Ein Leben für die Musik

Bekannter Orchesterdirigent aus dem MK stirbt an seinem 95. Geburtstag

Rudi Fritz bei einem Konzert des Musikzugs des Versetaler Schützenvereins, wahrscheinlich in den 1960er-Jahren in der Werdohler Innenstadt.
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Rudi Fritz bei einem Konzert des Musikzugs des Versetaler Schützenvereins, wahrscheinlich in den 1960er-Jahren in der Werdohler Innenstadt.

An seinem 95. Geburtstag ist bereits am vergangenen Samstag (7. August) der frühere Dirigent und Vorsitzende des Musikzugs des Versetaler Schützenvereins, Rudi Fritz, gestorben. „Das Konzert des Lebens ist verstummt“, formulierte die Familie in der Todesanzeige und brachte damit zum Ausdruck, was Lebensinhalt des Verstorbenen gewesen war: die Musik.

Werdohl ‒ Rudi Fritz wurde 1926 in dem kleinen Örtchen Streckenthin in Westpommern im heutigen Polen geboren. Bereits 1938 kam er mit seinen Eltern nach Werdohl. Der Sohn eines Berufsmusikers lernte schon als Vierjähriger das Geigenspiel und erhielt auch bald Klavier- und Trompetenunterricht. Schon als 14-Jähriger besuchte Rudi Fritz die Musikschule der Luftwaffe in Sondershausen/Thüringen, denn er wollte wie sein Vater Berufsmusiker werden.

Der Zweite Weltkrieg durchkreuzte diese Pläne: Rudi Fritz musste an der Westfront gegen die Alliierten kämpfen, wurde schwer am linken Arm verletzt, der gelähmt blieb. Er und konnte deshalb später nicht mehr Geige spielen.

Fritz wurde stattdessen in der Nachkriegszeit Sänger, saß aber in der sowjetisch besetzten Zone fest. Erst 1948 durfte er zu seinen Eltern nach Werdohl ausreisen.

Rudi Fritz (1926 - 2021).

Seine Gesangsausbildung in Köln und Duisburg musste er aus Geldmangel abbrechen. Von der Musik konnte er dennoch nicht lassen. So wurde der Musikzug des Versetaler Schützenvereins schließlich sein Lebenswerk. Zugleich erlebte das Orchester unter der straffen Stabführung von Rudi Fritz seine glanzvollsten Zeiten. 1951 übernahm im Versetal für seinen plötzlich verstorbenen Vater den Dirigentenstab und legte ihn erst 60 Jahre später wieder aus der Hand. Schwungvoll und mitreißend dirigierend, trieb er das Orchester zu Höchstleistungen an.

Der Musikzug spielte auf bis zu zehn Schützenfesten in der Region: in Lüdenscheid, Drüpplingsen, Eveking, Küntrop, Dahle, Werdohl, Altena, Garbeck, Herscheid und Neuenrade. Er gab darüber hinaus regelmäßig Konzerte. Konzertreisen führten das Orchester nach Norwegen (1979, 1984) und Brasilien (1980). Auch eine Schallplatte nahm der Musikzug auf.

Unter der Stabführung seines Kapellmeisters spielte der Musikzug aus dem Versetal unter anderem bei der größten Gartenschau Europas, der „Euroflor“ (1969), bei politischen Veranstaltungen mit Willy Brandt (1975) und Franz-Josef Strauß (1980) und sorgte für den musikalischen Rahmen beim 50-jhährigen Werdohler Stadtjubiläum (1986).

Für seine Verdienste wurde Rudi Fritz, der für seine überdurchschnittliche Korrektheit und musikalische Disziplin bekannt war, mehrfach ausgezeichnet. Zu seinem 30-jährigen Dirigentenjubiläum 1981 überreichte ihm sein Verein einen Taktstock aus purem Silber, 1986 erhielt er den Ehrenring der Stadt Werdohl. „Einer allein ist nichts, es kann nur etwas aus der Gemeinschaft kommen“, kommentierte Fritz die Ehrung durch Werdohls Bürgermeister Hans Pfeiffer bescheiden.

Seinen Einsatz für den Versetaler Musikzug erbrachte Rudi Fritz ehrenamtlich, eine Verdienstmöglichkeit fand er als Kriegsbeschädigter im VDM-Werk in Eveking. Am Mittwoch (18. August) wird Rudi Fritz in Eveking beigesetzt.

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