerhin auch von den anwesenden Mitgliedern der Dritten missbilligt.

Einigkeit herrschte bei den insgesamt 28 Anwesenden zur Kapelle Cäcilia Saalhausen (Lennestadt). WSV-Vorsitzender Schreiber lobte: „Die hatten eine tolle Stück-Auswahl, haben auch was Modernes gespielt. Man hat gesehen, dass die Spaß hatten. Die haben sich selbst hochgeschaukelt und sind über Bänke und Tische gestiegen.“ Einer der Schützen im Saal sagte sogar: „Das war das Beste, was ich je gehört habe.“ Schreiber versprach, die Kapelle demnächst noch weiter ins Werdohler Schützenfest einzubinden.

Bei seinem Rückblick auf das 184. Fest sagte er zuvor: „Das war insgesamt berauschend“ – getrübt nur durch das fehlende wirtschaftlich positive Ergebnis. „Sonst hätte ich es auch als gelungen bezeichnen können.“ Das Wetter wünsche er sich 2015 wieder. „Es war gerade noch nicht zu heiß.“

Extrabreit: Geliebt oder gar nicht gemocht

Dann bewerteten Schreiber und Reiche die einzelnen Tage: Der Freitag, so der Vorsitzende, sei trotz des WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft „reibungslos verlaufen“. Die Band im Zelt – Extrabreit – „wurde geliebt - oder gar nicht gemocht“. Leider sei der Gesang des Sängers Kai Havaii oft gar nicht zu verstehen gewesen. „Trotz eines Schnäppchen-Eintrittspreises floppte der Kartenverkauf an der Abendkasse.“ Schreiber versprach in Hinblick auf die Musik am Freitagabend: „Im nächsten Jahr wird es wieder etwas ganz anderes geben.“ Geschäftsführer Reiche bezeichnete das Freitags-Ergebnis dann auch schlicht als „mies“.

Der Samstag habe für den 1. Vorsitzenden mit einem „Kopfschütteln“ begonnen. Der tags zuvor am Ehrenmal niedergelegte Kranz sei gestohlen, zerrupft und andernorts verteilt worden. „Am Abend traf die Band Schlussakkord allerdings wieder einmal den Nerv der Leute.“ Reiche nannte den Samstag klar und deutlich „bombastisch“. Den Sonntag bilanzierte er mit „nicht so toll“.

Am Montag zog sich das Königsschießen ungewöhnlich in die Länge. Vorsitzender Schreiber versprach deshalb: „Wir werden die Aufhängung des Vogels deshalb möglicherweise verändern.“ So soll gewährleistet werden, dass „das Hinabfallen des Aars wahrscheinlicher gemacht wird“. Zufrieden bemerkte Schreiber: „Den Umzug durch die Stadt hat ja keiner so wirklich vermisst.“ Und – wie beabsichtigt – „war das Zelt nach dem Schießen auch voller als noch 2013“.

Dort habe eine „famose Stimmung“ geherrscht, bilanzierte der Vorsitzende. „Das 184. Schützenfest endete erst weit nach dem Feuerwerk.“ Allerdings, so bemerkte ein Schütze aus dem Saal „gab es nach 1 Uhr kein Bier mehr“. Reiche attestierte dem Schützenfest-Montag ein „recht positives“ Ergebnis. Insgesamt, so der Geschäftsführer, seien während des Festes allerdings „nur 55 Hektoliter Bier verkauft“ worden.

Kirmes: Veranstalter setzt Vorgaben nicht um

Komplett unzufrieden war Schreiber indes erneut mit der Kirmes. Im Vorfeld des 184. Schützenfestes hätte der WSV-Vorstand mit dem Veranstalter eindringlich geredet und ein paar zentrale Forderungen aufgestellt. Davon sei allerdings keine umgesetzt worden. „Die Kirmes war es nicht wert, als erlebenswert beworben zu werden“, machte der Schützen-Vorsitzende deutlich.

Weiterhin bemängelte Schreiber aber auch das teils fehlende Bemühen der einzelnen Kompanien, Werbung für das Fest in der Stadt zu platzieren.

Der Ex-Regent Hans-Jürgen Erbstößer fasste sich kurz bei seinem Resumée seines Amtsjahres: „Alles ist gut gelaufen – ohne Wenn und Aber.“ Schützenkönig Markus Balz schlug in die gleiche Kerbe: „Von meiner Seite kann ich nur Positives sagen.“ Auch die Jungschützenkönigspaare lobten das Schützenfest.

Der 2. Geschäftsführer Detlef Heinz teilte mit, dass es während des Festes einige Neuaufnahmen gegeben habe. „Aktuell haben wir 819 Mitglieder im Verein.“ Allerdings gebe es „auch immer wieder Abmeldungen“. Geschäftsführer Reiche: „Solange wir noch bei mehr als 800 bleiben, ist alles gut.“

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