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Behelfsbrücke über die Lenne: Jetzt doch Verzögerungen

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Von: Volker Heyn

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Das Foto zeigt die Behelfsbrücke kurz vor Beginn der Asphaltierungsarbeiten. Das auf und unter der Brücke fahrbare Gerüst dient der regelmäßigen Kontrolle und Wartung. Die geschraubten Verbindungen müssen halbjährlich überprüft werden. Die erste Schlusskontrolle nach dem Bau hat die Brücke bestanden, sie wird im Gegenverkehr auch von Lkw befahrbar sein.
Das Foto zeigt die Behelfsbrücke kurz vor Beginn der Asphaltierungsarbeiten. Das auf und unter der Brücke fahrbare Gerüst dient der regelmäßigen Kontrolle und Wartung. Die geschraubten Verbindungen müssen halbjährlich überprüft werden. Die erste Schlusskontrolle nach dem Bau hat die Brücke bestanden, sie wird im Gegenverkehr auch von Lkw befahrbar sein. © Wiechowski, Jona

Eigentlich hätte die Tiefbaufirma schon wieder mit den Arbeiten an den Zufahrten zur Behelfsbrücke beginnen sollen, doch die Männer sind woanders eingesetzt worden.

Werdohl – Andreas Berg von Straßen.NRW berichtete auf Nachfrage, dass es jetzt doch zu kleinen Verzögerungen bei der Inbetriebnahme der Behelfsbrücke kommen wird. Bis die Tiefbauer von Gebrüder Schmidt die Bürgersteige und Zuwegungen fertiggestellt haben, dürfte es Mitte oder gar Ende September werden, sagte Berg.

Personelle Engpässe allenthalben verzögern die Fertigstellung der Arbeiten. Dass Eisenteile zur Absicherung der Bürgersteige an den Zuwegungen bestellt sind, aber nicht geliefert werden können, ist schon berichtet worden. Eile besteht tatsächlich nicht an dieser Baustelle. Die Ausschreibung für Abriss und Bau der neuen Lennerbücke ist ohnehin noch nicht veröffentlicht, sodass der Verkehr erst mal weiterhin einspurig über die alte Brücke fließen kann. Wegen der Länge der Ampelschaltung kommt es dort bei Stoßzeiten jetzt nach Ende der Sommerferien doch zu Stauungen und Verzögerungen.

Wenn Ende September die Behelfsbrücke befahrbar sein wird, müssen die Fußgänger von und nach Ütterlingsen noch eine ganze Weile über die alte Brücke gehen. Zwar gibt es angebaute Brückenteile für Fußgänger an der Behelfbrücke, doch die besagten Absicherungen für die Gehwege an den Zufahrten sind noch nicht da.

Auf Nachfrage wirkte Andreas Berg auch Gerüchten entgegen, die Behelfsbrücke würde angeblich nicht mehrere Lkw gleichzeitig verkraften. Es ging das Gerücht durch die Stadt, die Brücke habe den Tüv nicht bestanden, weil die erforderlichen Lasten nicht eingehalten werden können.

Das Team von damals noch Thyssen Krupp Infrastructure hatte die Brücke am 10. Februar erfolgreich auf das Ütterlingser Widerlager geschoben.
Das Team von damals noch Thyssen Krupp Infrastructure hatte die Brücke am 10. Februar erfolgreich auf das Ütterlingser Widerlager geschoben. © Heyn, Volker

Dem ist ganz und gar nicht so, erklärte Andreas Berg, nachdem er sich noch einmal bei Projektleiter Christoph Klappert rückversichert hatte. Das SS 80-Brückengerät ist genau für solche Fälle gebaut worden, es ist sogar für die Last von Panzern ausgelegt. Die Annahme, dass sich auf jeder Spur drei Lkw hintereinander im Gegenverkehr auf der Brücke begegnen, hält Berg für theoretisch. Gerade die SS 80, das stärkste unter den vom Bund auszuleihende Brückengeräten, sei optimal für solche Situationen wie die in Werdohl. Aktuell in Gevelsberg ist eine SS 80 als vorübergehender Ersatz für die L 527 verbaut. Die Verkehrsbelastung auf dieser Landesstraße sei fast so hoch wie die auf der B 236, sagte Berg.

Weil die Fahrspuren der Brücke sehr schmal sind, würden die Lkw immer sehr vorsichtig und langsam auf die Brücke fahren. Das zeige die Erfahrung aus den Jahrzehnten, seit die SS 80 bundesweit eingesetzt wird. Berg: „Das Ding hält.“

Die Behelfsbrücke werde übrigens gar nicht vom Tüv überprüft, sondern von der Firma, die die Brücke montiert hat. Zum Zeitpunkt des Werdohler Brückenbaus war das noch Thyssen Krupp Infrastructure, mittlerweile ist die ganze Abteilung mit denselben Männern an ein anderes Unternehmen verkauft worden. Die Behelfsbrücke muss alle halbe Jahre sorgfältig kontrolliert werden, weil sie komplett verschraubt worden ist. Dazu ist extra ein Hilfsgerüst angebracht, das auch eine Unterfahrung der Brücke erlaubt.

Im Kalten Krieg vom Bundesverkehrsministerium entwickelt

Die SS 80-Brücke ist ein standardisierter Behelfsbrückenbautyp. Die Abkürzung SS 80-Brücke steht für zweispurige Schwerlast-Straßenbrücke für Einzelspannweiten bis zu 80 Metern beziehungsweise Schweres Straßengerät 80 Meter. Es ist ein Fachwerk-Tragsystem.

Das Festbrückengerät SS 80, dessen stählernes Fachwerk aus standardisierten Bauelementen besteht und mit Schraubverbindungen zusammengesetzt wird, eignet sich besonders für den Freivorbau auf systemeigenen Rollenbatterien. Die maximale Spannweite beträgt 80,5 Meter. Die SS 80-Brücke wurde 1975 im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums entwickelt und wird von dort auf Antrag zur Verfügung gestellt. Die Bauteile im Bundeseigentum werden an Zentralen Lagerstätten aufbewahrt.

Ursprünglich sollte dieser Behelfsbrückentyp während des Kalten Krieges im Ernstfall die schnelle Wiederherstellung eines Brückenbauwerks ermöglichen.

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