1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Begegnung der Kulturen am Esstisch

Erstellt:

Von: Volker Griese

Kommentare

Zum Fastenbrechen waren am Donnerstagabend auch der türkische Vizekonsul Emre Öngel (rechts), Landrat Marco Voge (links) und Bürgermeister Andreas Späinghaus (2. von rechts) gekommen.
Zum Fastenbrechen waren am Donnerstagabend auch der türkische Vizekonsul Emre Öngel (rechts), Landrat Marco Voge (links) und Bürgermeister Andreas Späinghaus (2. von rechts) gekommen. © Volker Griese

Zu einer Begegnung der Kulturen am Esstisch ist es am Donnerstagabend in der Mensa der Albert-Einstein-Gesamtschule gekommen: Die türkischen Muslime aus Werdohl hatten christliche Vertreter aus Politik und Gesellschaft zum Fastenbrechen eingeladen. Beim abendlichen Essen entwickelten sich viele Gespräche.

Werdohl ‒ Zum Fastenbrechen waren nicht nur etliche Mitglieder türkischer Moscheegemeinden aus Werdohl gekommen, auch Gäste aus Politik und Verwaltung saßen am Tisch: Werdohls Bürgermeister Andreas Späinghaus, Landrat Marco Voge, die MK-Integrationsbeauftragte Silke Ewald und der Werdohler Integrationsbeauftragte Michael Tauscher gehörten dazu. Ehrengast war außerdem der türkische Vizekonsul Emre Öngel aus Essen.

Er bewundere die Konsequenz, mit der gläubige Muslime sich an die Regeln des Fastenmonats Ramadan hielten, sagte Bürgermeister Späinghaus. Fatma Karagöl, islamische Theologin und Religionsbeauftragte der Ditib-Gemeinde, erläuterte, welch hohe Bedeutung das Fasten für Muslime habe. Das hänge auch damit zusammen, dass nach der islamischen Überlieferung wichtige Ereignisse in den Fastenmonat Ramadan gefallen seien, beispielsweise die Herabsendung des Koran.

Der Ramadan sei für Muslime eine Zeit der inneren Einkehr und seelischen Reinigung, erklärte Karagöl weiter. Es gehe beim Fasten nämlich nicht nur um den Verzicht auf Essen und Trinken, sondern auch um die Eindämmung von negativen Einflüssen in der Gesellschaft wie beispielsweise Neid oder Egoismus. „Zum Ramadan gehört auch, anderen Menschen zu helfen und ihnen Freude zu bereiten“, sagte Karagöl. „Das Fasten ist für uns eine Wiederbelebung nicht nur des Individuums, sondern auch der Gesellschaft“, betonte Karagöl, die an der der Universität in Ankara islamische Theologie studiert und einen international anerkannten Bachelor-Titel erworben hat. Es sei darüber hinaus ein Training für die Selbstbeherrschung.

Pünktlich um 20.52 Uhr war es an diesem Donnerstagabend aber mit dem Fasten erst einmal vorbei. Engin Teke, Imam der Ditib-Gemeinde, sprach noch ein Gebet, dann wurden die von Frauen der Werdohler Moscheegemeinden zubereiteten Speisen aufgetischt. Die Gäste ließen sich unter anderem Imam-Bayildi (gefüllte Auberginen) und Karalahana Sarmasi (gefüllte Grünkohlblätter) schmecken, dazu gab es Berge von Fladenbrot. Süßer Abschluss des Iftar-Mahles war – natürlich – Baklava, in Zuckersirup eingelegtes Gebäck aus sehr dünnem Filoteig, gefüllt mit gehackten Nüssen und bestreut mit gemahlenen Pistazienkernen.

Ümit Somakli untermalte die gut zweistündige Zusammenkunft mit traditioneller Musik auf der Kanun, einer orientalischen Kastenzither.

Fastenbrechen: Traditionell zuerst eine Dattel

Als Fastenbrechen wird das Beenden eines eintägigen oder längeren Fastens bezeichnet. Im Islam ist das Fastenbrechen (türkisch: Iftar Sofrasi) der abendliche Abschluss eines Fastentages während des Ramadans (türkisch: Ramazan) mit dem Abendgebet bei Einbruch der Dunkelheit. Traditionell wird als erstes eine Dattel gegessen. Das Eid Al-Fitr (türkisch: Ramazan Bayrami – „Zuckerfest“) am Ende des Ramadan beendet die Fastenzeit. Es ist neben dem Opferfest das wichtigste Fest im Islam und eine Zeit, in der die Familien zusammenkommen, vergleichbar mit dem christlichen Weihnachtsfest. Der Ramadan-Zeitraum richtet sich nach den Mondphasen; in diesem Jahr dauert er vom 2. April bis 1. Mai. Das Fasten gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam. Zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang darf ein gläubiger Muslim nichts essen und trinken. Während der Fastenzeit sollen Körper und Seele gereinigt werden.

Auch interessant

Kommentare