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Beim Beten wärmer anziehen: Kirchen bleiben kalt

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Von: Volker Griese

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Gottesdienste wie dieser in der Werdohler Christuskirche in der Adventszeit 2019 sind derzeit aufgrund der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus undenkbar. Sogar kleinere Formate mit weniger Besuchern stehen gerade wieder auf der Kippe.
Die Christuskirche in der Werdohler Innenstadt kann allein aufgrund ihrer Größe nicht auf wirklich angenehme Temperaturen aufgeheizt werden. © Schmale

Das Energiesparen geht im nächsten Winter auch an den Kirchen nicht vorbei. Auch in Werdohl und Neuenrade werden sich die Christen wohl darauf einstellen müssen, demnächst den Kirchgang in einer wärmenden Jacke anzutreten. Während die Katholiken schon Entscheidungen getroffen haben, wird bei der Evangelischen Gemeinde noch beraten. Fest steht aber: Es wird ein kalter Winter in den Kirchen.

Werdohl/Neuenrade ‒ „Wir sind im Presbyterium in Gesprächen“, sagte Pfarrer Martin Buschhaus auf die Frage, wie die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl mit den Herausforderungen umgeht, die durch steigende Energiepreise und möglicherweise auch durch Lieferengpässe drohen. Dabei verweist er auf eine Handreichung der Evangelische Kirche von Westfalen. Die Landeskirche gibt den Gemeinden darin Hinweise, wie kirchliche Gebäude beheizt und belüftet werden sollen. Grundsätzlich wird den Gemeinden dazu geraten, die Einrichtung einer Winterkirche zu prüfen. Als Winterkirche bezeichnet man Bereiche in Kirchengebäuden, die von der Hauptkirche abgetrennt wurden, um bei geringem Platzbedarf im Winter einen heizbaren Raum zu schaffen, in dem die Gemeinde sich zum Gottesdienst versammeln kann.

Mit diesem Gedanken scheint sich das Werdohler Presbyterium aber nicht ernsthaft beschäftigen zu wollen. Vor allem wolle die Werdohler Gemeinde die Empfehlungen hinsichtlich der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit beachten, sagte Buschhaus. Das sei wichtig, damit zum Beispiel die Orgel in der Christuskirche keinen Schaden nimmt.

Landeskircheamt empfiehlt Winterkirchen

Dazu empfiehlt die Landeskirche: Wenn die Einrichtung einer Winterkirche nicht möglich sei, solle „die Temperatur des Kirchraums auf ein noch vertretbares Maß abgesenkt werden“, heißt es in der Handreichung. Als Grundtemperatur werden fünf bis acht Grad und als Nutztemperatur höchstens 16 Grad bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 bis 70 Prozent empfohlen. Die Besucher könnten sich an veränderte Bedingungen gewöhnen, schreibt das Landeskirchenamt

„Schon jetzt kann die Christuskirche aus rein technischen Gründen nicht auf mehr als 17 Grad aufgeheizt werden. Wir überlegen aber, ob wir die Temperatur noch weiter senken können“, deutete Buschhaus an, mit welchen Fragen sich das Presbyterium beschäftigt. In Eveking stelle sich die Situation etwas anders dar, weil die dortige Friedenskirche nicht die Ausmaße habe wie die Christuskirche.

Auch in den Gemeindehäusern müsse die Raumtemperatur wohl nicht über Gebühr gesenkt werden, glaubt Buschhaus. Vielmehr solle den verantwortlichen Gruppenleitern noch einmal ins Bewusstsein gerufen werden, nach Veranstaltungen die Heizungen in den Räumen herunterzudrehen.

Katholiken beheizen Kirchen nicht mehr

Während also bei der Evangelischen Gemeinde noch überlegt wird, wie man auf die veränderte Situation angemessen reagieren kann, hat die katholische Pfarrei St. Michael Werdohl-Neuenrade bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Der Kirchenvorstand habe in Abstimmung mit dem Pfarrgemeinderat beschlossen, die Kirchen nicht mehr zu beheizen, teilte Verwaltungsleiterin Klaudia Grobel auf Nachfrage mit. Die Gottesdienstbesucher würden gebeten, sich wärmer anzuziehen.

„Nur wenn es längerfristig sehr kalt werden sollte, werden die Kirchen zu den Gottesdiensten auf maximal zwölf Grad geheizt“, kündigte Grobel weiter an und warb um Verständnis für die Maßnahmen: „Bei den Gasmengen, die wir verbrauchen, kann unser Haushalt die Preissteigerungen nicht auffangen.“ In der St.-Bonifatius-Kirche in Eveking werde zwar mit Öl geheizt, aber auch dort müsse aufgrund von Preissteigerungen und drohenden Lieferengpässen gespart werden.

Allerdings sorgen sich auch die Katholiken um ihre Kirchenorgeln, die unter zu hoher Luftfeuchtigkeit leiden könnten. Um derartige Schäden zu vermeiden, werde die Luftfeuchtigkeit in den Kirchen ständig kontrolliert, damit gegebenenfalls schnell reagiert und eine Schädigung der Orgel und des Inventars vermieden werden könne, sagte Grobel.

Beliebte Aktion im Advent fällt aus

Energie gespart wird bei den Katholiken aber nicht nur in den sakralen Gebäuden. Die Pfarrsäle und Jugendräume werden nur noch zu den Treffen beziehungsweise Gruppenstunden auf höchstens 20 Grad geheizt. In den Büros soll das Thermometer sogar nur noch bis auf 19 Grad klettern. Darüber hinaus wird die Dauer der Nachtabsenkung für die Heizungen verlängert. Und auch Strom wird gespart: Die Strahler, mit denen bisher abends das Franziskaner-Kloster und die St.-Michael-Kirche beleuchtet wurden, sind bereits ausgeschaltet worden. Auch auf die beliebte Adventsfensteraktion im Philipp-Neri-Haus in Neuenrade wird in diesem Jahr ebenfalls verzichtet.

„Wir machen das alles nicht nur aus Gründen der Sparsamkeit, sondern auch aus Solidarität. Wir sind alle aufgerufen, Energie zu sparen, um die Versorgung im nächsten Winter sicherzustellen“, betonte Verwaltungsleiterin Grobel.

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