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Belebung der Innenstadt: Erste Erfolge bald sichtbar?

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Von: Volker Griese

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Fast menschenleer ist die Freiheitstraße an vielen Tagen der Woche. Das soll sich durch den gezielten Einsatz von Fördermitteln des Landes möglichst schnell ändern.
Fast menschenleer ist die Freiheitstraße an vielen Tagen der Woche. Das soll sich durch den gezielten Einsatz von Fördermitteln des Landes möglichst schnell ändern. © Volker Griese

Knapp 570.000 Euro erhält Werdohl aus dem „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen“ des NRW-Heimatministeriums. Mit dem Geld soll die zunehmend verödende Innenstadt wiederbelebt werden. Wie das gehen soll, haben Vertreter eines Stadtplanungsbüros dem Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung (Ustea) vorgestellt. Dabei gab es auch schon eine gute Nachricht.

Werdohl ‒ Um wieder Leben ins Stadtzentrum zwischen Brüninghaus-Platz und Bahnhof zu bringen, hat sich die Stadt Werdohl Expertenwissen eingekauft: Das Planungsbüro Puche aus Northeim in Niedersachsen hat den Auftrag erhalten, ein Konzept zu entwickeln, wie der zentrale Versorgungsbereich Werdohls wieder gestärkt und wie die Attraktivität der Innenstadt mit für Werdohl passenden neue Strategien und Lösungen gesteigert werden kann. Die beiden Projektleiter Bianka von Roden und Raphael Bachmann präsentierten in der Ustea-Sitzung am Montagabend, wie sie vorgehen wollen und was sie in den vergangenen Wochen bereits unternommen haben.

„An oberster Stelle steht für uns die Stärkung der Innenstadt durch den Abbau von Leerständen“, sagte Bachmann. Das Instrument dafür liefert das Förderprogramm gleich mit: Einen Vermietungsfonds, mit dessen Finanzmitteln eine preisgünstige Anmietung von vakanten Ladenlokalen ermöglicht werden soll. Bachmann erklärte an einem fiktiven Beispiel, wie das funktionieren soll: Die Stadt setzt Geld aus dem Vermietungsfonds ein, um eine Geschäftsfläche für zwei Jahre zu 70 Prozent der früher üblichen Miete anzumieten, also zum Beispiel für 700 Euro. Die Stadt vermietet die Fläche für 20 Prozent des Mietpreises (200 Euro) an einen neuen Nutzer weiter. Dadurch erhält der Eigentümer eine Mieteinnahme, die zwar etwas geringer als früher, aber dafür verlässlich ist. Gleichzeitig kann der neue Nutzer für einen Bruchteil der früher üblichen Miete seine Geschäftsidee verwirklichen.

Die beiden Projektleiter Raphael Bachmann und Bianka von Roden erläuterten den Politikern, wie sie Werdohls Innenstadt wieder attraktiver machen wollen.
Die beiden Projektleiter Raphael Bachmann und Bianka von Roden erläuterten den Politikern, wie sie Werdohls Innenstadt wieder attraktiver machen wollen. © Volker Griese

Denkbar ist diese spezielle Form der Vermietung für jegliche Form des ortsgebundenen Einzelhandels und Dienstleistungen, aber auch für Popup-Stores, Service- und Bildungsangebote, Lieferservice- und Verteilstationen. Die neuen Nutzungen sollen für ein breiteres Angebot und für mehr Kunden in der gesamten Innenstadt sorgen. Beschränkt sei diese Form der Starthilfe für neue Geschäftsinhaber aber auf Flächen bis 300 Quadratmeter, die innerhalb des definierten Fördergebietes in der Innenstadt liegen, erfuhren die Ausschussmitglieder. Das Förderprogramm läuft noch bis Ende 2023.

Erste Schritte auf dem Weg zum Leerstandsmanagement haben die Experten der Planungsgruppe Puche und die Stadtverwaltung bereits unternommen. Nach einem Auftaktgespräch am 21. September hätten im Zwei-Wochen-Rhythmus Sitzungen stattgefunden, in denen zunächst der Ist-Zustand analysiert worden sei, erklärten Raphael Bachmann und Bianka von Roden den Ausschussmitgliedern. Zudem würden laufend Gespräche mit Immobilieneigentümern geführt, die Bauakten auf die Nutzungsmöglichkeiten der verschiedenen Gebäude geprüft und sogar auch schon Mietverträge entwickelt. Andreas Haubrichs, der als Wirtschaftsförderer der Stadt in das ganze Verfahren involviert ist, überraschte den Ausschuss mit einer sehr optimistischen Aussage: „Ich bin zuversichtlich, dass wir die erste Wiederbelebung in den nächsten Wochen schon sehen werden“, sagte er. Offensichtlich tragen die Bemühungen also bereits Früchte.

Für die Stadtplaner aus Northeim, die sich als Schnittstelle zwischen der Stadtverwaltung und den Akteuren der Innenstadt sehen, geht es aber gerade erst richtig los. Für den 1. Februar planen sie eine öffentliche Auftaktveranstaltung für Eigentümer, Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomen und alle anderen, die sich für die Innenstadt einbringen möchten. Bis dann sollen auch Prospekte fertig sein, in denen zum Beispiel genau erklärt wird, wie das mit dem Vermietungsfonds läuft. Auch eine Internetseite sei in Arbeit und solle in Kürze online gehen, hieß es am Montag.

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