Begonia semperflorens: Frühling aus der Ampulle

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Peer Römer steht inmitten zahlreicher Stiefmütterchen – auf 26 Tischen verteilt stehen jeweils 1000 Töpfe. Statt ihrer werden in einigen Monaten die Begonien diesen Platz im Gewächshaus einnehmen, bevor sie ab Mitte Mai zum Verkauf stehen.

Werdohl - Die Temperaturen sind zwar noch eisig – die Winterpause beendeten Petra und Peer Römer gestern dennoch. In ihrer Gärtnerei Römer säten sie die ersten Körner des Jahres aus.

Begonia semperflorens – auch bekannt als Eisbegonie oder Apfelblüte – bahnt sich aus ihren kaum erkennbar kleinen Samen ab sofort den Weg an die Erdoberfläche. 

Die gläserne Ampulle ist nur zwei Zentimeter lang; ihr Inhalt erfasst davon lediglich einen Bruchteil. Zarte 0,0108 Gramm wiegen die 1000 Samen, die Peer Römer gestern auf zwölf Kisten verteilte. Dort sollen sie keimen – „die meisten der 12.000 Stück werden das auch“, sagt der gelernte Gärtner. 

Samen mit dem Auge nicht zu erkennen

Vorsichtig bricht er den Hals der Ampulle durch und kippt die Samen behutsam in den Knick eines Blattes Papier. „Ich mache eine Zitterbewegung um sie zu verteilen“, sagt Römer. „Es gibt keine Chance, die Körner mit dem bloßen Auge wiederzufinden, deshalb ist es wichtig, sie möglichst gleichmäßig zu streuen.“ 

Zwei Zentimeter lang ist die Ampulle, in der sich tausend Körner der Begonia semperflorens befinden.

Bis zur Keimung dauere es etwa zwölf Tage: „Die Entwicklung ist am Anfang sehr langsam und bis dahin sind die Keimlinge auch empfindlich. Sobald sie ihre drei, vier Blätter haben, geht es rasant schnell.“ Der Name Eisbegonie sei daher etwas irreführend, erklärte Peer Römer. „Kälte können sie nämlich absolut nicht ertragen.“ So geschmeidig die Blüten seien, so brüchig jedoch die Blätter: „Sie knacken, als hätten sie Frost. Daher wahrscheinlich der Name, der hier in der Region sehr viel geläufiger ist als die Apfelblüte“, erzählt Römer. 

Keimlinge können noch nicht ins Gewächshaus

Da die kleinen Keimlinge so frostempfindlich sind, können sie auch noch nicht ins Gewächshaus: „Wir stellen die zwölf Kisten, die ja noch nicht so groß sind, in einen Raum mit etwa 20 Grad Raumtemperatur und geben ihnen Licht über eine Pflanzenlampe“, sagt Römer. 

Nach etwa zwei Monaten in der Saatkiste kommen die Keimlinge in Multiplatten. Als letzter Schritt vor dem Verkauf ab Mitte Mai werden die Begonien in kleine Töpfe gesetzt und im Gewächshaus aufbewahrt. Dort erhalten sie das nötige Tageslicht zur Blüte. 

Petra und Peer Römer leiten gemeinsam die Gärtnerei Römer in Werdohl. Gestern beendeten sie die Winterpause und kümmerten sich um die Aussaat der ersten Begonien.

„Selbst das blöde Winterwetter erzeugt mehr Licht als die Pflanzenlampen“, sagte Peer Römer und warf direkt einen Blick auf seine Wetterstation. „Jetzt gerade sind es 4,4 Kilolux (Beleuchtungsstärke).“ Bei Dunkelheit würden etwa 3 Kilolux der Lampen die Pflanzen erreichen. „Licht hat ja die tolle Eigenschaft, dass es sich ergänzt“, erklärt Römer. Daher könnten Tages- und künstliches Licht gut kombiniert werden. 

Gewächshaus wird zur Jungpflanzenstube

In einem der kühleren Bereiche des Gewächshauses – wo in einigen Monaten die Begonien in den Töpfen aufbewahrt werden – befinden sich derzeit noch tausende Stiefmütterchen, die kurz vor der Blüte stehen. „Die haben wir bereits im August/September ausgesät.“ 26 Tische mit einer Breite von je zwei Metern stehen in dem Raum des Gewächshauses.

„Genau so werden hier dann die Begonien aufbewahrt“, erläutert Römer. Auf jedem Tisch befinden sich 1000 Stück – in einem Abstand von zwölf Zentimetern von Topfmitte zu Topfmitte. „Das Gewächshaus wird demnächst zur Jungpflanzenstube.“

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