Vieles hat sich geändert

Begräbnisse mit Abstandsregel: So arbeiten Bestatter in Zeiten von Corona

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Die Friedhofskapelle des Evangelischen Friedhofs in Werdohl: Statt 150 Menschen, dürften nur noch 20 an einer Trauerfeier teilnehmen, berichtet Therese Preikschat. Bei gutem Wetter hätten vielen die Zeremonien, die es gab, bevor die Kapelle wieder öffnen konnte, und freiem Himmel gefallen.

Werdohl – „Schnell gesagt: Vieles hat sich geändert“, sagt Therese Preikschat. Sie ist Bestatterin in Werdohl. Und wie eigentlich in allen Lebensbereichen und Berufen, hat das Coronavirus auch auf ihre Arbeit Auswirkungen.

Das Wichtigste zuerst: „Wir haben bei uns noch keinen Corona-Toten gehabt“, berichtet Preikschat. Vorbereitet für einen solchen Fall wäre sie aber. Dann müsste sie bei der Arbeit unter anderem einen Schutzanzug, mehrere Lagen Handschuhe und eine Maske tragen. 

Besonders schlimm betreffen die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie Angehörige und Freunde des Verstorbenen. Nur noch im engsten Kreis darf von einem geliebten Menschen Abschied genommen werden. Statt 150, fänden jetzt noch 20 Trauernde in der Kapelle des evangelischen Friedhofes Platz, erzählt Preikschat. Dabei sei es schon unter normalen Bedingungen schwierig genug, den Verlust eines Verwandten oder guten Freundes zu verkraften. 

Coronavirus in Werdohl: Trauerfeiern finden im Freien statt 

Die Trauerfeiern finden jetzt – wenn möglich – im Freien statt. Dadurch können zwar mehr Menschen teilnehmen, für sie gilt aber: Abstand halten. Tröstende Umarmungen oder ein wertschätzender Handschlag als Ausdruck der Anteilnahme sind nicht erlaubt. 

„So lange gutes Wetter ist, habe ich schon von einigen gehört, dass ihnen die Trauerfeier unter offenem Himmel gefallen hat“, sagt Therese Preikschat. Sonnenschein, ein lauer Windzug, friedliche Natur: All das kann Anzeichen für Hoffnung sein. Die Hoffnung, dass es irgendwie weiter geht. Um Kraft zu tanken und sich bewusst zu machen, dass man in der schweren Zeit der Trauer nicht allein ist, gibt es normalerweise das Kaffeetrinken nach einem Begräbnis, den sogenannten Leichenschmaus. In den vergangenen Wochen musste der oft ausfallen. Die Restaurants und Gastrobetriebe hatten geschlossen. Inzwischen sind kleinere Zusammenkünfte wieder möglich – immer und überall unter Einhaltung der Abstandsregel. 

Hygienemaßnahmen für Bestatter kein Problem

Für die Bestatter sei eines trotz aller Änderungen in der neuen Situation überhaupt kein Problem: die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Das betont Therese Preikschat. Josef Schütt, Bestattungsunternehmer mit einer Geschäftsstelle in Werdohl und einer weiteren in Herscheid, stimmt ihr zu. „Wir sind immer vorsichtig und halten Abstand, wenn wir einen Toten abholen“, sagt Schütt. Das Desinfizieren der Hände gehöre zum Alltagsgeschäft. 

Trauerfeiern am Grab: Auch dabei müssen Trauergäste den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten.

Mit einem Corona-Toten hatte auch Schütt noch nicht zu tun. Er weiß aber, dass hier besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Die Leichenkammer sei im Krankenhaus räumlich abgetrennt und nur mit Schutzanzug zu betreten. Was die Bestattungen auf dem Friedhof angeht, berichtet Josef Schütt, dass seit der vorsichtigen Wiedereröffnung der Friedhofskapellen viele Trauerfeiern auch wieder dort stattfinden würden. „Das ist einfach noch mal ein ganz anderes Umfeld und eine andere Atmosphäre als draußen am Grab.“ Einen Trend weg von den Kapellen habe es schon einmal gegeben, der habe aber Kostengründe als Ursache gehabt. 

Videoübertragungen als neue Option

Dass nur eine beschränkte Zahl Trauernder an den Beerdigungen teilnehmen darf, „ist bei Verstorbenen mit einer großen Bekanntschaft natürlich ein Problem“. Schütt hat dies zum Anlass genommen, sein Portfolio zu erweitern. Er bietet neuerdings Videoübertragungen an. „Das wollte aber bisher noch niemand haben. Eine Beerdigung ist eine intime Sache. Deshalb wollen viele nicht, dass das in die Medienlandschaft übertragen wird“, erklärt der Bestatter. Trauergesellschaften zeigten viel Verständnis für die Situation. „Es ist ja auch einleuchtend und mittlerweile sind auch eigentlich alle informiert.“ 

Und irgendwo habe es auch sein Gutes, dass die Gruppen kleiner sind: „Ein Pfarrer hat mir erzählt, dass er sich dadurch viel persönlicher um die Gäste kümmern kann und dass das vielen der Trauernden gut tue.“ Jeder Mensch trauere eben anders. So berichtet Schütt auch einen allgemeinen Trend weg vom Leichenschmaus, der zuletzt nicht mehr stattfinden konnte. Stattdessen träfen sich Familien eher im kleinen Rahmen zu Hause zum Kaffee, um sich im engsten Kreis an den Verstorbenen zu erinnern.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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