Benjamin Schramm ist Azubi auf Hof Knoche

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Der Arbeitstag von Benjamin Schramm beginnt und endet mit der Fütterung der Milchkühe.

Werdohl -  Zielsicher bugsiert Benjamin Schramm die Forke mit dem Futter vor die Mäuler der Kühe. Schon schnellen die mächtigen Zungen der Tiere heraus, um genüsslich nach den Leckerbissen zu angeln. Seit dem 1. August ist Benjamin Schramm Auszubildender auf dem Hof Knoche. Der 17-Jährige ist voller Eifer dabei.

„Der Berufswunsch, Landwirt zu werden ist aus einem Kindheitstraum entstanden“, sagt der Altenaer. Bereits als Schüler sei er mit der Landwirtschaft in Kontakt gekommen. Nach der Schule habe er oft auf einem Bauernhof geholfen. „Der Beruf ist immer interessanter geworden und dann bin ich auch dabei geblieben“, erklärt der 17-Jährige.

Hofbesitzer Fritz Knoche und seine Tochter Daniela sind mit Benjamin zufrieden. Er sei ein guter Lehrling. Dabei hatte er einen schweren Einstieg. „Eigentlich fahren wir erst mit den Auszubildenden umher, zeigen ihnen alle Flächen. Aber Benny musste sofort los, Korn abfahren“, berichtet Daniela Knoche. Für Benjamin kein Problem. Gern arbeite er mit den Tieren, aber am liebsten beschäftige er sich mit Technik. Dazu gehöre auch das Traktorfahren.

Das müssen die Auszubildenden alle können. Deshalb sei ein Führerschein T auch unverzichtbar. Ohne Traktor gehe es nicht, da die zu bearbeitenden Flächen teilweise weiter vom Hof entfernt seien. „Da kann man nicht alles mit der Schubkarre machen“, sagt Daniela und lacht.

Seit 30 Jahren bildet der Hof Knoche Lehrlinge aus. Mal gebe es viele Bewerber und mal gar keine, sagt Fritz Knoche. Allerdings habe die Anzahl der Bewerber in den vergangenen Jahren abgenommen. Nicht jeder Bewerber habe vor der Ausbildung etwas mit Landwirtschaft zu tun: „Viele kommen aus der Stadt.“ In den 30 Jahren habe Knoche auch drei Mädchen ausgebildet. Diese seien besonders an den Tieren interessiert. Während bei den Jungen die Ausbildung zum Landwirt manchmal als Notnagel gesehen werde, seien Mädchen aus Überzeugung dabei. Das sei ganz wichtig, da der Beruf den Lehrlingen einiges abverlange. Neben den frühen Aufstehzeiten müssten sich die Azubis auch daran gewöhnen, von Zuhause wegzugehen. Denn die Lehrlinge bewohnen während der Ausbildung ein Zimmer auf dem Hof. „Wenn sie nach acht Wochen nicht das Weite suchen, bleiben sie auch dabei“, weiß Fritz Knoche aus Erfahrung.

Benjamin Schramm hat sich längst an die Arbeitszeiten gewöhnt. Jeden Morgen um 6 Uhr klingelt sein Wecker, um 6.30 Uhr beginnt die Arbeit auf dem Hof. Zuerst geht es dann in die Ställe. Schließlich wollen 60 Milchkühe, 80 Nachzuchten, 15 Ziegen, zehn Schafe, zwei Hunde und ein paar Katzen versorgt werden.

Anschließend steht das Melken auf dem Programm. Das sei von Anfang an Teil der Ausbildung. Sind die Grundaufgaben erledigt, hält jeder Tag andere Arbeiten bereit. Und so hilft Benjamin Schramm ebenso beim Reparieren der Weidezäune wie auch beim Einfangen der Kühe vor dem Winter.

„Es ist sehr abwechslungsreich, das mag ich“, sagt der 17-Jährige. An zwei Tagen in der Woche besucht er die Berufsschule in Letmathe, jedes zweite Wochenende hat er frei. Voraussetzung für eine Ausbildung als Landwirt sei ein guter Hauptschulabschluss. „Ein Realschulabschluss wäre besser“, sagt Fritz Knoche. Besonderen Wert lege er auf gute Noten in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie. Wer mit Abitur seine Ausbildung beginne, könnte die Lehre um ein Jahr verkürzen. Gleiches gelte für Quereinsteiger, die bereits eine andere Ausbildung absolviert haben.

 „Ich denke, das ist genau der richtige Beruf für mich“, zieht Benjamin Schramm nach den ersten Monaten ein positives Fazit. Auch, wenn er weniger Freizeit habe und dadurch auch schon den ein oder anderen Kumpel verloren habe, bereue er seine Entscheidung nicht.

Von Jana Peuckert

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